Wir haben bei unserem Hausbesuch hinter die Kulissen der Entwicklung im Hauptquartier geschaut und sind danach gemeinsam mit den Mitarbeitern aus der Entwicklungsabteilung sowie den Teamfahrern Geoff Gulevich und Olly Wilkins durch die Stuttgarter Wälder geflogen. Vorhang auf für ein Stück Stuttgarter Lebensgefühl mit internationalem Flair.
Focus Bikes – der neue Standort in Stuttgart
Stuttgart ist dicht besiedelt, der Freiraum ist rar. Eine Zeit lang werkelte man mit Focus aus einem Wohnhaus in Stuttgart-Ost heraus, was ab einem gewissen Punkt dem Platzbedarf nicht mehr gerecht wurde. Mit einer Zwischenstation in einem Industriekomplex in Filderstadt, der eher schlecht für eine schnelle Runde Fahrradfahren im Wald geeignet war, fand man nach einer langen Suche und der Überlegung eines Neubaus in Filderstadt eine leerstehende Druckerei im Stuttgarter Westen.
Dieser neue Standort, bezogen im Dezember 2018, wurde mehr als nur das neue Hauptquartier für die Mitarbeiter. Dass hier aktive Fahrradfahrer arbeiten, erkennt man nicht zuletzt an der Sitzecke im Erdgeschoss mit Swift-Trainer und den Duschen und Waschmaschinen im ersten Stock – zusätzlich gibt es noch eine große Kantine und Küche.
Entwicklung vor Ort
Ende der Neunziger wurde Focus Teil von Derby Cycles, was einige Neuerungen mit sich brachte. Entwicklung, Produktmanagement, Marketing, Sales und bald auch das Controlling finden in Stuttgart statt, außerdem gibt es noch den Standort von Derby Cycles in Cloppenburg (von dort berichten wir immer von den Focus-Neuheiten), der unter anderem für die Produktion und das Schweißen von Focus-Prototypen zuständig ist – aber auch erste fahrbare Muster von neuen Bikes werden dort aus Aluminium hergestellt.
Die Produktlinien von Focus jedoch entstehen in Stuttgart. Hier sitzen nicht nur Konstrukteure und Ingenieure, sondern auch Carbon-Spezialisten, Designer und Produktmanager. Das hilft, die komplette Entwicklung zu beschleunigen. Lediglich 18 bis 24 Monate dauert es von der ersten Idee bis zum Punkt, an dem das Bike im Laden steht.
Für das erste Konzept und die ersten Design-Entwürfe eines Bikes dauert es vier bis acht Wochen, hierbei arbeitet man mit Skizzen und 3D-Druck. Es finden mehrere sogenannte Sample-Loops statt – zusammen mit den Carbon-Varianten dieser Prototypen aus Taiwan und Vietnam kommen somit bis zu elf Durchgänge zusammen. Die Prozesse in Fernost regelt man mit Mitarbeitern vor Ort, um die Kommunikation schnell und einfach zu gestalten. Etwas Airport-Hopping bleibt allerdings auch für die Mitarbeiter aus Stuttgart dabei nicht aus.
Beim Entwicklungsprozess eines Carbonbikes beginnt man ebenfalls mit einem Aluminium-Prototypen. Ist man sich über diverse Parameter einig, kommt Paul Sadowski ins Spiel. Er ist zuständig für die sogenannten Layup-Bücher: In diesen wird beschrieben, welche Carbonlage wie an welcher Stelle in der Form platziert werden muss. Jede Rahmengröße bekommt hierbei ein ganz spezielles, angepasstes Layup. Dabei gilt die Devise, dass „immer noch steifer“ nicht der richtige Weg ist: Insbesondere im Hinterbau lässt man einen gewissen Flex zu, um die Fahrqualität zu steigern.
Fertigung in Asien
Jeder, der sich schon etwas mehr mit Carbon-Rahmen beschäftigt hat, wird schon von den unterschiedlichen Faserarten gehört haben. Natürlich setzt auch Focus auf die spezifischen Eigenschaften der verschiedenen Materialien – unidirektionales Carbon, gewebtes Carbon … Je nach Anforderung an den jeweiligen Bereich im Rahmen wird entschieden, wie sich der Rahmen später fahren wird.
