HomeAllgemeinDauertest – Marzocchi 888 RC3 evo Titanium — 23. Januar 2012 17:27

Dauertest – Marzocchi 888 RC3 evo Titanium

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Da lag sie nun. Die Marzocchi 888 RC3 Evo Titanium. Der Name allein versprach viel und von verschiedenen Stellen hatte man schon gehört, Marzocchi sei nach einer kleinen Durststrecke der letzten Jahre wieder auf dem hohen Level an Performance angekommen, mit dem sie nicht nur in den Anfangsjahren des härteren Mountainbikes überzeugen konnten. 1997 begann sie – die legendäre “Bomber”-Serie. 7 Jahre später erblickte die erste 888 mit edlem, mattschwarzen Unterbein und filigraner “M”-Brücke das Licht der Welt.
Seitdem durchlief die 888 mehrere Phasen der Überarbeitung. Eine der wohl grundlegendsten war die stufenweise Verlagerung der Fertigungsstätte nach Fernost in den Jahren 2007 – 2009.
Marzocchi setzte schon immer auf ein offenes Ölbad um eine konstante Schmierung aller Teile zu gewährleisten und durch das große Ölvolumen eine bessere Temperaturbeständigkeit bei hartem Einsatz zu garantieren.

Vor mir also die Gabel für einen Dauertest. Auf der Kiste und der recht kurz gehaltenen Anleitung prangt groß das “Tenneco”-Logo. Die Herkunft und das neue Werk aus dem die Gabel stammt wird nicht kleingedruckt und versteckt – man schaut nach vorne und pocht nicht mehr auf das ‘Made in Italy’.

Beim Herausnehmen und Hinstellen der Gabel hört man das Öl in den Standrohren gluckern. Spontan ertappe ich mich dabei, wie die Worte “good old times” durch meinen Kopf klingen. Und noch während ich über meine verflossenen Gabeln wie DJ1, Z3, DJ-Street und 888 (04) nachdenke, lege ich die Gabel auf die Waage und traue meinen Augen nicht. Mit integriertem Vorbau und ungekürztem Schaft kommt die Gabel auf genau 3kg, was leichter als meine Boxxer Team ist!

Finish
Vom Finish her erinnert die Gabel mit ihren vernickelten Standrohren etwas an die 2007er 888 Worldcup. Im Lieferumfang enthalten ist der 53mm lange integrierte Vorbau mit eigenem Loch-Standard. Für das Modelljahr 2012 wurde hier nachgebessert und die neue ausgefräste (und damit etwas leichtere) Krone nimmt jeden Directmount-Vorbau mit “Boxxer”-Standard auf. Sehr gut gefiel mir die 8inch PM Bremssattelaufnahme. Dank dieser Aufnahme kann eine Bremse mit PM-Sattel ohne zusätzlichen Adapter angebaut werden, was noch mal Gewicht spart (ca. 35g).

Die Achse wird immer noch wie beim ersten Modell aus dem Jahre 2004 über beidseitige 6er Inbusschlüssel verschraubt und mit 4 x 4er Titan-Inbusschrauben von oben geklemmt. Das wirkt sehr solide, allerdings ist man beim Laufradausbau doch relativ schnell genervt von der Dauer der Prozedur. Andere Hersteller können das besser und verwöhnen hier mit einer einzelnen Schraube (z.B. Rock Shox BoXXer).

Die Leitungsführung ist über eine kleine Kunststoffschelle realisiert, welche die Bremsleitung sicher an ihrem Platz hält.

Einstellmöglichkeiten

  • Zugstufe
  • Druckstufe (EVO Kartusche)
  • Federvorspannung
  • Endprogression (Luftkammergröße welche fix vorgegeben ist)
  • Kompressionseinstellung
  • Shimstack: Über eine spezielles Angebot von Cosmic kann das Shimstack noch auf die persönlichen Wünsche des Fahrers angepasst werden. Für diesen Custom-Tune wendet man sich entweder an Cosmic Sports oder aber an den Marzocchi Race Support auf einem der Events wo sie vor Ort sind. Das Basis-Setup dürfte aber über den großen Einstellbereich bereits die meisten Fahrer glücklich machen.

