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Es gibt viele Startnummern, doch dies ist meine
Es gibt viele Startnummern, doch dies ist meine - Das Höhenprofil ist praktischerweise auf der Rückseite angebracht
Ihr wolltet mehr Informationen, was ich an Material mitnehme. Hier sind sie:
Ihr wolltet mehr Informationen, was ich an Material mitnehme. Hier sind sie: - Liteville 601 Mk4 mit 175/180 mm Federweg. Griffe und Sattel von SQ-lab. Trickstuff Piccola HD Bremsen. Abgefahrener billiger Hinterreifen mit DH-Drahtkarkasse mit 2.0 bar Druck (mangels Sponsoren und Geld fahre ich Reifen komplett tot). Immerhin frischer Vorderreifen mit Exo-Karkasse und 1.9 bar. <br> <br> Vaude-Klamotten samt passender Innenhose, um sich keinen Wolf zu reiben. Schuhe ebenfalls von Vaude. Riegel, Gels, ein Liter Pulverwasser, 0,5 Liter pures Wasser, Schlauch, Tubeless-Repairset und Taschenmesser im Deuter-Rucksack samt Rückenprotektor. Halbschalenhelm von Cannondale samt Brille von Julbo. Lampen an Helm und Lenker. Knieschoner. Geheimtipp: 3 Kilo Bergkäse aus dem Bregenzer Wald sorgen für Energie nach den Runden.
Die Ruhe vor dem Sturm
Die Ruhe vor dem Sturm - Lagerfeuer und Bier am Vorabend sollen für gute Beine am Renntag sorgen – Räder, Klamotten und Essen für den Morgen sind vorbereitet
Olargues ist ein kleines 600 Einwohner Dorf in den Ausläufern des Massiv Centrals
Olargues ist ein kleines 600 Einwohner Dorf in den Ausläufern des Massiv Centrals
Gleicht geht es los
Gleicht geht es los - Wir stehen aufgrund unserer Startnummern viel weiter hinten
Im Trockenen fahren kann ja jeder. Die Nacht über regnet es durch, auch zum Start kübelt es noch gut
Im Trockenen fahren kann ja jeder. Die Nacht über regnet es durch, auch zum Start kübelt es noch gut - Foto: Xavier Ligonnet
Der Start zur ersten Stage erfolgt noch bei kompletter Dunkelheit. Sehr zum Leidwesen von Felix
Der Start zur ersten Stage erfolgt noch bei kompletter Dunkelheit. Sehr zum Leidwesen von Felix - Foto: Xavier Ligonnet
Die Strecken sind denen eines Endurorennens mehr als würdig und teilweise durchaus auch technisch anspruchsvoll
Die Strecken sind denen eines Endurorennens mehr als würdig und teilweise durchaus auch technisch anspruchsvoll - Foto: Xavier Ligonnet
Viele Starter sorgen für viel Verkehr auf den Trails
Viele Starter sorgen für viel Verkehr auf den Trails - In der Regel machen die langsameren Fahrer schnell Platz, dennoch sorgen die Überholvorgänge für etliche brenzlige Situationen
Gegen Mittag beginnt es wieder zu stark zu regnen
Gegen Mittag beginnt es wieder zu stark zu regnen - Foto: Xavier Ligonnet
Heiko mit seinem Radon Slide Trail 10.0
Heiko mit seinem Radon Slide Trail 10.0
Felix
Felix
Ihr wolltet mehr Informationen, was ich an Material mitnehme. Hier sind sie:
Ihr wolltet mehr Informationen, was ich an Material mitnehme. Hier sind sie: - Liteville 601 Mk4 mit 175/180 mm Federweg. Griffe und Sattel von SQ-lab. Trickstuff Piccola HD Bremsen. Abgefahrener billiger Hinterreifen mit DH-Drahtkarkasse mit 2.0 bar Druck (mangels Sponsoren und Geld fahre ich Reifen komplett tot). Immerhin frischer Vorderreifen mit Exo-Karkasse und 1.9 bar. <br> <br> Vaude-Klamotten samt passender Innenhose, um sich keinen Wolf zu reiben. Schuhe ebenfalls von Vaude. Riegel, Gels, ein Liter Pulverwasser, 0,5 Liter pures Wasser, Schlauch, Tubeless-Repairset und Taschenmesser im Deuter-Rucksack samt Rückenprotektor. Halbschalenhelm von Cannondale samt Brille von Julbo. Lampen an Helm und Lenker. Knieschoner. Geheimtipp: 3 Kilo Bergkäse aus dem Bregenzer Wald sorgen für Energie nach den Runden.
Hauptsponsor Radon sorgt für einen reibungslosen Ablauf und hilft allen Fahrern bei Defekten
Hauptsponsor Radon sorgt für einen reibungslosen Ablauf und hilft allen Fahrern bei Defekten - Grandioser Service!
Vorteil bei einem so langen Rennen:
Vorteil bei einem so langen Rennen: - Man lernt auf einen Schlag alle guten Trails kennen
Der Lohn der Mühe: Der goldene Radon Epic Enduro Aufkleber
Der Lohn der Mühe: Der goldene Radon Epic Enduro Aufkleber