Wenn der erste Prototyp ins Haus kommt, dann ist das wie Weihnachten! – Fabian Scholz
Bei der Fertigung des Rahmens werden vorderes und hinteres Rahmendreieck parallel gefertigt, zirka fünf Stunden sind hierfür notwendig. Anschließend wird der Rahmen nachgearbeitet und kommt auf den Prüfstand. Passt alles? Ab geht’s in den Flieger und nach Cloppenburg in Deutschland. Dort werden erste Probeaufbauten durchgeführt und etwaige Montagehilfen erdacht und umgesetzt. Dann kommt der Tag, an dem Weihnachten und Ostern für die Entwickler zusammenfällt: Die neuen Bikes werden final testgefahren. Letztendlich schließt sich auch hier der Kreis mit der sogenannten MPC, der „Mass Production Confirmation“ (Bestätigung für die Massenproduktion, Anm. d. Red.).
Design
Daniel Frintz ist einer der Designer bei Focus. Er erklärte uns die Abläufe anhand der ersten Handskizzen und der zahlreichen 3D-Drucke im Büro. Oft stammt die komplette Formensprache aus der Hand eines Designers, der ein Projekt von Anfang an begleitet.
Mit der Eingliederung in Derby Cycles startete auch eine Kooperation mit den anderen Marken der Gruppe. So lobt Moritz Failenschmid vom Produkt-Management den erhöhten Wissensaustausch und das gemeinsame Ziehen an einem Strang. Dabei steht laut Focus vor allem ein Punkt im Vordergrund: In Summe möchte man Bikes bauen, die man immer mit einem guten Gewissen einem Kumpel empfehlen würde. Das bedeutet für das Gesamtkonzept, dass man bei den Bikes nicht um den allergünstigsten Preis konkurrieren möchte, was laut Focus letztendlich zu einer nachteiligen Performance der einzelnen Teile führen würde.
Ausfahrt mit den Spielkindern
Wo Mike Kluge früher noch mit hohem Ehrgeiz um Podiumsplätze fuhr, hat sich der Schwerpunkt zwischenzeitlich etwas verlagert. Focus möchte weg von reinem Racing, hin zum ursprünglichen Gedanken von Mountainbikes: Dem Fahrspaß im Gelände. Da passen die Teamfahrer Geoff Gulevich und Olly Willkins wie die Faust aufs Auge – egal, ob es um das Erkunden von neuen Trails oder Herumalbern in ein paar losen Kurven am Waldrand geht.
Wie gefällt euch der Ansatz von Focus Bikes?
Ihr habt Lust bekommen auf die Truppe und eine gemeinsame Ausfahrt in den Stuttgarter Wäldern? Das könnt ihr auf dem eigenen Rad oder mit einem Focus-Testbike ab April wieder jeden Donnerstag. Abfahrt ist direkt bei Focus um 18:00 Uhr. Wenn das Wetter mitspielt, gibt es im Anschluss auch gerne mal kühle Getränke und Grillwaren nach der Tour.
Interessant? Hier findest du weitere Hausbesuche und Blicke hinter die Kulissen bei zahlreichen Unternehmen der Bikebranche.
Bike des Jahres 2025 powered by bike-components: Wählt euer Lieblings-Bike der Woche
Cape Epic 2025 – 4. Etappe
Cape Epic 2025 – 6. Etappe
Fahrerkarussell 2026 – #2: Neujahrs-Update – alle Wechsel & Gerüchte im Überblick
27 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumStimmt, sagt meine Frau auch immer........
Ist Rahmenhöhe L bei 88cm Schrittlänge. XL ist das Oberrohr zu lang. Thomson Stütze damit ich etwas mehr überm Hinterrad sitze, dadurch kommt bei dem Bike mehr Leben in den Hinterbau. In Natura siehts viel weniger extrem aus.
Die meisten trails werden von Focus Mitarbeitern oder Jungs aus dem Umfeld gepflegt bzw. erbaut ;-)
Hoffentlich wird es was.
Danke erstmal für den sehr interessanten Bericht.


Ich hatte mal das Vergnügen, einige der Entwickler im Sommer 2015 in Ruhpolding zur Vorstellung der neuen 2016 Modelle von FOCUS und Cervelo, persönlich kennen zu lernen und ein wenig zu fachsimpeln.
Hatten die drei Tage sehr viel Spaß und die möglichkeit die damals neu vorgestellten Modelle für 2016 Probe fahren zu können.
Da hatte ich auch die Möglichkeit das brandneue Raven Max auszuprobieren und so auch gleich meine Rahmengröße raus zu finden.
Habe auch Mike schon einigemale persönlich getroffen. Er war ein paarmal bei uns im Landen.
Bin seit dem auch ab und zu über die sozialen Medien mit Ihnen in Kontakt.
Es macht immer wieder Spaß mit den Jungs zu schreiben.
Bin seitdem ein großer Fan von FOCUS geworden und fahre seit ende 2015 das Raven Max Factory bis heute und liebe dieses bike abgöttisch.
Happy trails ❗
Steve
Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular: