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Das Heavy24 in Chemnitz soll eines der härtesten 24-h-Rennen Deutschlands sein.
Das Heavy24 in Chemnitz soll eines der härtesten 24-h-Rennen Deutschlands sein. - Auf jeden Fall hat es einiges zu bieten und liegt in einer tollen Gegend, die ich anfangs nicht mit MTB in Verbindung gebracht hätte.
Nach meiner Corona-Erkrankung im November 2020 litt ich immer noch an Herzrhythmusstörungen, die bei Belastung den Puls teilweise auf 228 Schlägen pro Minute ansteigen ließ. Vor dem Rennen wurde ich gründlich gecheckt und bekam die ärztliche Freiga
Nach meiner Corona-Erkrankung im November 2020 litt ich immer noch an Herzrhythmusstörungen, die bei Belastung den Puls teilweise auf 228 Schlägen pro Minute ansteigen ließ. Vor dem Rennen wurde ich gründlich gecheckt und bekam die ärztliche Freiga
Keine Übernachtung im Hotel, sondern Camping vor dem Rennen. Rotwein zur Henkersmahlzeit hat sich über die Jahre bewährt.
Keine Übernachtung im Hotel, sondern Camping vor dem Rennen. Rotwein zur Henkersmahlzeit hat sich über die Jahre bewährt.
„Power-Porridge“ als Frühstück von Andy vor dem Rennen. Meine Schwester Eva stärkte sich ebenfalls, um uns zu betreuen.
„Power-Porridge“ als Frühstück von Andy vor dem Rennen. Meine Schwester Eva stärkte sich ebenfalls, um uns zu betreuen.
Meine Wahl für das Rennen war das upgegradete Hardtail.
Meine Wahl für das Rennen war das upgegradete Hardtail. - In der Mitte des Lenkers montierte ich Schaumstoff, um die Arme in der Aeroposition entlasten zu können.
Die Ruhe vor dem Sturm. In 3 min Abständen starteten die Startblocks der 8er, 6er, 4er, 2er und wir Einzelstarter.
Die Ruhe vor dem Sturm. In 3 min Abständen starteten die Startblocks der 8er, 6er, 4er, 2er und wir Einzelstarter.
Vollgas in die erste Kurve und Power auf das Pedal.
Vollgas in die erste Kurve und Power auf das Pedal.
Michael Brauns führt das Feld der Solisten an und ich lernte die Strecke kennen.
Michael Brauns führt das Feld der Solisten an und ich lernte die Strecke kennen.
In der Aeroposition auf den flacheren Streckenabschnitten konnte ich die Hände und Handgelenke entlasten.
In der Aeroposition auf den flacheren Streckenabschnitten konnte ich die Hände und Handgelenke entlasten.
Anders als bei anderen deutschen 24-h-MTB-Rennen waren Mountainbike-Skills von Vorteil. Der letzte Trail der Runde war wie ein Labyrinth verzweigt.
Anders als bei anderen deutschen 24-h-MTB-Rennen waren Mountainbike-Skills von Vorteil. Der letzte Trail der Runde war wie ein Labyrinth verzweigt.
Der spätere Drittplatzierte Kai Ebel übernahm kurzzeitig die Führung. Nur wenige Minuten trennten die vordersten Fahrer.
Der spätere Drittplatzierte Kai Ebel übernahm kurzzeitig die Führung. Nur wenige Minuten trennten die vordersten Fahrer.
Die Veranstalter bekamen permanent direkte Rückmeldung von Elektro-Enduro-Fahrern, welche die Strecke sicherten.
Die Veranstalter bekamen permanent direkte Rückmeldung von Elektro-Enduro-Fahrern, welche die Strecke sicherten.
24-h-Rennen sind nicht nur ein extremer Test für die Fitness und die Psyche, sondern vor allem für das Material.
24-h-Rennen sind nicht nur ein extremer Test für die Fitness und die Psyche, sondern vor allem für das Material. - In keinem Labor kann man solche Rennbelastungen nachbilden, in denen auch Staub oder Dreck eine große Rolle spielen.
Der Gummistiefelweg trägt diesen Namen nicht ohne Grund. Trotz trockenen Bedingungen war dieser Abschnitt eine rutschige Angelegenheit bergauf.
Der Gummistiefelweg trägt diesen Namen nicht ohne Grund. Trotz trockenen Bedingungen war dieser Abschnitt eine rutschige Angelegenheit bergauf.
Das Maskottchen mitten im Wald war eine der coolsten Motivationen auf der Strecke.
Das Maskottchen mitten im Wald war eine der coolsten Motivationen auf der Strecke.
Jede Sekunde zählt, sodass lockeres Dahinrollen nicht möglich war. Leider spürte ich, dass die zugeführte Energie nicht in den Beinen ankam.
Jede Sekunde zählt, sodass lockeres Dahinrollen nicht möglich war. Leider spürte ich, dass die zugeführte Energie nicht in den Beinen ankam.
Nach mehrmaligem übergeben hatte ich eine der dunkelsten Rennstunden meines Lebens. Nach ca. 6 Stunden entschied ich, meinem Körper ein wenig Ruhe zu gönnen und mich neu zu erden.
Nach mehrmaligem übergeben hatte ich eine der dunkelsten Rennstunden meines Lebens. Nach ca. 6 Stunden entschied ich, meinem Körper ein wenig Ruhe zu gönnen und mich neu zu erden.
#16
Nach einer halben Stunde Pause wurde ich zwar noch auf dem 5. Platz gelistet aber ich wollte mich nicht mehr auf Platzierungen fokussieren. Für mich stand also der Spaß im Vordergrund und gönnte mir ein Bier, in der Hoffnung das Genuss den Magen
#16 Nach einer halben Stunde Pause wurde ich zwar noch auf dem 5. Platz gelistet aber ich wollte mich nicht mehr auf Platzierungen fokussieren. Für mich stand also der Spaß im Vordergrund und gönnte mir ein Bier, in der Hoffnung das Genuss den Magen
Für kurze Zeit fühlte ich mich besser und konnte Gas geben. Dennoch fühlte ich mich wie eine menschliche Gänsestopfleber und war aufgebläht.
Für kurze Zeit fühlte ich mich besser und konnte Gas geben. Dennoch fühlte ich mich wie eine menschliche Gänsestopfleber und war aufgebläht.
Die Qual in meinem Gesicht sprach Bände. Ich wollte den Leistungsverlust nicht wahrhaben, aber mein Körper wehrte sich gegen die Belastung. Herbert versuchte mich im Windschatten zu motivieren.
Die Qual in meinem Gesicht sprach Bände. Ich wollte den Leistungsverlust nicht wahrhaben, aber mein Körper wehrte sich gegen die Belastung. Herbert versuchte mich im Windschatten zu motivieren.
Seit einigen Jahren fahre ich mit Rennradschuhen, aber versuchte ein normales Laufshirt mit Kompressionseigenschaften und verbesserter Wärmeregulierung.
Seit einigen Jahren fahre ich mit Rennradschuhen, aber versuchte ein normales Laufshirt mit Kompressionseigenschaften und verbesserter Wärmeregulierung.
Die Sonne stand bald sehr tief und ich nutzte jeden Schwung, den ich mitnehmen konnte. Allerdings hielt ich nach jeder Runde an, um zu verschnaufen und in meinen Körper zu hören.
Die Sonne stand bald sehr tief und ich nutzte jeden Schwung, den ich mitnehmen konnte. Allerdings hielt ich nach jeder Runde an, um zu verschnaufen und in meinen Körper zu hören.
Ich war froh, Runde um Runde zu überleben.
Ich war froh, Runde um Runde zu überleben.
Für die Nacht wechselte ich auf das Fully, um den Körper weiter zu entlasten.
Für die Nacht wechselte ich auf das Fully, um den Körper weiter zu entlasten.
Nach vielen Stunden im Sattel war es für mich einfach nur noch ein Kampf um das Überleben.
Nach vielen Stunden im Sattel war es für mich einfach nur noch ein Kampf um das Überleben.
Gute Miene zum bösen Spiel. Nach extremen Magenproblemen war mein Körper so sehr geschwächt, dass ich mich zur Aufgabe entschieden habe.
Gute Miene zum bösen Spiel. Nach extremen Magenproblemen war mein Körper so sehr geschwächt, dass ich mich zur Aufgabe entschieden habe.
Nun hatte ich aber endlich mal Zeit, das Treiben in der Wechselzone zu beobachten.
Nun hatte ich aber endlich mal Zeit, das Treiben in der Wechselzone zu beobachten.
Selbst das reichhaltige Buffet des Verpflegungszeltes wollte nicht in meinem Körper bleiben.
Selbst das reichhaltige Buffet des Verpflegungszeltes wollte nicht in meinem Körper bleiben.
Jede Kritik an dem Rennen wäre Jammern auf hohem Niveau. Für mich eine perfekt organisierte Veranstaltung.
Jede Kritik an dem Rennen wäre Jammern auf hohem Niveau. Für mich eine perfekt organisierte Veranstaltung.

Als wäre ein Marathon-Rennen nicht schon hart genug, ging Kai Saaler beim Heavy24 Chemnitz, einem 24-Stunden-Marathon-Rennen, an den Start. Was er dort noch alles erlebt hat, welches Bike er warum ausgewählt hat, wie seine Ernährung aussah und was seine Gedanken während des Rennes waren, erzählt er im Rennbericht. Viel Spaß!

Ich wurde oft gefragt, wie man auf die Idee kommt ein 24-h-Rennen zu fahren. Wie viele Jungs war ich bereits früh von 24-h-Rennen fasziniert. Damals noch von der motorisierten Variante in Le Mans und spielte das auf meinem Fahrrad mit Freunden nach.

Das Heavy24 in Chemnitz soll eines der härtesten 24-h-Rennen Deutschlands sein.
# Das Heavy24 in Chemnitz soll eines der härtesten 24-h-Rennen Deutschlands sein. - Auf jeden Fall hat es einiges zu bieten und liegt in einer tollen Gegend, die ich anfangs nicht mit MTB in Verbindung gebracht hätte.
Diashow: Rennbericht Heavy24 Chemnitz: 24 Stunden Kampf – Kai Saaler erzählt vom Rennen
Das Maskottchen mitten im Wald war eine der coolsten Motivationen auf der Strecke.
Ich war froh, Runde um Runde zu überleben.
Anders als bei anderen deutschen 24-h-MTB-Rennen waren Mountainbike-Skills von Vorteil. Der letzte Trail der Runde war wie ein Labyrinth verzweigt.
Nach mehrmaligem übergeben hatte ich eine der dunkelsten Rennstunden meines Lebens. Nach ca. 6 Stunden entschied ich, meinem Körper ein wenig Ruhe zu gönnen und mich neu zu erden.
Der Gummistiefelweg trägt diesen Namen nicht ohne Grund. Trotz trockenen Bedingungen war dieser Abschnitt eine rutschige Angelegenheit bergauf.
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Radeln entwickelte sich zu meiner Leidenschaft, egal auf welchem Bike, aber 24-h-Mountainbiken ist meine Passion. Eine Passion, die mich nun schon seit neun Jahren fesselt. Klassisch begann ich mit Cross Country und steigerte mich zu Marathons. Wie vielen anderen geht es mir nicht ums gewinnen, sondern möchte meine eigenen Grenzen kennenlernen. Irgendwann hatte ich allerdings das Gefühl, dass ich nach Marathons zwar kaputt war, aber nach 2 Stunden wieder eine lockere Tour fahren könne. Dann startete ich beim ersten 12-h-Rennen im Team und bei der nächsten Veranstaltung allein. Seit meiner ersten Teilnahme in Finale Ligure 2012 als Solist, war ich mit dem 24-h-Virus infiziert und hatte mein Ziel, die Grenzen auszuloten, eigentlich erreicht. Es war die totale Vernichtung für Mensch, Maschine und den Geist. Aber ich wollte sehen, ob ich noch größere Distanzen als beim ersten Rennen fahren konnte. Leider hatte ein anderes Virus im letzten Jahr die Begeisterung für solche Rennen etwas gebremst, da keine Rennen stattfinden konnten. Aber in diesem Jahr machte das Night on Bike in Radevormwald den Anfang und nur eine Woche später folgte das Heavy24 in Chemnitz. Ich entschied mich, dem Heavy24 auf den Zahn zu fühlen, ob es wirklich so hart war, wie der Name versprach. Immerhin bin ich Finale gewohnt.

