HomeMagazinMedienReise & Spot-GuidesRoadtrip im Herzen der USA – Teil 4: Wie verdurstet man eigentlich? — 28. Juni 2013 10:00

Roadtrip im Herzen der USA – Teil 4: Wie verdurstet man eigentlich?

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Unfälle sind das Resultat einer Aneinanderreihung von Fehlern. Das wusste ich schon vor unserem letzten Tag in Moab, und doch sind wir nur durch Glück nicht in eine ernste Situation hinein geraten. Denn genau das haben wir mehrere Stunden lang gemacht: Einen Fehler nach dem anderen.

Deshalb passiert es mir um 13 Uhr mittags, dass ich mich ernsthaft frage: Wie ist es eigentlich, so kurz bevor man verdurstet? Was sind die ersten Anzeichen? Oder geht das ganz plötzlich, Hitzeschlag und Game Over? Aber fangen wir vorne an.

Der Vorabend

Am Vorabend: Die Konversation dauert – kein Wunder bei den Preisen für Deutsche Mobiltelefone in Amerikanischem Netz – nur wenige SMS.

“Was habt ihr morgen vor?”
“Mag7, ein Favorit der Locals, wurde uns schon mehrmals empfohlen!”
“Klingt gut, wann und wo?”
“7:30 vor dem Chile Pepper Bike-Store, das Shuttle kostet 25$”
“Alles klar, dann bis morgen!”

Und genau so bereiten wir uns auf die Tour vor: Gar nicht. Warum auch? Der Trail soll ausgeschildert sein bis zum Geht-nicht-mehr, bei durchschnittlichen Fahrern nur 3 Stunden dauern, wenn wir um Acht starten und uns ran halten wird das ein schöner Vormittag.

7:25

Mit deutscher Pünktlichkeit entladen wir um 7:25 unsere Bikes aus dem Jeep. Simone ist zuhause geblieben, weil sein Rücken schmerzt, und so stehen Jens, Chris, Daniel und ich um 7:30 bereit und warten auf das Shuttle. Die Rucksäcke sind voll mit jeder Menge Trinken, ein paar Energyriegeln, ansonsten leicht, ist ja nur eine kurze Tour. Wir staunen nicht schlecht über das Shuttle, unser Fahrer hat Dave hat es selbst aus zwei VW T3 zusammen geschweißt, es ist quasi die Stretch-Version eines guten Alten VW Bus. Satte 6,40m lang und mit einem Mörder-Radstand ausgestattet macht das Ding einiges her.

6,40m langer Stretch-Bus
# 6,40m langer Stretch-Bus

Als Dave erzählt “Eigentlich ist der nur bis 2,1 Tonnen zugelassen, was die Federung angeht, aber ich hab schon problemlos 3,2t reingepackt!” weiß ich nicht ob ich lachen oder weinen soll. Aber er weiß uns zu beruhigen: “Klar musste ich zur Abnahme. Ich hab denen gesagt es wird schon passen, sie haben Hupe und Bremse gecheckt und here you go! Da stecken unten zwei Stahlprofile mit Rechteckquerschnitt drin, da passiert nichts!”. Ich bin trotzdem froh, im vorderen Teil zu sitzen und frage mich stattdessen, warum das Shuttle nicht auf einen hohen Berg fährt, ich hatte da an 2000hm wie beim Whole Enchilada gedacht. Stattdessen bringt uns das Teil nur relativ weit ins Hinterland, Höhenmeter machen wir vielleicht so 300. Bevor die Bikes vom Dach kommen heißt es Cash auf die Kralle, in der ersten Morgenstunde hat Dave schon seine 200$ in der Tasche, kein schlechtes Geschäft für die Nebensaison, denke ich mir.

Dave betont nochmal, dass wir den Mag7 lieben werden und nicht verfehlen können, dann treten wir in die Pedale und fahren an der Fracking-Bohrstation vorbei in Richtung Magnificent 7. Den Trail hat die Frau des Erbauers vom Whole Enchilada gebaut, er bestand ursprünglich aus 7 großartigen Singletrails, inzwischen sollen es sogar 11 sein. Alles gut ausgeschildert, wie gesagt. Außerdem hat er uns an der Straße gezeigt, wo der Trail uns ausspucken wird: Nahe einem Parkplatz auf dem Highway 191.