Unser Autor Jakob Breitwieser war beim Radon Epic Enduro am Start. Dieses betitelt sich als das wahrscheinlich härteste Eintages-Enduro Rennen, das man fahren kann. In seinem amüsanten Vorbericht könnt ihr euch über seine Vorbereitung erkundigen, im heutigen Rennbericht erfahrt ihr, wie er sich geschlagen hat und welche Gedanken einem bei einer solchen Tortur durch den Kopf gehen. Viel Spaß bei der Lektüre!

Mein lieber Schwan. Wie schnell Zeit vergehen kann. Erst neulich hatte man noch ein paar Wochen Zeit und das Epic Enduro schwirrte als Trainingsanreiz im Hinterkopf herum. Jetzt liege ich im Wohnmobil, starre an die Decke und probiere krampfhaft einzuschlafen. Der Wecker ist auf 3:30 Uhr gestellt. Alle sieben Sachen sind vorbereitet: Die Räder tip top in Schuss, Startnummern montiert, Klamotten liegen bereit, sogar das Müsli ist schon eingeweicht. So hart professionell war ich selten unterwegs.

Es gibt viele Startnummern, doch dies ist meine
# Es gibt viele Startnummern, doch dies ist meine - Das Höhenprofil ist praktischerweise auf der Rückseite angebracht
Diashow: Jakob beim Radon Epic Enduro - Der längste Tag
Viele Starter sorgen für viel Verkehr auf den Trails
Im Trockenen fahren kann ja jeder. Die Nacht über regnet es durch, auch zum Start kübelt es noch gut
Der Lohn der Mühe: Der goldene Radon Epic Enduro Aufkleber
Gegen Mittag beginnt es wieder zu stark zu regnen
Der Start zur ersten Stage erfolgt noch bei kompletter Dunkelheit. Sehr zum Leidwesen von Felix
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Die Ruhe vor dem Sturm
# Die Ruhe vor dem Sturm - Lagerfeuer und Bier am Vorabend sollen für gute Beine am Renntag sorgen – Räder, Klamotten und Essen für den Morgen sind vorbereitet
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# Ihr wolltet mehr Informationen, was ich an Material mitnehme. Hier sind sie: - Liteville 601 Mk4 mit 175/180 mm Federweg. Griffe und Sattel von SQ-lab. Trickstuff Piccola HD Bremsen. Abgefahrener billiger Hinterreifen mit DH-Drahtkarkasse mit 2.0 bar Druck (mangels Sponsoren und Geld fahre ich Reifen komplett tot). Immerhin frischer Vorderreifen mit Exo-Karkasse und 1.9 bar.

Vaude-Klamotten samt passender Innenhose, um sich keinen Wolf zu reiben. Schuhe ebenfalls von Vaude. Riegel, Gels, ein Liter Pulverwasser, 0,5 Liter pures Wasser, Schlauch, Tubeless-Repairset und Taschenmesser im Deuter-Rucksack samt Rückenprotektor. Halbschalenhelm von Cannondale samt Brille von Julbo. Lampen an Helm und Lenker. Knieschoner. Geheimtipp: 3 Kilo Bergkäse aus dem Bregenzer Wald sorgen für Energie nach den Runden.
Olargues ist ein kleines 600 Einwohner Dorf in den Ausläufern des Massiv Centrals
# Olargues ist ein kleines 600 Einwohner Dorf in den Ausläufern des Massiv Centrals

Es müsste jetzt kurz vor Mitternacht sein. In der Koje neben mir ebenfalls ein unruhiges Welzen. Erleichtert grinse ich – Felix kann anscheinend auch nicht schlafen. Dann allerdings, Zentimeter für Zentimeter, kommt der Schlaf doch noch angekrochen. Zumindest so lange, bis die ersten Regentropfen auf das Wohnmobil prasseln. Irgendwann so laut, dass ich davon aufwache. Laut Uhr noch eine Stunde bis zum Aufstehen und draußen schifft es wie aus Eimern. Das darf doch nicht wahr sein. Ich döse wieder weg, bis mein Handy losdüdelt und mir nun endlich die Tatsache entgegenschmettert: Wir werden gleich bei Dunkelheit, Kälte und Nässe beim vermutlich anspruchsvollsten Rennen starten, das ich bisher gefahren bin. Welch eine Freude. Nicht.

