Flache Strecke bedeutet viel Leiden
Dass nicht zwangsläufig das Profil einer Rennstrecke das Ausmaß der Anstrengung vorgibt, durften Tobi und ich beim heutigen Prolog des Epic Israel erleben. Selten zuvor sehnten wir uns derart nach einem ernsthaften Anstieg wie am heutigen Tag, die 22 Kilometer lange Strecke wurde für uns zu einem echten Gradmesser.
Doch der Reihe nach: Der Auftakt des Rennens im heiligen Land bedeutete für uns ein letztes Mal ausschlafen, bevor in den kommenden Tagen der Wecker um fünf Uhr morgens klingeln wird. In Deutschland ist es zu diesem Zeitpunkt noch vier Uhr in der Nacht! Georg Egger, der heute die Etappe gemeinsam mit Max Brandl gewinnen konnte, meinte zu uns im Ziel nur etwas ironisch: „Das Härteste in den kommenden Tagen wird sein, den Wecker zu hören“ – damit dürfte er nicht ganz Unrecht haben.
Nach einem entspannten Frühstück ging es für uns aufs Rad, um die bevorstehenden 22 Kilometer genauer unter die Lupe zu nehmen. Vom Renngelände rund 5 Kilometer nördlich der Stadt Akko führte die Strecke zunächst auf Forststraßen und durch einige Farmen hindurch gen Süden, ehe wir hinein in die historische Altstadt von Akko geleitet wurden. Dort erwartete uns Teilnehmer mit der Fahrt auf und neben der Stadtmauer ein echtes Highlight. Der Weg zurück zum Renngelände führte schließlich zunächst auf Asphalt und anschließen auf einer Mischung aus Sand und Schotterweg direkt am Strand entlang in Richtung Ziel. Auf der gesamten Strecke gab es keinen Anstieg, der sich über mehr als 100 Meter erstreckte – dementsprechend war uns bereits im Vorfeld klar, dass effizientes Teamwork einer der wichtigsten Faktoren werden würde.
Nachdem die Startzeiten der Teilnehmer aufgrund einer großen Beerdigung in der Stadt Akko um 90 Minuten vorverlegt wurden, standen wir um 14:40 Uhr Ortszeit als 12.-letztes Team an der Startlinie bei unserem ersten Rennen in Israel. Unsere Taktik war klar: Mit vielen Führungswechseln wollten wir der doch frischen Mittelmeerbrise entgegentreten und uns wenn möglich einige Körner aufheben für die letzten Kilometer. Und so fuhren wir von Beginn an ein sehr hohes Tempo, was jedoch zwischenzeitlich deutlich zu hoch für uns war.
Sowohl Tobi als auch ich waren schließlich zu früh an unserem Limit. Einzig die kurzen Momente im Windschatten des anderen boten eine kurze Möglichkeit sich zu erholen. Und so rollten wir beide schon etwas angezählt in die Innenstadt von Akko. Während wir beim Abfahren der Strecke morgens noch die schöne Umgebung in der Stadt wahrnehmen konnten, blieb uns nun dafür keine Zeit. Mit vielen kleinen Kurven und einer engen Streckenführung, die uns meist auf den Bürgersteigen durch die Stadt führten, ging die rasante Fahrt hinaus ans Meer.
Unser Zustand verbesserte sich kaum – eher im Gegenteil: Nachdem wir beide im Vorfeld ausgemacht hatten, dass Tobi durch die engen Kurven an der Spitze fahren sollte und ich im Vorfeld die Führungsarbeit übernahm, war für mich die Fahrt durch Akko eine wahre Tortur. Nur mit Mühe konnte ich mich am Hinterrad von Tobi halten und erst im letzten Drittel der Ortsdurchfahrt etwas durchatmen. Bei Tobi hingegen zogen die vielen Antritte in Akko noch mehr Körner aus dem Körper, sodass für ihn besonders die ersten Meter auf dem Weg zurück zum Eventgelände zäh wurden.