Wer die Kondition hat, wird auf dem Mag-7 viel Spaß haben
# Wer die Kondition hat, wird auf dem Mag-7 viel Spaß haben

8:30

Wir treten also los, vor allem Jens und Chris sind ziemlich motiviert. Der Grund: Sie müssen heute noch zurück nach Park City und haben hier in Moab noch nicht aus dem Hotel ausgecheckt – Check-out time ist um 11. Als wir losfahren, ist es 8:30, da muss man Gas geben. Dementsprechend rasen wir die Beschreibung von unserem Fahrer ab: 1,6km auf der Schotterstraße, dann kommt ein Wendeplatz, an dem beginnt der Mag-7. Wir finden alles wie beschrieben und heizen in den Trail. Der ist ganz gut, aber noch nicht grandios, als ich nach 4km auf einem Schild “7-Up” lese und mir denke: Okay, ist ja erst einer von 7 tollen Trails. Nochmal 2km später schauen wir auf einer Karte nach, wie weit wir schon sind und staunen nicht schlecht: 7-Up und Mag-7 haben nichts außer der verflixten 7 miteinander gemeinsam! Wir sind einen völlig anderen Trail gefahren!

Zum Glück muss man nur nochmal 1,2 Meilen Trail fahren und landet wieder auf der Straße, der folgt man dann 6 Meilen und ist wieder am Ausgangsort. Wir schätzen uns glücklich, den Fehler noch rechtzeitig gemerkt zu haben und rasen auf dem dritten Kettenblatt auf der Straße zurück, die Jungs müssen ja schnell zurück ins Hotel, eine weitere Nacht kostet jeden 70$.

Links der falsche Trail, rechts der richtige. Shit Happens
# Links der falsche Trail, rechts der richtige. Shit Happens

9:30

Als wir erneut am Start stehen, haben wir bereits eine Stunde und 16km in den Beinen. Jeder hat schon gut von den Wasservorräten getrunken, trotz der noch erträglichen Temperaturen. Wir brettern erneut zum Wendekreis, denn jetzt wissen wir ja, dass wir schon dort falsch abgebogen waren. Und tatsächlich! Der Mag-7 beginnt ungefähr 180° gegenüber vom 7-Up, er ist ebenso mit Strichen markiert, nur gelb und nicht blau. Der erste der sieben Trails heißt “Bull Run” – auf dem richtigen Trail und immer noch gut in der Zeit gibt Jens das Tempo vor, wir überholen eine Gruppe nach der anderen. Wie beschrieben ist dieser Weg ab und an durch Forststraßen unterbrochen und ändert dabei seinen Namen, “Mag-7″ steht aber immer mit auf den Schildern. Läuft wie geschmiert, auch wenn wir uns von diesem hoch gelobten Singletrail mehr erhofft hatten. Der Mag-7 fährt sich ein bisschen wie ein MTB-Pumptrack aus Fels und Steinen.

Der Mag-7 - ein guter Trail, aber kein so außergewöhnlicher.
# Der Mag-7 – ein guter Trail, aber kein so außergewöhnlicher.

Das macht Spaß, kostet aber auch unheimlich Kraft. An der nächsten dreifach Kreuzung steht eine große Gruppe Biker, die wir fragen, wo es lang geht: “Mag-7? Die sind alle Mag-7!”. Das verwirrt uns leicht, dank einer an einem Unterstand montierten Karte wissen wir aber bald: Tatsächlich führen alle Varianten zum Ziel: Arth’s Trail links, die Schotterpiste geradeaus und “Great Escape” rechts. Wir entscheiden uns für Arth’s Trail, also biegen wir ab und treten weiter, schnell, flowig, kurvig – macht schon Spaß. Zwei Kreuzungen weiter, auf Little Canyon, wird der Trail immer mehr zum Uphill und wir fangen an zu nörgeln: “Bisschen mehr Downhill könnte das schon sein!” und “Insgesamt einfach zu flach!”, auch auf “Gold Bar” haben wir nicht mehr Spaß. In der Stimmung passieren wir ein Schild, auf dem in etwa steht: “Exit? Turn Around and follow the Road to the Highway!”. Das klingt für uns nach Notausstieg, haben wir aber nicht nötig. Stattdessen wissen wir ja: Da vorne kommt eine Schotterpiste, die bringt uns zum Highway, und der nach Moab. Also gönnen wir uns eine Pause, ziehen schon mal die Knieschoner aus und kühlen uns mit Wasser.

