Herren – Scott-SRAM mit taktischer Finesse und den schnellsten Beinen
Nach dem Aufgalopp am gestrigen Sonntag stand für die TeilnehmerInnen des Cape Epic 2019 heute auf der ersten Etappe bereits ein erster Gradmesser der Woche an. Der mit 112 Kilometer längste Tagesabschnitt der Woche brachte nun die ersten ernsthaften Lücken im Gesamtklassement zum Vorschein. Nach einem sehr hektischen Beginn der Etappe waren es zunächst die beiden Prologsieger Schurter und Forster, das Kross-Spur-Duo Mantecon/Cink und die beiden Bulls-Fahrer Simon Stiebjahn und Urs Huber, die sich nach rund 35 Kilometer kurzzeitig aus der großen Gruppe aller Favoriten lösen konnten. Doch die Verfolger um die beiden Favoritenpaarungen Cannondale Factory Racing und Investec-Songo-Specialized konnten nur wenige Kilometer später den Anschluss wiederherstellen.
Die Positionskämpfe im Favoritenfeld hielten noch einige Zeit an, ehe sich rund 50 Kilometer vor dem Ziel ein Team-Quartett aus dem Feld der Favoriten absetzen konnte. Die Prologsieger Forster/Schurter von Scott-SRAM waren ebenso vertreten wie das Cannondale-Duo Fumic/Avancini, Vorjahressieger Jaroslav Kulhavy und sein Teampartner Sam Gaze und das Canyon-Team um Kristian Hynek und Petter Fagerhaug. Während insbesondere der U23-Weltcupsieger des Vorjahres Fagerhaug immer mehr in Schwierigkeiten geriet, war es vor allem das Scott-SRAM-Team, das nun dem Rennen seinen Stempel aufdrückte. Nach einem Sturz von Sam Gaze und weiteren Problemen seines Partners Kulhavy, der mit losen Cleats an seinen Schuhe kämpfte, war es nun auch um das Investec-Songo-Specialized-Team geschehen. Die zwei verbliebenen Teams an der Spitze waren nun rund 40 Kilometer vor dem Ziel allein auf weiter Flur unterwegs.
Doch offensichtlich harmonierten die beiden Führungsteams nicht besonders gut miteinander – ein taktisches Manöver von Lars Forster und Nino Schurter brachte schließlich die Vorentscheidung. Lars Forster erhöhte an einem Anstieg das Tempo, woraufhin Manuel Fumic dem Eidgenossen zunächst folgte. Henrique Avancini und Nino Schurter blieben jedoch zurück und als schließlich Fumic dem hohen Tempo Forsters nicht mehr folgen konnte, folgte die Attacke Schurters und der Knock-Out für das Cannondale-Duo. Insbesondere Fumic schien nun angezählt, in kürzester Zeit gelang es dem Scott-SRAM-Duo sich mit großem Vorsprung abzusetzen. Stück für Stück konnten der Weltmeister Schurter und der Europameister Forster ihr Polster auf die Konkurrenz ausbauen. Nach 4:24:04 Stunden erreichten die beiden schließlich 2:51 Minuten vor den nächsten Verfolgern Fumic und Avancini das Ziel und feiert so den zweiten Tagessieg in Folge.
Im Kampf um den letzten verblieben Platz auf dem Podium in der Tageswertung konnten sich etwas überraschend die beiden Altmeister Karl Platt und Alban Lakata erfolgreich in Szene setzen. Nachdem Gaze/Kulhavy und Fagerhaug/Hynek aus der Spitzengruppe herausfielen rückte die nächste Verfolgergruppe um die beiden Bulls-Teams und das Team Trek Selle San Marco immer mehr in den Fokus. Nachdem Fagerhaug und Hynek auch in dieser Gruppe kräftemäßig nicht mehr mithalten konnten, waren es schließlich vier Teams, die um den dritten Platz kämpften. Das bessere Ende hatten im Sprint schließlich Platt und Lakata für sich, dicht gefolgt vom zweiten Bulls-Team Urs Huber/Simon Stiebjahn. Platt und Lakata verloren 4:09 Minuten auf die Spitze und liegen damit 7:29 Minuten hinter den beiden Gesamtführenden Lars Forster und Nino Schurter auf Gesamtrang sechs. Ein tolles Mannschaftsergebnis des Team Bulls rundeten die „Bulls-Youngsters“ Simon Schneller und Martin Frey auf dem 10. Tagesrang ab. Jochen Käß und Daniel Geismayr landeten mit 8:31 Minuten Rückstand auf dem achten Rang im Tagesklassement.
