Jeder kennt das Szenario: Mitten in der Abfahrt gibt es ein Zischgeräusch oder der Reifen fängt plötzlich an zu walken. Sofort wird klar: ein Plattfuß. Nun muss entweder die Kautschuk-Wurst, auch bekannt unter dem Markennamen Maxalami, ran und das Loch verschließen, oder der Notfall-Schlauch wird verbaut. Die Arme sind von der langen Abfahrt natürlich schon schwer, dennoch wartet jetzt die mühsame Arbeit mit der winzigen Handpumpe oder das riskante Spiel mit der CO₂-Kartusche. Doch die Ära des manuellen Schuftens könnte vorbei sein: Akku-Kompressoren sind längst kein klobiges Werkstatt-Gadget mehr, sondern passen mittlerweile in jede Trikottasche. Aber können die elektrischen Helfer im realen MTB-Alltag wirklich bestehen? Wir haben uns das Akku-Pumpen-Duo von Dynamic vorgeknöpft, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Dynamic Bike Care Turblo: Infos und Preise
Die Turblo ist eine elektrische Mini-Pumpe im Pocket-Format und richtet sich an diejenigen, die eine besonders kompakte Lösung für unterwegs suchen. Mit kompakten Abmessungen von 45 × 33 × 71 mm und einem Gewicht von ca. 115 g soll sie problemlos in der Trikot- oder Satteltasche Platz finden. Trotz der geringen Größe bietet das Gerät laut Hersteller genug Leistung, um MTB-Reifen mehrfach zu befüllen. Damit will sich die 79,99 € (UVP) teure Pumpe als praktikable Alternative zu klassischen Handpumpen oder CO₂-Kartuschen positionieren.
- Elektrische Mini-Pumpe im Pocket-Format
- Besonderheiten digitale Druckanzeige, automatischer Stopp, Presta-/Schrader-Kompatibilität, LED-Leuchte, spritzwassergeschützte Aufbewahrungstasche
- Maximaldruck 8 bar/116 psi (Herstellerangabe)
- Ladezeit USB-C, ca. 60 min (Herstellerangabe)
- Akku 500 mAh, Lithium-Ionen
- Gewicht 126 g (gewogen)
- Abmessungen 45 × 33 × 71 mm
- Zubehör Adapter (Presta/Schrader), Ballnadel, USB-C-Kabel, Schlauch, Kunststoff-Beutel, Handschlaufe
- Verfügbarkeit ab sofort
- www.dynamicbikecare.com
- Preis (UVP) 79,99 € | Bikemarkt: Dynamic Bike Care Turblo kaufen
Ausgestattet mit einer digitalen Druckanzeige und einer automatischen Stoppfunktion soll die Turblo ein präzises Aufpumpen ermöglichen. Dynamic liefert die Pumpe sowohl mit Presta- als auch mit Schrader-Ventilaufsätzen aus. Ein sinnvolles Feature stellt die kleine integrierte LED-Leuchte dar. Zum Lieferumfang gehören neben verschiedenen Adaptern und einem USB-C-Ladekabel auch ein Schlauch sowie ein kleiner Plastikbeutel, der das Gerät vor Spritzwasser schützen soll.
Dynamic Bike Care Turblo+: Infos und Preise
Die Turblo+ ist die größer dimensionierte Variante im Sortiment und richtet sich an Menschen, die eine Lösung mit etwas mehr Power und Ausdauer für längere Einsätze, Reisen, Bikepacking oder als Luftpumpenersatz im Auto suchen. Mit Abmessungen von 48 × 68 × 155 mm ist sie auf eine höhere Förderleistung sowie einen erweiterten Druckbereich von bis zu 10 bar (145 psi) ausgelegt. Der 2000 mAh Lithium-Ionen-Akku kann zudem als Powerbank genutzt werden.
- Elektrische Mini-Pumpe mit erhöhter Leistung
- Besonderheiten digitale Druckanzeige, automatische Stoppfunktion, Powerbank-Modus (USB-A), LED-Leuchte, voreinstellbare Druckmodi, Presta-/Schrader-Kompatibilität
- Maximaldruck 10 bar / 145 psi
- Leistung bis zu 10 Rennradreifen (28 mm, 5 bar) oder 18 MTB-Reifen (29″, 1,5 bar) pro Ladung
- Ladezeit USB-C, ca. 60 min (Herstellerangabe)
- Akku 2000 mAh, Lithium-Ionen
- Gewicht 475 g (gewogen, inkl. Schlauch)
- Abmessungen 48 × 68 × 155 mm
- Zubehör Adapter (Presta/Schrader), Schlauch, Ballnadel, USB-C-Kabel, Tasche
- Verfügbarkeit ab sofort
- www.dynamicbikecare.com
- Preis (UVP) 69,99 € | Bikemarkt: Dynamic Bike Care Turblo+ kaufen
Ausgestattet mit einer digitalen Anzeige und einem Drucksensor, verfügt die Turblo+ über vier speicherbare Druckmodi und eine automatische Stoppfunktion. Im Inneren arbeitet eine Vollmetall-Konstruktion mit Carbon-Schubstange, die laut Hersteller hohe Haltbarkeit bei leisem Betrieb garantieren soll. Neben der Nutzung als Powerbank ist auch bei der Turblo+ eine praktische, kleine LED integriert. Die Pumpe ist mit Presta- und Schrader-Ventilen kompatibel und wird inklusive Adaptern, Ballnadel, USB-C-Ladekabel und einer Stofftasche ausgeliefert.
Im Test
Die Messreihe
Bevor ich beide Pumpen in meinen MTB-Alltag integriere, ist eine kleine Messreihe notwendig, um herauszufinden, was die Akku-Pumpen von Dynamic können. Ein für mich realistischer Wert für einen Hinterradreifen sind 2,0 bar Luftdruck. Dieser Wert sollte erreicht werden, nachdem ich bspw. eine Maxalami injiziert oder einen Ersatzschlauch montiert habe. Die Turblo Mini-Akku-Pumpe muss hierfür einen Schwalbe Tacky Chan in den Dimensionen 29 x 2,4″ samt dicker Karkasse durch Reserve Fillmore-Ventile mit Luft befüllen. Ergebnis: Dreimal schafft es die Akku-Pumpe, den Reifen von 0 auf 2,0 bar (laut Digitalanzeige) zu befüllen. Mein Topeak-Luftdruckprüfer verifiziert derweil nur 1,9 bar. Beim vierten Versuch und 1,5 bar geht das Gerät aus, Akku leer. Die Geräuschkulisse kann mit durchschnittlich fast 80 dB als laut bezeichnet werden, ist jedoch zumutbar und im Freien weniger nervig als in geschlossenen Räumen.
Damit kann ich arbeiten, denn eine Kartusche (25 Gramm) schafft einen Reifen – wenn alles gut geht und man im Eifer des Gefechts nicht noch Luft über den Adapter und unsachgemäße Handhabung verliert.
Die kleine Dynamic Turblo ist dafür konzipiert, mit auf den Trail zu gehen, entweder im Hip Pack, der Bib-Tasche, oder wie in meinem Fall meinem kleinen Fallschirm a.k.a. Evoc Hydro Pro. Die Turblo+ dagegen ist eher eine Luftpumpen-Alternative für Reisen, oder um sie beispielsweise im Auto zu deponieren. Mit ihr komme ich bei voller Akkuladung auf stattliche 13 Befüllungen von 0 auf 2,0 bar. Die ersten zwei Kontrollmessungen ergeben 1,9 bar, alle weiteren werden jedoch mit 2,0 bar bestätigt. Der vierzehnte Versuch endet laut Turblo+-Display bei 1,9 bar, dann schaltet das Gerät ab. Achtbar, denn wer schon mal mehr als zehn Reifen in Folge von 0 auf 2,0 bar aufgepumpt hat, wird wissen, dass das schweißtreibende Arbeit sein kann. Die Geräuschkulisse ist bewertet an den reinen Dezibelwerten fast identisch, jedoch ist die Turblo+ eher dumpfer und damit wenig nervig als ihre kleine Schwester.
| 29 x 2,4 mm auf 2,0 bar voreingestellt | Anzahl mögliche Aufpumpvorgänge 29 x 2,4 mm auf 2,0 bar | max. Druck 3,5 bar | Max. Lautstärke (1 m Entfernung) | Ladezeit 0–100 % (Netzteil Output: 5V, 2A) | |
|---|---|---|---|---|---|
| Dynamic Turblo | Messung 1: 1:19 min | 1,9 bar (gemessen) Messung 3: 1:39 min | 1,9 bar (gemessen) | 3 (4. Pumpvorgang bis 1,6 bar, laut Anzeige) | max. 3,3 bar (gemessen, zu heiß: abgeschaltet) | 79,2 dB (gemittelt aus 3 Messungen) | ca. 45 min |
| Dynamic Turblo+ | Messung 1: 1:27 min | 1,9 bar (gemessen) Messung 13: 1:42 min | 2,0 bar (gemessen) | 13 (14. Pumpvorgang bis 1,9 bar, laut Anzeige) | 2:45 min, 3,5 bar (gemessen) | 78,1 dB (gemittelt aus 3 Messungen) | ca. 120 min |
In Bezug auf die Maximalwerte richte ich mich nach denen des Reifenherstellers, auch wenn mir bewusst ist, dass kein Mensch mit diesem Reifendruck auf dem Trail unterwegs sein möchte. Die kleine Turblo erreicht die von Schwalbe angegebenen maximalen 3,5 bar nicht und stoppt bei 3,3 bar mit der Displayanzeige „HOT“. Die große Schwester Turblo+ schwächelt nicht und erreicht die voreingestellten 3,5 bar in 2:45 min. Wohl auch keine Rekordzeit, aber sie meistert die Aufgabe souverän.