Hier, um halb Zwölf, wähnten wir uns fast schon zuhause.
# Hier, um halb Zwölf, wähnten wir uns fast schon zuhause.

11:30

“Von wegen Forstpiste, die schütteln nochmal nen Singletrail aus dem Ärmel” rufe ich zu Jens vor, als die erwartete Forstpiste nicht kommt. Die gelben Striche verschwinden irgendwann, dafür sind jetzt weiße da – auch ok. Nach ungefähr 1,5km Downhill fragt Chris, ob wir hier eigentlich noch richtig sind. Ohne Karte und Wegweiser schwer zu sagen, die Richtung stimmt auf jeden Fall. Die Optionen: Uphill wo wir herkamen, oder Downhill, mal gucken. Klare Sache, Downhill! Bald kommt auch eine Kreuzung mit Wegnamen und Richtungen, links soll es Richtung “Highway” gehen, auf einem Trail namens “Rusty Nail”.

Klingt gut genug für uns, auch die Himmelsrichtung stimmt – das wissen wir immerhin dank Smartphone. So weit wir den 4×4-Weg einsehen können, macht er erst mal eine große Kurve, geht dann über den Horizont und dann hoffentlich schnell Richtung Highway. Hoffentlich. Als wir an besagtem Horizont stehen, sehen wir vor uns: Eine große Kurve, danach einen Anstieg und: Einen weiteren Horizont. Die Optionen: Vor oder zurück. Vorne: Hoffentlich der Highway. Hinten: Beschwerlich und offen, ob das zum Ziel führt. Also nach vorne. Am Horizont angekommen blicken wir auf einen langen, felsigen Anstieg, der an einem Horizont endet, der nun wirklich der höchste sein muss, dahinter kann es nicht mehr bergauf gehen, muss es zum Highway runter gehen. Die Gruppenmoral ist am Boden, das Feld hat sich ganz schön auseinander gezerrt, statt zu rasen schieben wir jetzt, am Morgen wurden eindeutig zu viele Kohlen verbrannt.

Shit. Der Highway ist zum Greifen nah, wäre da nicht die Klippe.
# Shit. Der Highway ist zum Greifen nah, wäre da nicht die Klippe.

Kurz bevor wir über den Rücken schauen können, gabelt sich der Weg erneut auf: Wir kommen von Rusty Nail, jetzt geht es links auf einen Trail, den wir nicht entziffern können, oder rechts auf G.S. . Rechts ist Moab. Wir fahren nach rechts, nähern uns dem Ausblick und meine Befürchtung wird war: Weil wir so viel bergauf gefahren sind / geschoben haben, immer in der richtigen Himmelsrichtung, war klar: Wir sind zwar verdammt nah am Highway, aber eben auch ca. 300hm drüber. Nah und hoch heißt: Steilklippe. Fuck, Fuck, Fuck.

Mobiles Internet am Abgrund – immerhin verdursten wir surfend.Damit wird auch den letzten von uns klar, dass die Geschichte hier heute lang wird, vielleicht lebensgefährlich. Als wir über einen nur 10cm breiten, aber viele Meter tiefen Riss schieben, hat jeder von uns Szenen aus dem Film “127 hours” im Kopf und überlegt, wie viel Wasser wir eigentlich noch dabei haben. Diese Klippe hat eigentlich nur einen positiven Aspekt: Wir haben ein bisschen Handy-Empfang und gönnen uns mobiles Internet, um die Nummer von einem 4×4-Touren-Anbieter herauszufinden. Die wählen wir, kommen auch durch, dann bricht die Leitung ab. Das Handynetz verabschiedet sich, wie in einem Film. Einem verdammt schlecht. Weil uns die 2h zurück zur letzten, ungewissen Kreuzung nicht wirklich locken und der Weg zumindest grob Richtung Moab geht, folgen wir dem Trail “G.S.”.