Zugegebenermaßen: Ich bin nervös. Ich weiß nicht, ob ich 4900 Hm hochtreten kann. Ich war zwar die letzten Wochen fleißiger als sonst, bin aber noch nie soviel Rad an einem Tag gefahren. Zudem sollen die Trails anspruchsvoll sein. Darauf freue ich mich zwar, aber wie werde ich nach neun, zehn Stunden im Sattel noch bergabfahren?

Ein Klopfen an der Tür beendet mein gedankliches Abschweifen. Auftritt Heiko. Er schläft draußen im Zelt, da er erkältet war und noch immer schnarcht wie sau. Zu dritt löffeln wir unsere Müslis hinein. Für mich gibt es Haferflocken gemischt mit etwas Früchtemüsli, getränkt in Hafermilch. Ehrlich gesagt eine widerliche Pampe. Aber meine größte Angst heute ist, mich voll in einen Hungerast zu fahren und dann zitternd und kreidebleich aufgeben zu müssen – und dann hier auch noch die Schmach meiner Niederlage dem Forum präsentieren zu müssen. Also stopfe ich tapfer würgend die gesamte Schüssel hinein.

Beim Essen kommt Felix auf die seiner Ansicht nach schlaue Idee, nur mit einer kleinen Lampe am Helm zu fahren. Die große am Lenker werde er weglassen. Denn bis wir oben sind, dämmere es bestimmt. Optimistische Einstellung, ich jedenfalls bleibe bei meiner Lichtkombo, die hell genug ist, um jeden Vampir zu Staub zerfallen zu lassen. In kompletter Regenmontur radeln wir zum Start und sammeln noch Holger ein, unseren vierten Mann für die Aktion. Die Lichtkegel unserer Lampen lassen die Regentropfen aufleuchten. Fast ein schöner Anblick. Um 4:30 Uhr ist der Start der ersten Welle à 400 Fahrer. Wir müssen in der zweiten um 5 Uhr starten, mit noch einmal 400 anderen Fahrern. Gut für uns, da wir eine halbe Stunde länger schlafen können. Schlecht, da wir den ganzen Tag Verkehr auf den Trails haben werden. Am Radon-Stand bekommen wir noch einen Café und nette Worte mit auf den Weg. Letztes Jahr habe es viel mehr geregnet. Und es soll ja eh in ein paar Stunden aufhören.

Gleicht geht es los
# Gleicht geht es los - Wir stehen aufgrund unserer Startnummern viel weiter hinten
Im Trockenen fahren kann ja jeder. Die Nacht über regnet es durch, auch zum Start kübelt es noch gut
# Im Trockenen fahren kann ja jeder. Die Nacht über regnet es durch, auch zum Start kübelt es noch gut - Foto: Xavier Ligonnet

Ludi incipiant

Mit dem Startschuss weicht auch die letzte Müdigkeit aus mir, während die Dorfjugend von Olargues Bengalos zündet. Tatsächlich kommt ein Hochgefühl auf. Überall Leute mit Lampen. Wie ein Riesenglühwürmchen winden sich die Lichter die Kehren hoch zu Stage 1.

Zeit zum Nachdenken. Um meine suboptimale Vorbereitung zu kompensieren, habe ich mir ein paar wahnsinnig pfiffige Regeln auferlegt, um das Rennen erfolgreich zu meistern:

  1. So viel essen und trinken, wie ich irgendwie nur kann
  2. Nie in den roten Bereich reinfahren, auch bergab auf den gewerteten Abschnitten nicht
  3. Die drei großen Runden möglichst zügig durchzuziehen, und dafür nach jeder Runde ca. 20 Min Pause machen, die wir zum Essen und Umziehen nutzen wollen
  4. Bergab fahren wir im Train. Ich vorne weg, Heiko, Felix und Holger folgen

Zu Stage 1 hoch muss ich mich immer wieder zwingen, wirklich langsam zu fahren. Groß ist die Versuchung, Leute zu überholen oder den Fahrern zu folgen, die als Staffel unterwegs sind und dementsprechend ein höheres Tempo gehen können. Meine Beine fühlen sich gut an, insgesamt ist meine Stimmung erschreckend hervorragend. Ein leuchtend rotes Rücklicht in Form eines umherschwenkenden Hodensackes beim Fahrer vor mir mag daran seinen Anteil haben.