Der Rennverlauf im Kampf um den Tagessieg sorgte im Ziel der ersten Etappe für große Diskussionen. Henrique Avancini warf Schurter im Interview nach der Zieleinfahrt vor, mit unfairen Mitteln im Fahrerfeld gekämpft zu haben. Er spiele sich als der „Big Boss“ des Fahrerfeldes auf und würde die Konkurrenz versuchen einzuschüchtern. Schurters Antwort, als er mit den Aussagen Avancinis konfrontiert wurde, fiel ebenso deutlich aus: Das Cannondale-Duo habe sich nicht an der Führungsarbeit beteiligen wollen, was Forster und er sich nicht gefallen lassen wollten und auch letztlich zur Attacke geführt hätte.
Damen – Investec-Songo-Specialized souverän
Bei den Damen standen nach der ersten Etappe rund um den Küstenort Hermanus die gleichen Fahrerinnen auf dem Podium als bereits Tags zuvor. Wie beim Prolog war auch an diesem Tag kein Vorbeikommen an Anna van der Breggen und Annika Langvad. Das niederländisch-dänische Duo konnte bereits beim ersten längeren Anstieg die restliche Konkurrenz distanzieren. Unaufhaltsam zogen die Beiden davon und fuhren solo dem zweiten Tagessieg in Folge entgegen. Auch wenn die Beiden nach ihrem Krafteinsatz zu Beginn der Etappe das Tempo etwas drosseln mussten, konnten sie kontinuierlich ihren Vorsprung ausbauen und nach 5:09:11 Stunden den Sieg in Hermanus feiern.
Wie bereits anhand der knappen Zeitabstände beim Prolog tags zuvor vermutet, entwickelte sich ein packender Kampf um den zweiten Rang im Tagesklassement. Die Prologdritten, Candice Lill und Adelheid Morath, waren physisch die stärksten Verfolgerinnen, doch wie bereits tags zuvor verhalfen Maja Wloszczowksa und Ariane Lüthi vom Team Kross-Spur ihre starken fahrtechnischen Qualitäten den Rückstand bergab stets wieder gut zu machen und schließlich den zweiten Rang einzufahren. Lill und Morath landeten 1:13 Minuten hinter dem Kross-Spur-Duo auf dem dritten Rang, die ihrerseits 3:07 Minuten Rückstand auf die beide Tagessiegerinnen hatten. Sabine Spitz und Nadine Rieder landeten mit 15:04 Minuten Rückstand auf das Team Investec-Songo-Specialized auf dem fünften Rang.
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6 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumDarf er das Marathonweltmeister-Trikot beim Cape Epic nicht tragen oder wieso trägt er nur das Trikot des brasilianischen (XC-)Meisters?
Ok, ok... der "XC-Weltmeister" zieht davon
Etappenrennen gehören laut UCI-Reglement zu der Sparte der Cross Country-Rennen. Weltranglistenpunkte bei Etappenrennen gibt es deshalb auch stets immer für die XC-Weltrangliste. Dementsprechend dürfen bei Etappenrennen auch nur die XC-Meister ihr Meistertrikot tragen und nicht die Marathon-Meister.
Kulhavy und Gaze wirkten bis zum Sturz von Gaze ja Schurter und Forster ebenbürtig, bin gespannt was von denen die Tage noch kommt.
Nino ist ja sooo cool! Im Downhill heute in Stage 2 zelebriert er Manuals in Führung..
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