Smartphone in der Wüste? Vergiss es.
# Smartphone in der Wüste? Vergiss es.

13:00

An der nächsten Hügelkuppe bestehe ich darauf, nochmals das Handy zu zücken. “Von hier aus brauchen wir mit dem Jeep 4 Stunden zurück nach Moab”, sagt Sam, der Freund von Jake, zwischen ein paar Funklöchern. Sam? Jake? So richtig gut kenne ich die zwei auch nicht, und doch waren sie eine verdammt große Hilfe. Nachdem uns Kompass und GoogleMaps bis auf einen Kilometer an den rettenden Highway gebracht, aber die 100m Klippe verschwiegen hatten, sind wir zugegebenermaßen ziemlich aufgewühlt und in einer misslichen Lage: Der 4×4 “Weg” führt zwar grob in die richtige Richtung, aber mit gigantischen Schlaufen und Umwegen, ist ja auch klar, wer sich auf so einen Weg begibt, will ja nirgendwo hin, sondern in erster Linie Spaß haben. Andererseits wissen wir: Zurück sind es mindestens zwei Stunden bis zur nächsten Kreuzung, und ob der andere Weg an ein Ziel führen würde?

Ein platter Reifen und wir wechseln aus dem Regen in die Traufe.
# Ein platter Reifen und wir wechseln aus dem Regen in die Traufe.

Keine Ahnung. Irgendwie brauchen wir aber mal langsam Klarheit, ob wir heute noch aus der Wüste rauskommen, und hier kommen Sam und Jake ins Spiel. Jake ist nur der Typ, der den Hörer abgenommen hat, als wir bei einem 4×4-Adventure-Tour-Anbieter anrufen. Er hat keine Ahnung, auf welchem Weg wir da gelandet sind, aber sein Kumpel Sam kennt jede Ecke, sagt zumindest Jake. Also telefonieren wir mit Sam, und tatsächlich: “G.S. steht für Grand Spike, einen bekannten Jeep-Trail hier. Der führt zwar nicht nach Moab, aber immerhin zum Bike / Jeep Trail “Poison Spider”, kurz P.S. – auch der führt nicht nach Moab, aber immerhin ins Tal an den Colorado River, von wo es nur noch 10 Meilen auf Teerstraße sind. Und bis zur Teerstraße sind es lediglich 11 Meilen 4×4 Strecke, wenn das keine guten Neuigkeiten sind…

Fata-Morgana? Glaub schon.
# Fata-Morgana? Glaub schon.
Inzwischen haben wir zu viert nur noch 2l Wasser bei uns, inzwischen ist es 13 Uhr, die aktuelle Wüsten-Temperatur: 35°C, Tendenz steigend.Die weniger guten Neuigkeiten: Inzwischen haben wir zu viert nur noch 2l Wasser bei uns, inzwischen ist es 13 Uhr, die aktuelle Wüsten-Temperatur: 35°C, Tendenz steigend. Weitere vier Stunden mit jeweils 0,5l zu Trinken sind vielleicht nicht tödlich, aber dennoch ein bisschen zu nah dran für unseren Geschmack. Der einzige Haken: Wir haben keine Wahl, Schatten ist rar, weit und breit kein Mensch, kein Fluss, keine Quelle – immerhin wissen wir, dass der Weg zielführend ist. Das motiviert und lenkt vom Gedanken ab, bald allen Ernstes die 911 anzurufen und sich ausfliegen lassen zu müssen.