Nach meiner Corona-Erkrankung im November 2020 litt ich immer noch an Herzrhythmusstörungen, die bei Belastung den Puls teilweise auf 228 Schlägen pro Minute ansteigen ließ. Vor dem Rennen wurde ich gründlich gecheckt und bekam die ärztliche Freiga
# Nach meiner Corona-Erkrankung im November 2020 litt ich immer noch an Herzrhythmusstörungen, die bei Belastung den Puls teilweise auf 228 Schlägen pro Minute ansteigen ließ. Vor dem Rennen wurde ich gründlich gecheckt und bekam die ärztliche Freiga
Keine Übernachtung im Hotel, sondern Camping vor dem Rennen. Rotwein zur Henkersmahlzeit hat sich über die Jahre bewährt.
# Keine Übernachtung im Hotel, sondern Camping vor dem Rennen. Rotwein zur Henkersmahlzeit hat sich über die Jahre bewährt.

Das Heavy24 fand dieses Jahr sogar am selben Wochenende wie der Le Mans-Klassiker statt. Doch während ungefähr 1.000 Kilometer entfernt die motorisierten Boliden mit riesigen Teams gegeneinander antraten, war es bei uns Öko-Bikern überschaubarer. Doch die Leidenschaft für solche Rennen ist für Motorsport- und Bikefans wohl dieselbe. Wer den Film Le Mans 66 gesehen und die Beschreibung von Ken Miles (Christian Bale) gehört hat, wird feststellen, dass es tatsächlich Parallelen gibt.

„Power-Porridge“ als Frühstück von Andy vor dem Rennen. Meine Schwester Eva stärkte sich ebenfalls, um uns zu betreuen.
# „Power-Porridge“ als Frühstück von Andy vor dem Rennen. Meine Schwester Eva stärkte sich ebenfalls, um uns zu betreuen.

Es ist noch nicht mal eine Rennstrecke Lee. Le Mans sind 8,5 Meilen über Landstraße. Das Rennen ist hart. Es ist eng, es ist holprig, ohne Leitplanke, Steilkurven. Und du fährst 24 Stunden durch. 24 Stunden! Das bedeutet nachts. Das halbe Rennen ist im Dunkeln, du siehst ’n Scheißdreck. Autos tauchen aus dem Nichts vor dir auf. Fahrer stolpern über die Strecke, Blut überströmt. Einer ist möglicherweise dein Freund. Und er brennt vielleicht. Du hast Hunger, bist erledigt, weißt nicht mehr, wie du heißt, in welchem Land du bist und auf einmal merkst du, dass du auf der Geraden 320 fährst. Wenn irgendwas schiefgeht, dir fliegt ne Dichtung weg, ’n 5 Cent Ding, ist es zu Ende, das war’s. Ferrari gewinnt wieder. So wie im letzten Jahr und dem Jahr davor. Ja, es ist ’ne Herausforderung.

Ken Miles im Film „Le Mans 66“

Meine Wahl für das Rennen war das upgegradete Hardtail.
# Meine Wahl für das Rennen war das upgegradete Hardtail. - In der Mitte des Lenkers montierte ich Schaumstoff, um die Arme in der Aeroposition entlasten zu können.

Ok, Ferraris fahren bei den MTB-Rennen nicht mit, es tauchen keine Autos auf der Strecke auf, es findet nicht auf Landstraßen statt und 320 fährt man auch nicht. Aber anders als in Le Mans wird nicht im Dreierteam gefahren, sondern man ist in der Königsklasse der Einzelfahrer auf sich allein gestellt. Dazu kommen noch Wurzeln, Steine, Sprünge, Schlamm, Staub und man sitzt nicht im schützenden Auto, sondern ist dem Wetter direkt ausgesetzt. Meine Form war zwar bescheidener als in den letzten Jahren, da ich im November 2020 an Corona erkrankt war und immer noch einige Probleme, vor allem mit Herzrhythmusstörungen, hatte. Deshalb habe ich eigentlich erst 3 Wochen vor dem Rennen fokussiert angefangen zu trainieren.

Die Ruhe vor dem Sturm. In 3 min Abständen starteten die Startblocks der 8er, 6er, 4er, 2er und wir Einzelstarter.
# Die Ruhe vor dem Sturm. In 3 min Abständen starteten die Startblocks der 8er, 6er, 4er, 2er und wir Einzelstarter.

Mit meiner Grundfitness war ich mir aber sicher, dass ich auch ein 24-h-Rennen überstehen sollte. Die letzten Intervalleinheiten waren eigentlich auch sehr vielversprechend und meine 5.000 hm Tour eine Woche vor dem Rennen stimmte mich wirklich zuversichtlich. Dennoch wollte ich kein Risiko eingehen und absolvierte einen großen, zwei Tage langen Check-up bei einem spezialisierten Arzt. Bluttest, Langzeit-EKG + Langzeit-Blutdruckmessung, Ultraschall vom Herz, dazu ein Lungenvolumentest und ein Belastungs-EKG. Wie ich schon im Training festgestellt hatte, bekam ich ab einer gewissen Belastung Herzrhythmusstörungen und der Puls kletterte auf maximal 228. Der Doc gab aber Entwarnung, dass am Herz nichts festzustellen war und ich bei moderater Belastung bedenkenlos Sport machen konnte. 24-h-Rennen sind ja „moderate Belastungen“ dachte ich mir. Ich wusste zwar, dass mein Motor keine defekten Teile hatte, aber die Drehzahl unkontrolliert in den roten Bereich klettern konnte. Zusammen mit meiner Schwester, die als Betreuerin dabei war, reisten wir also direkt freitags vom Doc nach Chemnitz.

Vollgas in die erste Kurve und Power auf das Pedal.
# Vollgas in die erste Kurve und Power auf das Pedal.
Michael Brauns führt das Feld der Solisten an und ich lernte die Strecke kennen.
# Michael Brauns führt das Feld der Solisten an und ich lernte die Strecke kennen.

Gegen 20 Uhr erreichten wir die Eventarea und waren wirklich überrascht, wie groß diese war und was alles organisiert wurde. Solch ein 24-h-Rennen ist immer wie ein großes Familientreffen. Tolle Gespräche und ausgelassene Stimmung. Wir waren direkt neben dem mehrmaligen Rennsieger Michael Bruns einquartiert und hatten von Beginn an super Gespräche. Eine Stunde waren wir bei Freunden aus München, zum Abendessen verabredet. Andy und Herbert starteten ebenfalls als Solorider und Carboloading war angesagt. Deshalb gab es gebratener Reis mit Gemüse. Obligatorisch genehmigte ich mir vor großen Rennen eine Flasche Rotwein. Das hat sich die letzten Jahre bewährt und lässt mich schlafen wie ein Baby. Allerdings ist es wie immer eskaliert und Eva (meine Schwester), Sebastian (Betreuer der Münchener) und ich saßen noch recht lange, während im Fahrerlager schon lange die Lichter aus waren. Aber wir hatten mega viel Spaß und ich dachte mir, „Never change a winning System“.

In der Aeroposition auf den flacheren Streckenabschnitten konnte ich die Hände und Handgelenke entlasten.
# In der Aeroposition auf den flacheren Streckenabschnitten konnte ich die Hände und Handgelenke entlasten.

Am nächsten Morgen vor dem Rennen, hatten wir noch einiges zu richten und ich musste mein von Starrgabel auf Lefty umgebautes Stoll R1 fertigstellen. Andy kredenzte „Power-Porridge“, da er als MS-Erkrankter sehr penibel auf natürliche und nachhaltige Ernährung achtet, sodass das Porridge wohl eine der gesündesten Mahlzeiten meines Lebens war. Naja, über den Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber ich dachte mir, „Wenn’s Power gibt, würg ich mir das Zeug halt rein.“ Nach einer halben Schüssel war dann allerdings Schluss und ich widmete mich wieder der Rennvorbereitung. Bis dato hatte ich aber noch keine Streckenbesichtigung absolviert, sondern mich einzig auf die Schilderungen von Michael Bruns verlassen. Michael riet mir, die ersten 800 m zu fahren, da dort alles, was die Strecke hergibt, enthalten sei. Es war einiges an Waldautobahn, aber in den Downhills schüttelt es Fahrer und Material wegen der endlosen Wurzelteppiche ordentlich durch. Das upgegradete R1 war allerdings so geil, dass ich schon richtig erregt war und es kaum erwarten konnte, lange Zeit damit zu kuscheln. Bei 24-h-Bikes verhält es sich ähnlich wie mit den Le Mans-Boliden: Einerseits brauchst du eine superleichte Maschine, mit der man am Berg und auf den Geraden nicht zu viel Watt verliert. Aber das beste Bike bringt nichts, wenn es die Strecke nicht pausenlos absolvieren kann. Die Zeit bis zum Start verging wie immer wie im Fluge und wir begaben uns an die Startlinie.

Anders als bei anderen deutschen 24-h-MTB-Rennen waren Mountainbike-Skills von Vorteil. Der letzte Trail der Runde war wie ein Labyrinth verzweigt.
# Anders als bei anderen deutschen 24-h-MTB-Rennen waren Mountainbike-Skills von Vorteil. Der letzte Trail der Runde war wie ein Labyrinth verzweigt.

Zunächst starteten die 8er-Team-Fahrer und mit jeweils 3 Minuten Abstand die 6er-, 4er- und 2er-Teams. Dann waren wir Einzelstarter an der Reihe. Gleich zu Beginn zog sich das Feld auseinander und es wurde sich vorne beäugelt. Michael führte das Feld an und ich reihte mich auf Position zwei ein. Mein primäres Ziel war, zunächst die Strecke kennenzulernen. Der Österreicher Stefan Hackel attackierte schon in der ersten Runde und ich versuchte dem Vorstoß zu folgen. Aber mehr als 400 Watt waren definitiv zu viel und wir ließen ihn ziehen. Nun war ich allerdings in Führung, wollte aber nicht zu viel Power auf das Pedal geben. Die Wattzahlen waren zwar moderat aber mein Puls war permanent bei 180.

Der spätere Drittplatzierte Kai Ebel übernahm kurzzeitig die Führung. Nur wenige Minuten trennten die vordersten Fahrer.
# Der spätere Drittplatzierte Kai Ebel übernahm kurzzeitig die Führung. Nur wenige Minuten trennten die vordersten Fahrer.