Kurzzeitig mussten wir das Tempo etwas drosseln, um zumindest für die letzte anspruchsvolle Passage am Meer Körner übrig zu haben. Denn der Beachweg rund 50 Meter vom Meer entfernt wartete immer wieder mit größeren Sandfeldern auf, die zusätzlich Kräfte kosteten. Nun fand Tobi auch wieder zu Kräften und unterstützte mich auf den letzten Kilometern tatkräftig in der Führungsarbeit. Mit Vollgas fuhren wir dann die letzten Meter vom Meer bis ins Ziel. Völlig entkräftet müssen wir uns beide zunächst uns auf den Rädern abstützen, die außergewöhnliche Strecke und die Hitze von etwas mehr als 30 Grad hatten alles von uns abverlangt. Trotz unserer Qualen stellten wir fest, dass wir als 28. in der Overall-Wertung mit etwas mehr als sechs Minuten Rückstand auf die Sieger nicht allzu schlecht abgeschnitten hatten und sind dementsprechend zuversichtlich für die kommenden Tage.
Denn bereits morgen wartet nach rund 20 flachen Kilometern ein langer Anstieg mit 600 Höhenmetern, der unseren Fähigkeiten eher entgegenkommen dürfte als das heutige Terrain. Auf 95 Kilometer erwarten uns Teilnehmer 1650 Höhenmeter – bereits auf der ersten langen Etappe steht damit die Königsetappe an. Die Temperaturen werden voraussichtlich erneut bei mehr als 30 Grad liegen, sodass die Hitze ein entscheidender Faktor werden könnte.
Was an der Spitze des Feldes passierte…
Für die männlichen deutschen Fahrer gab es beim Prolog ein Traum-Ergebnis zu feiern: Max Brandl und Georg Egger sicherten sich in eindrucksvoller Art und Weise den Sieg vor ihren beiden Teamkollegen vom Lexware Team, David List und Luca Schwarzbauer. Auf dem dritten Rang landete das Superior-XC-Duo Martin Gluth/Fabian Giger. Max Brandl und Georg Egger gehen mit einem großen Vorsprung von 1:06 Minuten auf List/Schwarzbauer und 1:45 Minuten Vorsprung auf Gluth/Giger in die folgenden drei Renntage.
Bei den Damen siegten im stark besetzten Feld die beiden Amerikanerinnen Chloe Woodruff und Erin Huck. Auf dem zweiten Rang folgte mit 58 Sekunden Rückstand auf die beiden Tagessiegerinnen die Australierin Rebecca McConnell gemeinsam mit der Belgierin Githa Michiels. Dritte wurden Sofia Gomez Villa Fane und ROSE Grant.
Wir melden uns dann wieder morgen aus dem heißen Norden Israels und hoffen natütlich, dass ich auch dort wieder unseren Blog verfolgt!
Beste Grüße vom Mittelmeer,
Tobi und Gabi
Mehr Bilder findet ihr oben im Silder!
Weitere Infos zum Epic Israel 2019 findet ihr hier.
Alle Artikel zu unserem Live-Blog beim Epic Israel 2019:
- Tobi und Gabi beim Epic Israel 2019: Auf geht’s ins Heilige Land!
- Tobi und Gabi beim Epic Israel 2019 – Prolog: Fast & Furious auf historischen Pfaden in Akko
- Tobi und Gabi beim Epic Israel 2019 – 1. Etappe: Einmal in den Himmel und wieder zurück
- Tobi und Gabi beim Epic Israel 2019 – 2. Etappe: Aufgeben ist keine Option!
- Tobi und Gabi beim Epic Israel 2019 – 3. Etappe: Ohne Mampf, aber mit viel Kampf
- Tobi und Gabi beim Epic Israel 2019: Die ultimative Challenge im heiligen Land? – Ein Rückblick
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4 Kommentare
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Tobi und Gabi beim Epic Israel 2019 – Prolog: Fast & Furious auf historischen Pfaden in Akko
Eindrucksvoller Start für zwei "Hobbyfahrer"! Ich drück die Daumen für die nächsten Tage!
Geiler Start, viel Erfolg für morgen!
saubere Leistung Martin!

Schöne Bilder, aber was mir immer fehlt, sind Bildunterschriften. Ich kenne ja nicht jeden Fahrer persönlich und würde gerne wissen, wer oder was mir da gezeigt wird. Ansonsten sind das bunte, aber wertlose Bildchen.
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