Ungefähr eine Meile, drei Schlenker und zwei Schiebepassagen später ist die Motivation leider schon wieder verflogen, in diesem Tempo und bei der Hitze wird das alles nichts. Genau in diese Situation hinein passiert, worauf wir alle gehofft hatten – wirklich daran geglaubt hatte aber keiner: Uns kommen zwei Jeeps entgegen, die langsam aber sicher ihre schwarzen Reifenspuren auf den roten Fels ziehen. Nach kurzer Erläuterung, in welch misslicher Lage wir uns befinden, erweisen sich unsere neuen Freunde als sehr hilfsbereit: 10 Minuten und die Feststellung, dass eine der Beifahrerinnen vor 38 Jahren aus Frankfurt ausgewandert ist, später haben wir mit Hilfe der Wasservorräte und dem geschmolzenen Eis aus den Kühlboxen unsere Wasservorräte wieder aufgefüllt, jeder ein Snickers in der Hand und frohen Mut, diese Tortour doch noch gut zu Ende bringen zu können.

Diesen 4x4-Fahrern verdankten wir 10l Wasser und eiskalte Snickers.
# Diesen 4×4-Fahrern verdankten wir 10l Wasser und eiskalte Snickers.

13:45

“God bless America” denke ich und fange wieder an zu treten, Pausen werden nur noch im Schatten eingelegt. Trotz all der Motivation merkt man, wie die Kräfte langsam schwinden, immer öfter werden Sandfelder durchschoben. Die Temperaturen steigen, die Stimmung fällt. Jeder weiß: Ein technischer Defekt, ein Sturz, ein Schlangenbiss, irgendein weiterer Zwischenfall und wir stecken richtig tief drin, und zwar nicht nur im Sand.

Landschaftlich schön? Kann sein, interessiert mich aber nicht. Ich will hier raus.
# Landschaftlich schön? Kann sein, interessiert mich aber nicht. Ich will hier raus.

Grand Spike führt tatsächlich auf Poison Spider, cool. Allerdings gleich zwei Mal! Wir erinnern uns alle an was anderes, sind aber eigentlich sicher, auf der Karte eine Abbiegung nach links gesehen zu haben. Die Karte haben wir übrigens auch mit unseren super smarten Smartphones fotografiert – nur leider den falschen Ausschnitt. Einmal öfter ärgere ich mich über diese grandiose neue Technik, die Tatsache, ohne Karte unterwegs zu sein, die vielen Fehler, die wir bisher schon gemacht hatten. Rechtzeitig umdrehen wäre auch zu einfach gewesen. Wichtig in der Situation ist aber, weiter zu machen – und zwar ohne Fehler.

Kühlboxen enthalten, wenn das Eis geschmolzen ist, genau das, was wir brauchen: Wasser!
#Kühlboxen enthalten, wenn das Eis geschmolzen ist, genau das, was wir brauchen: Wasser!

Also biegen wir links ab, durchqueren drei Sandfelder, erklimmen einen Felsgipfel und blicken auf den weiteren Verlauf. Uns wird klar: Wir sind auf einen Loop abgebogen, eine Extra-Tour für übermotivierte. Richtig für uns wäre unten geradeaus gewesen, der Weg folgt dann rechts über den Rücken, mäßig steil, und endet dann irgendwann am Colorado River auf einer Straße. Also umkehren, zurück zur Kreuzung und weiter.

Mary, Jane und Francis hatten weniger Glück als wir. R.I.P.
# Mary, Jane und Francis hatten weniger Glück als wir. R.I.P.

Das hier sind nicht die Alpen!Der Weg wird tatsächlich fahrbarer, inzwischen hat es etwa 40°C, das Wasser ist wieder leer und wir passieren einen Grabstein, der mit einem Stück Jeep dekoriert ist. Wird die Zahl der Outdoor-Sportler, die es hier in der Wüste von Moab dahin rafft, heute um 4 steigen? Handynetz haben wir nämlich keines mehr, kein Heli, keine Bergwacht, das hier sind nicht die Alpen.

Fast geschafft: Endlich ist der Weg wieder fahrbar.
# Fast geschafft: Endlich ist der Weg wieder fahrbar.

15:45

Eine halbe Stunde später gute Neuigkeiten: Der Weg, auf dem wir sind, ist bei googleMaps eingezeichnet – wenn das nicht mal was ist. Bei der nächsten Pause sehe ich am Horizont beschattete Sitzgelegenheiten und höre erneut Motorgeräusche, Rettung in Sicht! 500m weiter hat sich meine Sitzgelegenheit als Fatamorgana oder Wunschdenken entpuppt, auch von den Jeeps ist nichts mehr zu hören, bis wir um die nächste Kurve biegen: Gleich sieben Jeeps, hell yeah, ein dicker Fang.