Die hohe Drehzahl war meiner Meinung nach wieder auf den Corona-Systemfehler zurückzuführen, aber mir war bewusst, dass ich so mehr Treibstoff benötigen würde. Mein innerer Monolog war sich allerdings nicht sicher, auf welche Kennzahlen man sich in dieser Situation verlassen könne. Motordrehzahl oder Poweroutcome? Ich entschied mich für die Wattanzeige, da ich mich wirklich gut fühlte und mich während der Belastung gut unterhalten konnte. Auf den ersten Runden stellte sich allerdings schnell heraus, dass die Abfahrten wirklich sehr ruppig sind, ich den Nachteil des Hardtails gegenüber den Fullyfahrern aber mit einer guten Linienwahl wieder wettmachen konnte.

Die Veranstalter bekamen permanent direkte Rückmeldung von Elektro-Enduro-Fahrern, welche die Strecke sicherten.
# Die Veranstalter bekamen permanent direkte Rückmeldung von Elektro-Enduro-Fahrern, welche die Strecke sicherten.

Leider konnte ich aber das sehr geringe Gewicht meines Bikes an den Anstiegen nicht wirklich ausspielen, da es eigentlich nur moderate Uphills gab. Nicht vergleichbar mit Finale oder meiner Heimat, dem Schwarzwald. Es war also eine Rollerstrecke mit wirklich coolen Downhills. Vor allem der letzte Singletrail war super flowig, hatte aber extrem viele Varianten. Man konnte im Trail verschiedenste Abzweigungen wählen, die unterschiedliche Skills oder Geschwindigkeiten voraussetzten. Der Trail war perfekt, um langsamere Fahrer zu überholen, aber ich brauchte ungelogen mehr als zwei Stunden, um die schnellste Variante herauszufinden.

24-h-Rennen sind nicht nur ein extremer Test für die Fitness und die Psyche, sondern vor allem für das Material.
# 24-h-Rennen sind nicht nur ein extremer Test für die Fitness und die Psyche, sondern vor allem für das Material. - In keinem Labor kann man solche Rennbelastungen nachbilden, in denen auch Staub oder Dreck eine große Rolle spielen.

Jedes Teilstück hielt Überraschungen bereit, die durch den starken Bewuchs erst im letzten Moment erkennbar waren. In einer der ersten Runden wählte ich eine Variante, bei der plötzlich in einer Kurve ein größerer Baumstumpf auftauchte. Ich versuchte zwar noch zu bremsen, aber war deutlich zu schnell und sprang mit Not darüber. Das sah von außen sicherlich spektakulär und cool aus, aber ich hatte mir fast in die Hose gemacht. Die 513 Starter verteilten sich optimal auf der Strecke, sodass man selten viel Verkehr hatte. Das waren zwar nur 50 % der Teilnehmer aus den Vorjahren, aber es war, denke ich, die richtige Entscheidung.

Der Gummistiefelweg trägt diesen Namen nicht ohne Grund. Trotz trockenen Bedingungen war dieser Abschnitt eine rutschige Angelegenheit bergauf.
# Der Gummistiefelweg trägt diesen Namen nicht ohne Grund. Trotz trockenen Bedingungen war dieser Abschnitt eine rutschige Angelegenheit bergauf.

Nach mehr als zwei Stunden war ich gut im Rennen, aber hatte das Gefühl, dass die zugeführte Energie nicht in den Beinen ankommt. Das Wetter war leicht bewölkt, bei 27° C und eigentlich perfekt. Ich entschied mich dazu, einen Tick mehr zu konsumieren, da ich davon überzeugt war, dass der hohe Puls dafür verantwortlich sei. Nach drei Stunden übernahm Kai Edel kurzzeitig die Führung, aber die vorderen fünf Fahrer waren alle sehr nah beieinander. Vor allem Anselm Holthaus schätzte ich als einen der Sieganwärter ein, da er 2019 bereits 12-h-Europameister wurde. Die Führung und Platzierungen der vorderen Fahrer wechselten mit nahezu jeder Runde.

Das Maskottchen mitten im Wald war eine der coolsten Motivationen auf der Strecke.
# Das Maskottchen mitten im Wald war eine der coolsten Motivationen auf der Strecke.

Mein Zustand verschlimmerte sich allerdings zunehmend und es kam mir vor, als würde ich ernährungstechnisch irgendetwas nicht vertragen. 2019 beim 24-h-Rennen am Alfsee hatte ich ein ähnliches Problem und es besserte sich erst, nachdem ich mich übergeben hatte. Soweit wollte ich es allerdings nicht kommen lassen, aber merkte nach vier Stunden, dass sich dies wohl nicht mehr vermeiden lässt. Ich fühlte mich wie eine Versuchsperson für eine menschliche Stopfleber. Ich drückte immer weiter Flüssigkeit in meinen Hals hinein, aber aus irgendeinem Grund wurde nichts verstoffwechselt. In Stunde 5 war der Tank endgültig überfüllt. Ich fuhr aus einer Wurzelpassage direkt in einen Anstieg und musste anhalten, um mich zu übergeben.

Leider gibt es dafür keine Worte, um das schön zu umschreiben. Schwallartig spritze es förmlich fünfmal aus mir heraus. Schnell war klar, dass die Flüssigkeit, die ich zu mir nahm, den Magen nie erreicht hatte. Ich fuhr also weiter und hoffte, dass es jetzt wieder besser laufen würde. Zwei Runden später hielt ich außerplanmäßig in der Verpflegungszone der Einzelstarter an und beriet mich mit meiner Schwester. Das Gefühl war noch nicht besser, aber ich versuchte eine Kleinigkeit zu essen. Für mich ist aufgeben absolut keine Option und ich fuhr dann mit angezogener Handbremse weiter.

Jede Sekunde zählt, sodass lockeres Dahinrollen nicht möglich war. Leider spürte ich, dass die zugeführte Energie nicht in den Beinen ankam.
# Jede Sekunde zählt, sodass lockeres Dahinrollen nicht möglich war. Leider spürte ich, dass die zugeführte Energie nicht in den Beinen ankam.
Nach mehrmaligem übergeben hatte ich eine der dunkelsten Rennstunden meines Lebens. Nach ca. 6 Stunden entschied ich, meinem Körper ein wenig Ruhe zu gönnen und mich neu zu erden.
# Nach mehrmaligem übergeben hatte ich eine der dunkelsten Rennstunden meines Lebens. Nach ca. 6 Stunden entschied ich, meinem Körper ein wenig Ruhe zu gönnen und mich neu zu erden.

Mein Ziel war längst nicht mehr auf Platzierung zu fahren, sondern herauszufinden, was das Problem sei. Nun ging es nicht mehr um Sieg oder Niederlage, sondern um das nackte Überleben. Erstaunlicherweise fühlte ich mich nach meinem kurzen Stopp wieder sehr gut und hatte an den Anstiegen wieder ordentlich Druck. Nur anderthalb Runden später kam es allerdings ohne Vorwarnung erneut schwallartig aus mir heraus und konnte in letzter Sekunde den Kopf zur Seite drehen, um nicht das ganze Cockpit zu treffen. Ich sprang also direkt von meinem Bike und ließ mir die ganze Situation noch einmal durch den Kopf gehen. Nach wenigen Minuten war der Spu(c)k wieder vorbei und ich entschied mich, die Runde zu Ende zu fahren und dann eine längere Pause einzulegen. Im Fahrerlager angekommen musste ich mich erst einmal einige Minuten hinlegen.

#16
Nach einer halben Stunde Pause wurde ich zwar noch auf dem 5. Platz gelistet aber ich wollte mich nicht mehr auf Platzierungen fokussieren. Für mich stand also der Spaß im Vordergrund und gönnte mir ein Bier, in der Hoffnung das Genuss den Magen
# #16 Nach einer halben Stunde Pause wurde ich zwar noch auf dem 5. Platz gelistet aber ich wollte mich nicht mehr auf Platzierungen fokussieren. Für mich stand also der Spaß im Vordergrund und gönnte mir ein Bier, in der Hoffnung das Genuss den Magen

Eigentlich war ich schon total ausgelaugt und zerstört. Aber so wollte ich das Rennen nicht beenden und versuchte, positiv zu denken. Meine Schwester meinte dann zu mir, dass wenn es ja jetzt nicht mehr um Platzierungen geht, wir ja dann auch ein Bier zusammen trinken könnten. „Haja, warum denn eigentlich nicht. Eventuell läuft es ja dann wieder besser.“ Antwortete ich. Gesagt. Getan. Ich zottelte also los, um für uns beide ein frisch gezapftes, kaltes Fassbier zu holen. Einfach eine Wohltat und ein Hochgenuss. Durch meine lange Pause rutschte ich zwar auf den 8. Platz ab, war aber erstaunt, dass ich noch in den Top 10 war.

Für kurze Zeit fühlte ich mich besser und konnte Gas geben. Dennoch fühlte ich mich wie eine menschliche Gänsestopfleber und war aufgebläht.
# Für kurze Zeit fühlte ich mich besser und konnte Gas geben. Dennoch fühlte ich mich wie eine menschliche Gänsestopfleber und war aufgebläht.
Die Qual in meinem Gesicht sprach Bände. Ich wollte den Leistungsverlust nicht wahrhaben, aber mein Körper wehrte sich gegen die Belastung. Herbert versuchte mich im Windschatten zu motivieren.
# Die Qual in meinem Gesicht sprach Bände. Ich wollte den Leistungsverlust nicht wahrhaben, aber mein Körper wehrte sich gegen die Belastung. Herbert versuchte mich im Windschatten zu motivieren.

Das motivierte mich ungemein und schwang mich voll Euphorie wieder auf das Carbonross und ritt dem Sonnenuntergang entgegen. Na ja, die Euphorie hielt zwar nicht lange, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung. Es wurde langsam dunkel und in der Nacht werden die Karten meist neu gemischt. Wie ich erwartete, hatte sich Anselm an die Spitze gesetzt und fuhr konstante Rundenzeiten. Ganz zum Gegenteil zu mir. Ich suchte eine Ausrede nach der anderen, um im Fahrerlager kurz zu halten. Bei einem meiner Blitzstopps sah ich, dass die Betreuer neben uns Wassermelonenstücke hatten.

Seit einigen Jahren fahre ich mit Rennradschuhen, aber versuchte ein normales Laufshirt mit Kompressionseigenschaften und verbesserter Wärmeregulierung.
# Seit einigen Jahren fahre ich mit Rennradschuhen, aber versuchte ein normales Laufshirt mit Kompressionseigenschaften und verbesserter Wärmeregulierung.
Die Sonne stand bald sehr tief und ich nutzte jeden Schwung, den ich mitnehmen konnte. Allerdings hielt ich nach jeder Runde an, um zu verschnaufen und in meinen Körper zu hören.
# Die Sonne stand bald sehr tief und ich nutzte jeden Schwung, den ich mitnehmen konnte. Allerdings hielt ich nach jeder Runde an, um zu verschnaufen und in meinen Körper zu hören.
Ich war froh, Runde um Runde zu überleben.
# Ich war froh, Runde um Runde zu überleben.