Meine Stimmung ist erschreckend hervorragend. Ein leuchtend rotes Rücklicht in Form eines umherschwenkenden Hodensackes beim Fahrer vor mir mag daran seinen Anteil haben

Am Start zu Stage 1 ist es noch stockfinster, wie ich mit einem Schielen rüber zu Felix bemerke. Ich komme insgesamt gut durch, muss allerdings enorm viele Leute überholen. Bei Überholvorgang Nr. 15 höre ich auf zu zählen. Insgesamt machen die Fahrer sehr schnell Platz, dennoch kostet es jedes Mal Zeit, Energie und ist gefährlich, da die Trails sehr schmal sind. Meine Waggons trudeln kurz nach mir ein. Nur Felix ein kleines bisschen später, da er nichts gesehen habe, wie er lauthals fluchend berichtet. So was aber auch!

Der Start zur ersten Stage erfolgt noch bei kompletter Dunkelheit. Sehr zum Leidwesen von Felix
# Der Start zur ersten Stage erfolgt noch bei kompletter Dunkelheit. Sehr zum Leidwesen von Felix - Foto: Xavier Ligonnet

Direkt im Anschluss steht eine 20-minütige Tragepassage an. Durch ein dschungelhaftes Bachbett schleppen wir die Räder hoch in Richtung Forstweg. Das Zwitschern der Vögel kündigt das Erwachen des Tages an und motiviert, bläulich beginnt der Himmel durch das Grün zu schimmern. Wir überholen ein paar E-Biker, die jetzt schon fix und fertig sind und verzweifelt probieren, ihre bockschweren Geppel über Felsstufen hochzuwuchten. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Mittlerweile hat Petrus tatsächlich Nachsicht mit uns, und wir haben nun 1300 Höhenmeter in den Beinen. Ich beginne ab sofort, auf jedem Anstieg einen Riegel hineinzudrücken. Normalerweise wäre ein normaler Biketag bei mir jetzt vorbei. Doch wir haben jetzt etwa 6:45 Uhr und der Spaß geht erst so langsam los.

Nach der dritten Stage, die sich sehr spaßig durch den Wald hinab schlängelt, haben wir die erste große Runde geschafft, ich befinde mich aktuell auf Platz 9. Damit habe ich nicht wirklich gerechnet, allerdings stellt das eine wohltuende Motivationsstütze dar. Am Wohnmobil angekommen, liegt unsere gesammelte Mannschaft, die uns verpflegen und für Fotos sorgen wollte, noch in den Federn. Zeit fürs Wecken. Wir sind etwa drei Stunden vor dem Zeitlimit. Am Wohnmobil entledigen wir uns den Regenklamotten, stopfen etwas Baguette mit Käse in uns hinein und schauen, dass wir schleunigst weiter kommen. Trotz frischen Klamotten fange ich schon an auszufrieren und mahne die beiden anderen zitternd zur Eile.

Die Strecken sind denen eines Endurorennens mehr als würdig und teilweise durchaus auch technisch anspruchsvoll
# Die Strecken sind denen eines Endurorennens mehr als würdig und teilweise durchaus auch technisch anspruchsvoll - Foto: Xavier Ligonnet
Viele Starter sorgen für viel Verkehr auf den Trails
# Viele Starter sorgen für viel Verkehr auf den Trails - In der Regel machen die langsameren Fahrer schnell Platz, dennoch sorgen die Überholvorgänge für etliche brenzlige Situationen

Hervorragend gelaunt fahren wir in Richtung Anstieg zur vierten Stage. Mit etwa 900 Hm am Stück der längste des Tags. Gemächlich kurbeln wir Serpentine um Serpentine nach oben. Langsam allerdings macht sich die Belastung bei den anderen bemerkbar: Die ersten schieben, fahren Schlangenlinie oder legen sich für ein kurzes Päuschen auf den Forstweg. Man liest ja immer wieder, dass der Körper in Extremsituationen Gewaltiges zu leisten vermag, man müsse ja nur an sich glauben. Und ja, der Kopf sei dabei ja so enorm wichtig. Du kannst alles schaffen, dran glauben müsse man nur dran! Mein Kopf scheint nicht besonders gläubig zu sein und sagt mir nach etwas mehr als 2000 Hm ziemlich deutlich, dass ich ein Trottel bin und er keinen Bock mehr hat. Leicht zittrig fällt es mir auf einmal enorm schwer, das Tempo der anderen zu halten – ich habe doch zu wenig gegessen.