Kreuzung von Grand Spike und zwei Mal Poison Spider, erneute Verwirrung.
# Kreuzung von Grand Spike und zwei Mal Poison Spider, erneute Verwirrung.

“Yeah, you guys are tough!” begrüßt mich der Fahrer des ersten Jeeps. Ich antworte nur “Not on purpose, not on purpose…” – und ja, wir wären lieber irgendwo unten, im Fluss, im Pool, an der Bar, im Auto, unfassbar viele Orte fallen mir ein, an denen ich lieber wäre. Doch die Jeep-Fahrer retten erneut die Tour, ziehen nicht nur eisgekühltes Wasser, sondern auch Gatorade aus dem Kofferaum, motivieren uns: Nur noch eine halbe Stunde!

Ich muss sagen: Die beste Gatorade meines Lebens, und ich spare sie mir auf – bis meine Reifen auf Asphalt rollen, schwöre ich mir.

16:10

Die Übersichtskarte bietet etwa 0,5qm Schatten, und die sichere ich mir als erster am Anfang der Asphalt-Straße. Der Colorado-River verlockend nah, nass und kalt, und diese gelobte Straße mit ihrem wunderschönen Asphalt! Fehlt eigentlich nur ein Pick-up, der uns alle mitnimmt und uns die 16km Rückfahrt erspart. Ich mache es kurz: Der Pick-Up kommt nicht, nur Jens schafft es, sich mit Krämpfen in einen Kombi quetschen zu lassen, wir treten müde durch die Hitze.

Ziemlich auf dem Zahnfleisch, würde ich mal sagen.
# Ziemlich auf dem Zahnfleisch, würde ich mal sagen.

17:05

Denny’s ist das erste Restaurant in Moab, gleich rechts. Als Daniel und ich eintreten, kommt Chris gerade aus dem Bad, er hat nicht länger an sich gehalten, sondern sich erstmal übergeben. Wir nutzen free refill voll aus, sitzen einfach nur da, völlig kaputt.

Eine herrliche Landschaft, aber ebenso gefährlich.
# Eine herrliche Landschaft, aber ebenso gefährlich.

Als wir beim Abendessen rekapitulieren, was wir für einen Riesenschrott zusammen gefahren sind, schätzen wir uns unheimlich glücklich. Mal abgesehen davon, dass man nicht so unvorbereitet und ohne Karte auf eine Tour in einer uns fremden Landschaft aufbrechen darf, wären wir einfach mal umgedreht… Hätte, Hätte, Fahrradkette eben. Ich kann nur jeden ermuntern, an Abzweigungen zwei Mal zu überlegen. Wenn man nicht weiß, wohin der Weg einen führt, zwei Mal darüber nachzudenken, ob es nicht schneller sein könnte, kurz umzudrehen. Wusste ich auch alles vorher – hat mich unterwegs aber nicht interessiert. Gruppendynamik und Faulheit stechen gute Ausbildung.

Unkommentierte Fakten:

  • Uns ist das Wasser nie ausgegangen – weil wir Glück hatten.
  • Am Abend hatte ich über den Tag verteilt 9,5l Flüssigkeit getrunken.
  • Wir haben tatsächlich den klassischen Mag-7-Trail gemacht. Weil sich die Zeitangaben des Shuttle-Fahrers und der Locals aber auf den Ausstieg “Gemini Bridges” bezogen und wir den verpassten, wähnten wir uns völlig falsch.
  • Zusammen mit der versehentlichen Runde “7-Up”, dem Schlenker auf dem Poison Spider Loop und der Heimfahrt hatte unsere Vormittags-Runde am Ende 65km.
  • Wir saßen statt 2,5h etwas mehr als 8h im Sattel.
  • Karten retten Leben.
  • God bless America – für seine Jeep-Fahrer mit Kühlboxen im Gepäck.

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