Mein gieriger Blick blieb natürlich nicht unbemerkt und es wurde mir prompt ein Stück hingestreckt. Zack war das Stück verputzt und ich setzte meine Fahrt weiter, da Andy gerade an mir vorbeigefahren war. Wir fuhren einige Zeit zusammen und konnten uns super unterstützen. Allerdings war ich einen kleinen Tick schneller und er signalisierte, dass er sein eigenes Tempo fahren müsse. Bei 24-h-Rennen ist es ohne hin extrem wichtig, auf seinen eigenen Rhythmus zu achten. Jeder erlebt während eines solchen Rennens Höhen und Tiefen, in denen es wichtig ist, in sich hineinzuhören. Mittlerweile waren wir in Stunde 10 und es ging straff auf Halbzeit zu. Das ist oft ein kritischer Punkt, da man positiv bemerkt, dass die Hälfte schon geschafft ist. Allerdings ist es genau so niederschmetternd, dass man auch erst die Hälfte geschafft hat.

Für die Nacht wechselte ich auf das Fully, um den Körper weiter zu entlasten.
# Für die Nacht wechselte ich auf das Fully, um den Körper weiter zu entlasten.

Vor allem nachts ist man mit sich selbst beschäftigt und lässt den Gedanken freien Lauf. Einerseits bist du mit dem Rennen beschäftigt und planst, was du in der nächsten Runde konsumieren willst, welche Linienwahl du triffst oder ob du im Windschatten eines Teamfahrers mithalten kannst. Andererseits ist es, als würde dein Leben an dir vorbeiziehen, du Kindheitserinnerungen hast oder neue Urlaubspläne schmiedest. Aber im Allgemeinen besinnt man sich auf das wesentliche und merkt, wie gut es einem ohne Schmerzen geht, während man sich Schmerzen aussetzt.

Nach vielen Stunden im Sattel war es für mich einfach nur noch ein Kampf um das Überleben.
# Nach vielen Stunden im Sattel war es für mich einfach nur noch ein Kampf um das Überleben.

Während ich also über all diese Dinge sinnierte, eruptierte mein Mageninhalt erneut ohne Vorwarnung. Ich sprang in den Wald und reiherte aus, was noch an Flüssigkeit in meinem Körper war. Unentdeckt zu bleiben war allerdings unmöglich, da meine Lupine auf dem Helm wie eine horizontale Leuchtturmlampe im ganzen Wald strahlte. Es war, als ob sich der Magen endgültig auflöste und ich war erschreckt, als ich rote Stücke entdeckte. Jetzt lief es mir auch noch kalt den Rücken herunter und ich hatte wirklich Schiss. Bis mir einfiel, dass ich ein paar Runden zuvor ein Stück Wassermelone gegessen hatte. Nach einer halben Stunde fuhr ich die Runde zu Ende, aber es hatte nun wirklich keinen Sinn mehr weiterzufahren. Aus unserer Sologruppe musste auch Herbert mittlerweile mit ähnlichen Problemen das Rennen beenden und nur Andy war von uns noch übrig geblieben.

Wir schickten meine Schwester ins Bett und betreuten Andy nun selbst. Er war aussichtsreich auf dem fünften Platz, hatte aber große Probleme in den Downhills. Durch Andys Multiple Sklerose-Erkrankung war er auf dem rechten Auge erblindet und hatte im Dunklen auf den Trails große Probleme, die Wurzeln oder Hindernisse zu fokussieren. Er klagte zunehmend über Handprobleme, da er in jeder Abfahrt verkrampft den Lenker festhielt. Nach einer Runde stoppte Andy zitternd bei uns und berichtete, dass er seinen Lenker in den Abfahrten nicht mehr festhalten könne und er haarscharf beinahe mit einem Baum kollidierte. Der Haudegen fuhr dann zwar noch eine weitere Runde, aber die Situation verschlechterte sich sichtbar. Wir überredeten ihn, dass Sicherheit vorging und es keine Schande wäre, unter diesen Umständen abzubrechen.

Gute Miene zum bösen Spiel. Nach extremen Magenproblemen war mein Körper so sehr geschwächt, dass ich mich zur Aufgabe entschieden habe.
# Gute Miene zum bösen Spiel. Nach extremen Magenproblemen war mein Körper so sehr geschwächt, dass ich mich zur Aufgabe entschieden habe.

Da saßen wir nun. Drei geknickte Mienen, ins Leere starrend und gezeichnet von dem Rennen. Wir alle hatten uns den Ausflug in den Osten deutlich anders vorgestellt, aber zu ändern war dies leider nicht mehr. Verlieren gehört zur Lektion des Lebens und wenn man ehrlich ist, geht es ja um nix. Es ist alles nur Hobby und nach dem Wochenende sollte man wieder wohlbehalten bei der Arbeit oder der Familie aufkreuzen. Es war mittlerweile 2 Uhr nachts, Herbert ging duschen und Andy war schon eingeschlafen.

Ich nutzte die Zeit, um solch ein Rennen mal aus anderer Perspektive zu beobachten und schlenderte über das Event. Die Veranstalter hatten tatsächlich eine kleine Stadt errichtet, mit großer Bühne, großer Fahrradreparaturstation, Sanitätseinrichtungen in Containern, Sanitätszelt, allerlei kulinarischen Ständen, Kärcher-Station und Ausstellern der Bikebranche, wie die „Seilspeichen“ von PiRope oder einem Flugsimulator. Ich beobachtete das hektische Treiben in der Wechselzone und die verschiedenen Teamtaktiken. Einige sprinteten mit ihren Bikes in der Hand wie Usain Bold und andere hatten es nicht wirklich eilig auf die Strecke zu kommen. Allerdings brach nun langsam die kritische Zeit eines 24-h-Rennens an, in der Müdigkeit allgegenwärtig war.

Nun hatte ich aber endlich mal Zeit, das Treiben in der Wechselzone zu beobachten.
# Nun hatte ich aber endlich mal Zeit, das Treiben in der Wechselzone zu beobachten.