Es gibt nur einen Haken: Mittlerweile regnet es wie aus Strömen.

Schnell schiebe ich ein Gel hinein und stopfe direkt einen Riegel hinterher. Unterzucker schlägt direkt auf die Stimmung, besonders motiviert bin ich gerade nicht mehr. Und wir haben noch nicht einmal die Hälfte. Alter. Zum Glück wirkt das Gel sehr schnell. Wie ausgetauscht rauschen wir Stage 4 hinunter. Die Laune ist gleich wieder richtig gut. Erstaunlich, inwieweit mein Hirn einen leeren Magen hasst. Doch genug von meinen Innereien, wir befinden uns ja mitten im Trail. Dieser ist hervorragend zum Fahrradfahren geeignet, wir lassen es gut rauchen und kommen sauber durch. Zumindest Heiko und ich. Felix hämmert gegen einen Stein und verbiegt seine Bremsscheibe, die in Folge dessen dermaßen schleift, dass wir berghoch den Bremssattel abschrauben müssen. So kommen wir frisch und munter zum Start der fünften Stage. Diese verwöhnt uns mit einem komplett frischen Trail im Wald. Es gibt nur einen Haken: Mittlerweile regnet es wie aus Strömen.

Gegen Mittag beginnt es wieder zu stark zu regnen
# Gegen Mittag beginnt es wieder zu stark zu regnen - Foto: Xavier Ligonnet

Wir lassen uns die Stimmung nicht verderben und pflügen etwas durch den französischen Wald. In mir kommt wieder das Gefühl auf, dass man nur beim Blindracing bekommt: Man rauscht wie durch einen Tunnel, muss den Trail lesen, Linien erahnen und oftmals auch einfach nur Glück haben. Erfahrung hilft, eine gewisse Portion Wahnsinn gehört dazu und ist notwendig, da sich mit ausreichend Geschwindigkeit viele Hindernisse einfach überspringen lassen. Völlig im Rausch komme ich auf einen kleinen Uphill in der Stage. Nicht überziehen Jakob, ruhig bleiben Jakob. Hinter mir ist niemand in Sicht, freue ich mich und kurbele den Weg weiter. An der Kuppe angekommen schnauft es jedoch auf einmal hinter mir. Heiko hat das Loch gleich wieder zugefahren. Die alte Maschine hat doch einfach ein paar mehr PS als ich. Mist. Zusammen düsen wir in das Ziel von Stage 5.

Stage 5 liefert genial weichen Boden
# Stage 5 liefert genial weichen Boden - so gut, dass wir am Tag danach direkt noch einmal hinfahren, etwas entspannter durch den Wald pflügen und dabei noch ein paar Fotos machen

Nach Stage 6 müssen wir ca. 30 Minuten einen sandigen Radweg in den Start/Zielbereich zurückkurbeln. Der Weg ist durch den Regen komplett aufgeweicht, zäh wie noch was und durch die eigenen Reifen und die der anderen Biker werden Material und Körper sandgestrahlt. Selbst die Zähne knirschen schon. Ausgefroren und hungrig beenden wir Runde zwei auf den Plätzen 10., 11. Und 12. Läuft soweit. Meine Freundin hat währenddessen Hirse und Tee für uns gekocht. Danke Sophie! Schnell ziehen wir trockene Sachen an und füllen unsere Bäuche. Erstaunlich, wie gut ein Tee tun kann. Der Mechaniker von Radon baut in der Zwischenzeit sogar eine neue Bremsscheibe an Felix Rad. Ein cooler Typ!

Im Ziel der zweiten Runde
# Im Ziel der zweiten Runde
Starker Regen, Schlamm und viele Höhenmeter zerren an Körper und Geist
# Starker Regen, Schlamm und viele Höhenmeter zerren an Körper und Geist
Hauptsponsor Radon sorgt für einen reibungslosen Ablauf und hilft allen Fahrern bei Defekten
# Hauptsponsor Radon sorgt für einen reibungslosen Ablauf und hilft allen Fahrern bei Defekten - Grandioser Service!

