Lenzerheide, Runde Nummer 8 für diese Saison. Also mittlerweile schon mehr Weltcup-Rennen gefahren als die Saison davor komplett. Mega cool, so viele Rennen zu fahren – macht auf jeden Fall einiges spannender. Ich glaube, man bleibt dadurch mehr im Loop, und mehr Rennen fahren bedeutet auch mehr Spaß. Lenzerheide ist für mich eigentlich immer ein Ort gewesen, wo ich in der Vergangenheit ziemlich gut performt habe. Von dem her habe ich mich schon sehr darauf gefreut. Der Trackwalk war dann, muss ich ehrlich sagen, ein bisschen enttäuschend. Es wurde außer am Start, wo drei Bikepark-Anlieger reingebaut wurden, nichts geändert. Also ist der Start eigentlich schlechter geworden als davor, und sonst war alles genau gleich wie 2023.
Das finde ich immer schade. Man könnte wenigstens die Linien ändern oder irgendwo etwas Neues einbauen. Nun war ich zwar enttäuscht, aber nicht böse, weil ich ja in der Vergangenheit gut performt habe auf der Strecke. 2023 war ich bis zum Finale eigentlich immer am Sieg unterwegs, und dann hat es mich zerrissen. Von dem her war dieses Jahr auch ein bisschen Wiedergutmachung geplant.
Setup-Suche im Training
Erstes Training, erster Run war okay. Ich habe mir gedacht, geht eigentlich ganz gut los. Aber ich habe gleich gemerkt, dass ich, sobald ich schneller wurde, Setup-Probleme hatte. Lenzerheide war bei mir schon öfter ein schwieriger Ort in Sachen Setup, obwohl die Strecke eigentlich nicht speziell zu sein scheint. Ich habe versucht, das Bike ein bisschen smoother zu machen, bin aber in eine Richtung gegangen, wo es zu smooth wurde. Fast nach jedem Trainingslauf bin ich hin- und hergewechselt: weicher, härter, weicher, härter – Zugstufe, Feder, alles drumherum. Ich habe mich dadurch eher unwohl gefühlt. Dann habe ich von einem Freund aus Kitzbühel einen Massedämpfer angebaut, den er selbst baut, und der hat das Ganze um einiges besser gemacht.
Im Time-Practice bin ich dann auf Platz 5 gefahren, womit ich echt happy war. Aber vom Gesamtgefühl her war ich immer noch ein bisschen zu rough unterwegs.
Qualifikation mit Höhen und Tiefen
Am nächsten Tag stand schon die Quali an. Im Training habe ich noch probiert, weicher zu gehen, an der Federhärte also wieder etwas smoother. War im Nachhinein wahrscheinlich eine schlechte Idee. Im ersten Quali-Lauf habe ich keinen wirklichen Rhythmus gefunden und bin zu sehr durch den Federweg gerauscht. Dann haben wir entschieden, wieder auf die härtere Feder zu gehen für Quali Nummer 2. In Lauf eins habe ich die Quali knapp verpasst – ich glaube, es war ein Platz, ich bin als 21. rausgefallen. Also musste ich nochmal hoch, Setup wieder zurück geändert auf das vom Vortag, das im Time-Practice schnell war.
Habe dann ordentlich einen runtergelassen – in Quali 2 kann man sich sowieso keine Zeit mehr lassen, weil da jeder alles riskiert für die letzten Finalplätze. Zum Glück konnte ich den Quali-Sieg rausholen, das war ein richtiger Confidence-Boost fürs Finale. Für mich war klar: Das Bike-Setup passt. Es ist aggressiv zu fahren, aber auch schnell. Also wusste ich: Rad bleibt so wie es ist und am Finaltag wird ordentlich eingedrückt.
„Der Quali-Sieg war für mich ein riesiger Confidence-Boost fürs Finale.“
Der Finallauf
Die letzten zwei Trainingsläufe am Finaltag waren ziemlich solide, ich habe mich gut gefühlt. Die Strecke war schon ziemlich zerbröselt und rough, was meinem Setup nicht gerade viel geholfen hat. Aber ich wusste, es ist auf jeden Fall schnell und wenn ich ordentlich durchdrück, bin ich auf jeden Fall dabei. Ein paar Linien habe ich noch gefestigt, dann war es Zeit für den Finallauf.
Ich bin ziemlich gut gestartet, oben ein kleiner Fehler, aber die erste Sektion wurde gut erwischt. Die zweite Sektorzeit habe ich sogar ziemlich perfekt erwischt, obwohl Motorway-Passagen eigentlich nicht meine Stärke sind. Ab dem zweiten Split bis ins Ziel habe ich aber zu sehr verkrampft, vor allem wegen der harten Bremsschläge. Da war das Setup wohl etwas zu aggressiv eingestellt. Oben als ich noch frisch war konnte ich es noch fahren, aber unten bin ich dann müde geworden.
Teilweise bin ich sogar mit Deathgrip gefahren, um meine Hände zu schonen. Im Rock Garden habe ich noch Fehler gemacht und einiges an Zeit kassiert. Vor dem Ziel habe ich bei den letzten Sprüngen noch einen Nosedive gehabt, der mich wachgerüttelt hat – zum Glück ist nichts passiert. Ich bin als Dritter ins Ziel gekommen und dachte, das ist nicht so gut. Aber dadurch dass Amaury, der das Rennen gewonnen hat und schon unten war und Ronan Vierter geworden ist, hats für Platz 7 gereicht. Nicht die Platzierung, die ich angestrebt hatte, ich wollte natürlich um den Sieg mitfahren. Chancen hätte ich sicher gehabt, aber es sollte nicht sein.
Vielleicht hätte ich ein paar kleine Änderungen am Setup gebraucht, und körperlich war ich wohl auch nicht ganz bei 100 Prozent fit gewesen. Dann bist du eben nicht ganz vorne mit dabei.
Nichtsdestotrotz war es wieder ein Confidence-Boost für die letzten zwei Rennen. Ich bin vorne mit dabei und weiß: Wenn alles gut läuft, ist es eine Topzeit. Ich kann es kaum erwarten, in die USA und nach Kanada zu fahren. Das sind immer geile Rennen und sicher zwei super Chancen für mich.
Freue mich schon. Vielen Dank!
Was sagt ihr zu Andis Ergebnis in der Lenzerheide?
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39 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumDa vergisst du aber, dass er quasi keine Offseason hatte, um sich an das Rad zu gewöhnen, weil er sich verletzt hat. Das hat er selbst damals total runtergespielt, war aber ziemlich blöd und schwerwiegend. Deshalb gab's eben die Änderungen in der Saison.
Dass ein Fahrer während des Rennens mal Setups tauscht, ist ja jetzt nichts total Neues. Andi selbst z. B. hat ein Buch, in dem er alle Setups von allen Rennen notiert, um im nächsten Jahr wieder damit starten zu können. Aber nach dem Teamwechsel hilft ihm das natürlich nichts mehr. Deshalb ist's auch nicht so super geil, nach einem Jahr wieder wechseln zu müssen (vermutlich).
Achso, und Deathgrip heißt kein Finger an der Bremse und ist viel weniger anstrengend, aber natürlich sehr risikoreich, daher der Name.
Lässig wäre auf dem Tues zu starten, weil eingefahren. Aber mit syndicate jersey, Aon helm und trek Hose
+ noch frameworks Handschuhe für die perfekte Verwirrung.
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