Egal, ob Eventpersonal, Teambetreuer oder Fahrerinnen und Fahrer, alle waren gezeichnet, hatten kleine Augen, Falten im Gesicht und einige schienen nur gähnend zu atmen. Am Verpflegungsstand der Wechselzone wollte ich etwas von dem extrem großen Buffet essen, aber bereits die ersten Bisse meines Käselaugenbrötchen wollten wieder raus. Nach kurzer Zeit in einem der Klowagen entschied auch ich mich zu schlafen und wollte mich in den Tagstunden noch einmal auf das Bike setzen. Immerhin ist das das Schöne an 24-h-Rennen. Theoretisch kann man als Solist die Pausen so lange gestalten, wie man möchte und hat den Vorteil, immer versorgt zu sein. Während wir nun alle schliefen, nahm das Rennen weiter seinen Lauf.

Selbst das reichhaltige Buffet des Verpflegungszeltes wollte nicht in meinem Körper bleiben.
# Selbst das reichhaltige Buffet des Verpflegungszeltes wollte nicht in meinem Körper bleiben.

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Anselm Holthaus und Michael Brauns entbrannt. Anselm konnte in der Nacht allerdings Sekunde um Sekunde auf Michael gut machen, aber erfahrungsgemäß kann jede Runde ein Defekt oder Sturz die Situation verändern. Anselm gewann mit 50 gefahrenen Runden, eine halbe Stunde vor Michael, mit derselben Rundenzahl. Kai Edel erkämpfte sich den dritten Platz auf dem Podium (48 Runden) und jeweils mit einer weiteren Runde Abstand finishten Dennis Sczudlek und Daniel Bürgin. Bei den Frauen waren zwar nur 4 Starterinnen angetreten, aber zwischen Astrid Narud und Katrin Reichelt spielte sich ein echter Krimi ab. Es wurde sich kein Meter geschenkt und erst nach 43 Runden endete das Martyrium der beiden mit 2 Minuten Abstand zueinander. ZWEI MINUTEN auf 24 Stunden! Am Ende hatte Astrid hauchdünn die Nase vor Katrin, aber in meinen Augen sind wirklich beide Gewinnerinnen. Die Plätze drei und vier gingen mit weniger Rundenzahlen an Sandy Schott und Isabell Zierer.

Ich war allerdings auch morgens nicht fitter als in der Nacht und habe schweren Herzens meine Startnummer als DNF abgegeben. Mit dem Rennen habe ich aber noch eine Rechnung offen und werde definitiv nicht das letzte Mal dabei gewesen sein. Vor allem, weil ich selten an so einem super organisierten Rennen war. Deshalb mein Fazit. Ich habe wohl das letzte Mal Porridge gegessen und werde zukünftig den Fokus auch im Training auf Wettkampfernährung legen. Die Strecke war für ein deutsches Rennen wirklich super cool und hatte fast alles zu bieten. Beim Event gibt es ebenfalls eigentlich nichts auszusetzen. Für Teams wurde eine kostenlose App angeboten, in der an vier Punkten der Strecke die Zeiten getrackt und in Echtzeit übermittelt wurden. So konnten die Teams ihre Taktik und Wechsel besser organisieren. Leider wurde das für Einzelstarter nicht angeboten, aber würde meiner Meinung nach ebenfalls Sinn ergeben, damit die Betreuer nicht zu viel Zeit an der Strecke verbringen. Am Sonntag wird die Anmeldung für 2022 scharf geschaltet und ich werde sicher vor dem Rechner sitzen.

Jede Kritik an dem Rennen wäre Jammern auf hohem Niveau. Für mich eine perfekt organisierte Veranstaltung.
# Jede Kritik an dem Rennen wäre Jammern auf hohem Niveau. Für mich eine perfekt organisierte Veranstaltung.

Was sagst du zum 24-Stunden-Martyrium von Kai Saaler?

Infos und Bilder: Kai Saaler
  1. benutzerbild

    filiale

    dabei seit 06/2005

    180 Puls ist bei keinem Menschen moderat. Alles Andere ist schönreden.
  2. benutzerbild

    gertschi

    dabei seit 11/2010

    Da mag i doch lieber mit der Schwester a Pulle Vino verköstigen ....
    ... gerne auch länger als 24 Std. smiliesmilie
  3. benutzerbild

    filiale

    dabei seit 06/2005

    Da mag i doch lieber mit der Schwester a Pulle Vino verköstigen ....
    ... gerne auch länger als 24 Std. smiliesmilie

    oh oh, da kommt gleich der Admin wegen Du weißt schon...
  4. benutzerbild

    _Tim

    dabei seit 05/2019

    Will sowas auch unbedingt mal machen, auch als Einzelstarter.
    Würde ich auch machen, aber gerne im Team.
    Ggf. vorher erstmal 12 h im Sattel sitzen.

    Bei der Technik/Ernährung würde ich keine großen Experimente machen.
  5. benutzerbild

    Laktathunter

    dabei seit 11/2008

    Der Kai hat in der Vergangenheit viel Ultrarennen gewonnen und weiß wie es geht. Generell sind wir Ultrafahrer sicher nicht die vernüftigsten Menschen sonnst würden wir uns das nicht antun. Kai hat sich im Vorfeld mit dem Arzt abgesprochen und auf dieser Basis entschieden, es trotzdem zu versuchen. Ich selbst bin 3 Wochen vor dem Heavy von einem Auto umgenietet worden und flog in die Frontscheibe. Auch ich kam zu dem Schluss "Lieber versuchen und Scheitern, als von vorne herein zu sagen es klappt nicht"
    Kai hat´s versucht und es hat nicht geklappt, wie in seinem Bericht geschrieben hat es bei mir zu Platz 5 gereicht. Wie in meinem Bericht geschrieben war ich froh das er da war, denn ich hatte Defektpech und Kai war wie immer sehr hilfsbereit.

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