Während ich Tee trinkend nach draußen in die fallenden Regentropfen starre und schon kurz über das Aufgeben sinniere, steigt Heiko einfach auf das Rad. Somit bleibt mir keine Wahl. Nun denn, auf zu großen Taten und zur goldenen Epic Enduro-Plakette!

Der Regen hat allerdings so einige Starter gekostet. Wir haben nun deutlich über 3000 Hm in den Beinen. Ich spüre Hunger aufkommen, dabei habe ich gerade vor zehn Minuten zwei Schüsseln Hirse mit Pesto gegessen. Mein Körper scheint alles Verwertbare innerhalb von Sekunden zu verbrauchen, es ist, als ob ich ein Kohlenhydratleck hätte. Oder vielleicht ein schwarzes Loch. In welches die arme kleine Hirse laut kreischend hineinfällt und nie wieder gesehen ward. Schnell also mehr Riegel futtern – so sehr sie mir auch mittlerweile zum Hals raushängen. Meine Beine fühlen sich aber immer noch recht gut an. Ich bin von mir selbst überrascht und schon etwas stolz. Mittlerweile ist meine Intention nicht mehr, nur irgendwie anzukommen, sondern in den Top10 zu finishen. Schau an, wer hätte das gedacht.

Der Regen hat allerdings so einige Starter gekostet. Wir haben nun deutlich über 3000 Hm in den Beinen

Stage 7 läuft super, ein schneller und steiniger Trail, der an Finale Ligure erinnert und wir lassen es tatsächlich ziemlich stehen. Zu Stage 8 quälen uns die Veranstalter noch einmal richtig. Nach 250 Hm treten müssen wir noch einmal knapp 300 Hm einen steilen Trail hochschieben. Meine Waden sind davon nicht besonders begeistert. Alle fünf Minuten nasche ich von meinen Energieriegeln und trinke. Ich spüre, dass ein Hungerast nur darauf lauert, mich endlich auszuknipsen. Hunger, meine einzige Schwäche! Mit schlechten Witzen motivieren wir uns gegenseitig und lenken uns von den schmerzenden Beinen ab.]

Stage 8 läuft ebenfalls hervorragend und ich fühle mich grandios. Frage nicht, wieso. Aber ich fliege förmlich über die gröberen Abschnitte und schaffe es endlich wieder, meine beiden Mitstreiter abzuhängen. Adrenalingeschwängert warte ich im Ziel. Und esse erst einmal einen Riegel. Ein Blick auf die Uhr allerdings sorgt für Hektik. Irgendwie ist uns die Zeit etwas knapp geworden. Der letzte Checkpoint liegt etwa 400 Hm über uns, und wir haben noch eine knappe Stunde Zeit. Sollte normalerweise kein Problem darstellen, doch wir haben nun über 4000 Hm in den Schenkeln und Stage 9 und 10 sollen die anspruchsvollsten des Tages sein. Allen um uns herum scheint es ähnlich zu gehen und das Tempo berghoch ist grenzwertig, zumal geht der Forstweg schon bald in einen Trail über und schieben ist die für mich bessere Alternative. Immer weiter geht es und 20 Minuten vor Zeitlimit kommt tatsächlich der letzte Checkpoint in Sicht. Halleluja! Startern der ersten Welle allerdings geht es weniger gut. Mit glasigen Augen bekommen sie mitgeteilt, dass hier, nach 4700 Hm das Rennen für sie beendet ist. Selten habe ich so verzweifelte Männer gesehen. Sie klappen förmlich zusammen, vergraben die Gesichter in ihren Händen und liegen bewegungslos am Boden, das ein oder andere Tränchen fließt in den französischen Boden.

Vorteil bei einem so langen Rennen: Man lernt auf einen Schlag alle guten Trails kennen
# Vorteil bei einem so langen Rennen: Man lernt auf einen Schlag alle guten Trails kennen
Auf den letzten Stages präsentiert uns das Wetter einige Lichtblicke
# Auf den letzten Stages präsentiert uns das Wetter einige Lichtblicke

Voller Mitleid ergötzen wir uns an diesem Schauspiel und gönnen uns einige Minuten. Allerdings haben auch wir ein Problem: Alle Wasservorräte wurden schon verbraucht und wir können nicht mehr auftanken. Es sind zwar nicht mehr viele Höhenmeter, aber dennoch, dehydriert fahren sich diese nicht besonders gut. Hilft alles nichts, weiter geht es. Stage 9 präsentiert sich als vom Regen enorm rutschig. Ich komme überhaupt nicht zurecht und eiere nicht eingeklickt wie ein Flipperball herum. Egal, kurze Stage, viel Zeit kann ich nicht verlieren. Mit den letzten Wassertropfen kommen wir zum Start der letzten Stage. Alle haben uns vor dieser Angst gemacht. Diese sei wahnsinnig schwer. Spitzkehren, steil und lang. Genau so wie ich es mag, meldet mir der Kopf, der anscheinend gerade einen guten Draht zum Energielieferanten besitzt und die ganze Sache sehr optimistisch angeht.