Federhärten (4 Varianten):

  • weich (4,4Nm – ca. 55-65kg)
  • standard (5,5Nm – ca. 65-80kg)
  • hart (6,5Nm – ca. 80-95kg)
  • extra hart (7,7Nm – ca. 95-115kg)

Man findet sich recht schnell zurecht mit allen Knöpfen. Von oben kann man am linken Holm die Zugstufe und das Luftkammervolumen verstellen. Durch das Vergrößern oder Verkleinern dieser kann die Endprogression der Gabel angepasst werden, um harten Durchschlägen entgegenzuwirken. Da sich diese Einstellung nur auf den Ende des Federwegs auswirkt erhält man so eine softe Gabel, die nicht ständig auf Anschlag durchrauscht. Auf der linken Seite befindet sich die oben die Federvorspannung, unten die Kompressionseinstellung. Hier regelt MZ High- sowie Lowspeed Druckstufe gleichzeitig über einen Knopf. Eine separate Einstellung über zwei Rädchen, wie man es von der Boxxer (Team und Worldcup) kennt, gibt es nicht.

Die Ausfedergeschwindigkeit wird laut Marzocchi in Abhängigkeit vom Preload der Feder und Abstimmung des Volume Adjust (Luftvorspannung) geregelt.

Erste Ausfahrt / Setup
Um ein erstes Gefühl für die Gabel zu bekommen fahre ich auf einem Spot, den ich mit meinem Rad auch mit der Boxxer (Team) schon öfters gefahren bin. Dadurch, dass ich das Gelände kenne und weiss wie sich das Rad mit seiner Federung darauf für mich verhalten sollte, komme ich schneller zu meinem gewünschten Basis-Setup.

Mit zirka 90kg Körpergewicht (fahrfertig) liege ich etwas über dem Härtebereich der Standardfeder. Dadurch ergibt sich ein etwas erhöhter Sag, dem ich aber mit der Federvorspannung entgegenwirken kann.

Die Zugstufe stelle ich auf eine für mich angenehme Geschwindigkeit ein und mache die ersten Abfahrten.
Schon beim Losfahren macht sich ein Grinsen in meinem Gesicht breit. Das Ansprechverhalten liegt im Bereich des “fast nicht spürbar” Level, wie ich es auch von meiner 2006er 888 kannte.
Selbst auf kleinste Unebenheiten reagiert die Gabel noch, im direkten Vergleich kommt meine Boxxer Team da nicht mit. Als ich mich ein wenig eingewöhnt habe, lasse ich es etwas mehr laufen und fahre härter in die kleinen Anlieger.

Die Gabel sackte hier recht weit zusammen, was ich aber mit einer Erhöhung der Druckstufen-Einstellung und etwas mehr Vorspannung sehr gut unterbinden konnte. Wichtig hierbei ist, dass das Luftkammervolumen hier keinen Einfluss auf die Einfedertiefe hat.

Downhilleinsatz
Auf meinem kleinen Spot vor der Haustür konnte ich zwar mein Grundsetup machen, aber im Grunde genommen ist die Gabel dort völlig unterfordert. Eine schnellere Strecke mit Renncharakter musste her. Bei einem IBC-Treffen kurze Zeit später hatten wir die Möglichkeit, eine dieser Strecken mit einem Video zu dokumentieren.


IBC Marzocchi 888 RC3 EVO Titatnium Dauertest von Grinsekater auf MTB-News.de

Nach der ersten Abfahrt bin ich schon ziemlich begeistert. Sahniges Ansprechverhalten und konsequentes Dämpfen der Schläge, ohne dabei hart zu wirken, lassen mich mit einer extremen Lässigkeit das Gelände angehen. Die Gabel fühlt sich dabei so sanft an, dass es anfangs ungewohnt ist, damit Sprünge mit definierter Absprungkante zu machen.

Mit einer Boxxer spüre ich etwas mehr vom Untergrund, bekomme mehr Feedback. Verlässt das Vorderrad eine Kante, spüre ich das. Bei der 888 spürt man das anfangs nicht und man muss sich daran gewöhnen, was nach einigen Abfahrten jedoch kein Problem mehr darstellt.

Gesamteindruck
Durch das extrem gute Ansprechverhalten, das sich im Laufe des Tests noch weiter verbesserte, erhöht sich der Grip am Vorderrad spürbar gegenüber unsensibleren Gabeln. Mit meinem Gewicht von gut 90kg fahrfertig bin laut Tabelle eigentlich schon etwas zu schwer für die Standardfeder. Dennoch kam ich, mit etwas höherer Vorspannung und stärkerer Druckstufe, sehr gut mit der Gabel zurecht. Bei primärem Renneinsatz würde ich aber zur härteren Feder greifen/raten.

Alle Schläge wurden sehr gut gedämpft und die Gabel blieb extrem sauber in der Spur. Selbst wenn man in einem Steinfeld eine ungewollte Linie nahm, wo ein Felsblock schnell mal für einen Salto sorgen kann, schluckte die 888 diesen sauber weg. Man fühlte sich selbst in heiklen Situationen extrem sicher und konnte so die Strecke noch härter angehen.

Mit dem neuen Level an Dämpfung, dem quasi nicht vorhandenem Losbrechmoment, den guten Einstellmöglichkeiten und nicht zuletzt wegen des niedrigen Gewichts ist Marzocchi eine Gabel gelungen, die sich definitiv wieder mit den Großen messen kann – wenn nicht sogar einige von ihnen übertrifft. Hinzu kommt, dass selbst nach mehreren Monaten Einsatz auch auf harten Strecken die Gabel ohne jedwedes Murren ihren Dienst verrichtete. Top Performance scheint hier auf Wartungsfreundlichkeit zu treffen.

Neuerung zum 2012er Modell
Für 2012 wurde die Kompressionsdämpfung etwas überarbeitet und bekam nun den Zusatz evo2. Ein direkter Vergleich hierzu fehlt mir leider. Wobei ich mir schwer vorstellen kann, wie man eine so gute Gabel noch weiter verbessern könnte.
Einige Wermutstropfen gab es dennoch: Der werkzeugintensive Laufradausbau kann auf Dauer etwas nerven und der Preis von 340 Euro für eine härtere Titanfeder ist doch etwas hoch angesiedelt.

Wer mit 279 Gramm mehr an der Gabel leben kann, dürfte auch mit der 888 RC3 Evo(2) gut beraten sein: diese schont den Geldbeutel mit 650 € Preisdifferenz zur Titanversion.

Angebotene Versionen

888 RC3 EVO2 titanium – 1649 Euro – 2990g inkl. Achse ohne Vorbau
- Available colors: white
» (RC3 EVO V2)
+ REBOUND V2
+ HI LO AUTO COMPRESSION ADJUST
+ SHIM STACK VALVE
+ VOLUME ADJUST
» TITANIUM SPRING
+ MECH. PRELOAD
» 20mm AXLE
» 38mm NICKEL TREATMENT ALUMINUM TAPERED STANCHIONS
» ALUMINUM STEER TUBE
+ 4 HOLES UPPER CROWN
+ TITANUM BOLTS
» 8″ PM D-BRAKE (MAX 230mm)

888 RC3 EVO2 – 999 Euro – 3269g inkl. Achse ohne Vorbau
- Available colors: white
» (RC3 EVO V2)
+ REBOUND V2
+ HI LO AUTO COMPRESSION ADJUST
+ SHIM STACK VALVE
+ VOLUME ADJUST
» SPRING
+ MECH. PRELOAD
» 20mm AXLE
» 38mm HARD ANODIZED ALUMINUM TAPERED STANCHIONS
» ALUMINUM STEER TUBE
+ 4 HOLES UPPER CROWN
» 8″ PM D-BRAKE (MAX 230mm)

888 CR – 820 Euro – 3440g inkl. Achse ohne Vorbau
- Available colors: flat black
» (CR)
+ COMPRESSION
+ REBOUND
» SPRING
+ MECH. PRELOAD
» 20mm AXLE
» 38mm HARD ANODIZED ALUMINUM TAPERED STANCHIONS
» ALUMINUM STEER TUBE
+ 4 HOLES UPPER CROWN
» 8″ PM D-BRAKE (MAX 230mm)

888 RCV – 699 Euro – 3660g inkl. Achse ohne Vorbau
- Available colors: flat black
» (RCV)
+ COMPRESSION
+ REBOUND
» SPRING
+ COIL AND AIR PRELOAD
» 20mm AXLE
» 38mm HARD ANODIZED ALUMINUM STANCHIONS
» ALUMINUM STEER TUBE
+ 4 HOLES UPPER CROWN
» 8″ PM D-BRAKE (MAX 230mm)

Stahl- bzw Titanfedern in anderen Härten:
– Stahl 40,- Euro
– Titan 340,- Euro


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