Alle haben uns vor dieser Angst gemacht. Diese sei wahnsinnig schwer. Spitzkehren, steil und lang. Genau so wie ich es mag

Ich drücke die letzten Gels in mich hinein, klatsche mit meinen beiden Kollegen ab und los geht’s. Und ich fühle mich gut. Ich weiß nicht, woher die Energie kommt, nun trete ich auch auf den Tretpassagen rein. Bis allerdings aus dem Treten ein Schieben wird. Der Trail geht ziemlich technisch berghoch. Fluchend springe ich ab und sprinte los – allerdings nur für wenige Meter. Hinter mir haucht Felix seine letzte Energie aus und teilt mir mit, dass er nicht mehr kann. Jetzt musst du wissen, nichts motiviert mich mehr, als wenn ich den Döring berghoch abhänge. Weiter, weiter, weiter! Halb gehend, halb rennend bewältige ich die Bergaufpassage, das Laktat läuft mir aus den Ohren.

Dann geht es endlich in den steilen Part bergab. Genau mein Ding, Kehren mit S3-S4. Geil. Allerdings sind viele der anderen Teilnehmer davon nicht so begeistert und überall stehen und kugeln Leute mit ihren Rädern herum. Fallobst Hilfsausdruck. Ich schreie wie am Spieß, die Leute spritzen auf die Seite und lassen mich vorbei. Ich fahre ein paar grenzwertige Harakiri-Linien, touchiere öfters Steine, Sträucher und andere Fahrräder, bin aber gefühlt recht schnell, die jubelnden Zuschauer motivieren zusätzlich. Mein Pedal setzt einmal allerdings dermaßen an einem Stein auf, dass es mich zwar gut an- aber nicht komplett aushebelt. Der Schwung schiebt mich über dem Stein, nur mein Pedal hängt danach schief und krumm in der Kurbel. Für alle Hater: Übrigens fahre ich keinen einzigen Kratzer in meine Gabel.

Nach 12 Minuten Vollgas knattere ich ins Ziel der letzten Stage. Tatsächlich, ich habe es geschafft. Felix muss kurz anhalten und seine verletzungsbedingt geschwächten Flügelchen ausschütteln. Dann kommt auch er angeflogen. Heiko folgt kurz darauf. Die Euphorie lässt sogar die getrocknete Zunge vergessen. Kollektives Abgeklatsche. Fehlen nur noch acht Kilometer flaches Rollen ins das Zielgelände. Jetzt, nachdem all der Druck weg ist, merkt man, wie fertig man eigentlich ist. Ich habe abartig Durst, der Hintern schmerzt und mit jedem weiteren Meter nimmt der Hunger zu. Die angeregten Unterhaltungen über das Erlebte allerdings erleichtern auch die letzten Meter. Dort warten meine Eltern samt meiner Freundin, die sich das Epic Enduro nicht entgehen lassen wollten und begrüßen uns mit Bier und Pizza. Wahrscheinlich das beste und stärkste Bier, das ich jemals getrunken habe. Bei der Auswertung der Ergebnisse bekommen wir als „les allemands“ sogar eine gesonderte Ansage, wir seien heute die schnellsten, die hier noch nie waren – quasi die richtigen Blindracer. Ich beende das Rennen als 8., Felix wird 10. und Heiko 12. Alles Ergebnisse, mit denen wir nie gerechnet hätten.

Die letzten Meter für Heiko und mich
# Die letzten Meter für Heiko und mich - Foto: Xavier Ligonnet
Geschafft.
# Geschafft. - damit haben wir tatsächlich nicht gerechnet

Zeit kann sehr schnell vergehen. Schon liege ich wieder im Wohnmobil und starre krampfhaft auf mein Buch über Cicero und versuche verzweifelt, nicht einzuschlafen. Ich schaffe nicht einmal mehr eine Seite, bis diesmal Herr Schlaf mit dem Dampfhammer kommt und mich für neun Stunden tiefenentspannt schlummern lässt. Abenteuer Radon Epic Enduro erfolgreich beendet. Was mach ich denn als nächstes?

Fazit

Wie man am besten ein solches Rennen übersteht? Wheelies üben, den Bizeps auftrainieren, auch einmal – aber wirklich nur einmal – Bowlen gehen hilft. Intervalltraining wird überbewertet. Mit etwas mehr Ernst: Ich bin im Kinder- und Jugendalter viele Cross-Country- und Rennradwettkämpfe gefahren. Danach viele Jahre lang Endurorennen. Ich war nie der Fleißigste oder richtig gut, aber dennoch kam ein ganzer Haufen an Kilometern zustande. Außerdem gab es viele Blindracingrennen und Trips in fremde Regionen, bei denen ich einen großen Erfahrungsschatz an verschiedenen Situationen auf Trails sammeln konnte. Von all diesem habe ich beim Rennen enorm profitiert. Das kombiniert mit den für meine Verhältnisse in den letzten drei Monaten vielen Stunden auf dem Rad samt einigen Krafteinheiten im Fitnessstudio waren anscheinend ausreichend. Fahrtechnisch habe ich sehr viel geübt und war stark genug, um auch die anspruchsvolleren Trails relativ entspannt herunterzufahren. Auch so lässt sich natürlich Zeit und Kraft sparen.

Neben der Erfahrung ist in meinen Augen bei einer dermaßen langen Runde die richtige Verpflegung und das Niemals-Überziehen das Wichtigste. Dann ist der Körper anscheinend in der Lage, auch mal eine überlange Einheit zu überstehen. Und diese hat erstaunlich viel Spaß gemacht. Da man nie über dem Limit fahren darf, kann man im Vergleich zu gewöhnlichen Rennen das Bergabfahren noch viel mehr genießen. Mitentscheidend ist zudem die richtige Begleitung, großer Dank geht hier besonders an Heiko, Felix und Holger. Zudem sollte das Material passen, insofern auch hier ein großes Dankeschön an die Firmen, die mich unterstützen!

Wer das Rennen mit Ambitionen angehen möchte, sollte sich zudem um einen guten Startplatz kümmern. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leute wir letztendlich überholen mussten und wie viel Zeit dabei doch auf der Strecke blieb.Durch das Rennen konnte ich die sehr schöne Region westlich von Montpellier kennen lernen und habe gleich auch einen Streich zehn super Trails erfahren. So geht das Radon Epic Enduro in eines meiner schönsten Rennerlebnisse ein, das ich jedem erfahrenen Enduropiloten, der konditionell und fahrtechnisch auf einem hohen Niveau unterwegs ist, an das Herz legen kann.

Der Lohn der Mühe: Der goldene Radon Epic Enduro Aufkleber
# Der Lohn der Mühe: Der goldene Radon Epic Enduro Aufkleber

Könntest du dir vorstellen, beim Radon Epic Enduro mitzufahren? Wie würdest du auf ein solches Rennen trainieren?

Update: Sport Import hat sich durch unseren Artikel inspirieren lassen und Jakob einen Satz frische Reifen vorbeigebracht ;-) Hier geht es zum Artikel vom Sport Import-Onlinemagazin Fahrzeit.

Fotos: Daniel Eiermann, Xavier Ligonnet, Christian Kneip, Privat
  1. benutzerbild

    Wanze67

    dabei seit 11/2017

    Bin schon Tod wenn ich mit Seilbahn Unterstützung 5000hm nur runter fahre!Und das ganze selber hoch strampeln ,RESPEKT !
  2. benutzerbild

    opossum

    dabei seit 08/2006

    TimoKaiser
    Also mit der Fahrtechnik!!!

    Mach dich mal nicht so klein!
    Gelesen habe ich von einem ambitionierten Biker. Im Film seh ich doch mehr was von einem Hilfsprofi ;-)
    Hut ab!
    Toller Bericht, tolle Technik -
    Hat Spaß gemacht zu lesen!
    Na von der Fahrtechnik her habe ich mir nicht so die Sorgen gemacht ;)
    Und vielen Dank!
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    xyzHero

    dabei seit 04/2011

    Super Rennbericht. Ich habe mitgefiebert!
  5. benutzerbild

    D_S

    dabei seit 12/2018

    Ein klasser und unterhaltsamer geschriebenen Bericht :daumen:. Solche Berichte könnte ich Stundenlang lesen :)

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