Wenn man sich den Test unserer Rennradkollegen anschaut (4 Mini-Akku-Kompressoren im Test), fällt auf, dass die Pumpen keinerlei Probleme mit den geringvolumigen Rennradreifen haben und hier locker die 5 bar erreichen. Nicht der Druck ist hier der Gegner, sondern das Volumen. Denn die Pumpe muss bei einem MTB-Reifen deutlich mehr Luftmasse bewegen, was Motor und Akku thermisch viel stärker belastet und schlussendlich zum Überhitzen des kleinen gekapselten Aggregats führt. Zum Vergleich habe ich mit der Turblo ebenfalls einen Rennradreifen in den Dimensionen 700 × 29 c auf 5,0 bar befüllt. Dies gelingt in 1:06 min problemlos.
Ergebnisse zum Vergleich: 4 Mini-Akku-Kompressoren Tests
| 700c x 28 mm auf 5,0 bar voreingestellt | Anzahl mögliche Aufpumpvorgänge 700 x 28 mm auf 5 bar | 27,5 x 2,3 auf 2 bar voreingestellt | Anzahl mögliche Aufpumpvorgänge 27,5 x 2,3 auf 2 bar | Max. Lautstärke (1 m Entfernung) | Ladezeit 0 - 100 % | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Cycplus AS2 Pro | 47 s, 4,84 bar (gemessen) | 3 (4. Ladegang bis 2,4 bar) | 59 s, 1,92 bar | 4 (5. Ladegang bis 0,3 bar) | 72 dB | ca. 22 min |
| Muc-Off Airmach Pro | 1:00 min, 4,84 bar (gemessen) | 4 (5. Ladegang bis 2,6 bar) | 1:03 min, 1,92 bar | 4 (5. Ladegang bis 1,1 bar) | 76 dB | ca. 25 min |
| Topeak E-Booster Digital | 57 s, 4,92 bar (gemessen) | 3 (4. Ladegang bis 4,0 bar) | 1:01 min, 2,0 bar | 4 (5. Ladegang bis 1,4 bar) | 75 dB | ca. 38 min |
| Voxom EPu2 | 1:04 min, 4,96 bar (gemessen) | 3 (Akkustand beim 3. Ladegang auf rot, 4. Ladegang bis 4,4 bar) | 1:13 min, 2,03 bar | 5 (Akkustand beim 5. Ladevorgang rot, 6. Ladevorgang bis 0,3 bar) | 78 dB | ca. 52 min |
Testeindruck im MTB-Alltag
Die Dynamic Turblo ist klein, 126 Gramm leicht und kompakt, passt damit in jedes Hip Pack oder Mini-Rucksack. Vergleicht man das Ganze mit einer CO₂-Kartusche samt Adapter (ca. 120 Gramm, bei 25 Gramm Füllmenge), liegt man fast identisch auf, die Unterschiede im Packmaß sind vernachlässigbar. In der Handhabung hat die Turblo Vorteile, auch wenn der Zeitaufwand der Kartuschenlösung etwas geringer ist. Die Turblo punktet klar in der Komfortwertung – einschalten, Druck einstellen, aufs Ventil setzen, starten. Etwas nachpumpen oder einen zweiten oder dritten Reifen befüllen, ist ebenfalls schnell erledigt. Im Vergleich braucht es hierzu mehrere Kartuschen, was auch das Zusatzgewicht und den Stauraum anwachsen lässt.
Verglichen mit der klassischen Mini-Handpumpe (bspw. OneUp 70 cc mit 140 Gramm) hat die Turblo kleine Vorteile im Packmaß, große Vorteile im Komfort und einen unweigerlichen Nachteil in der Wiederverwendbarkeit. Denn eine Handpumpe hört erst auf, wenn du nicht mehr pumpen kannst.
Wenn es darum geht, einen Tubeless-Reifen, der von der Felge gesprungen ist, wieder ins Felgenbett zu bekommen, hat jedoch die Kartusche die höchsten Erfolgschancen, da sie durch eine schlagartige Expansion von flüssigem CO₂ imstande ist, den Reifen in Sekunden zu füllen. Der kleine Akku-Kompressor hingegen arbeitet eher stetig und langsam (im Bestfall rund 1:20 min) vor sich hin. Mit einer Handpumpe ist man meist ebenfalls verloren.
Auch die Turblo+ könnte hier am Trail nicht helfen, sie kommt zum Testeinsatz, wenn ich zu Hause oder am Auto, vor der Tour oder während eines Päuschens etwas Luft nachladen möchte. Zur Erstmontage von MTB-Reifen ist die etwas größere Akku-Pumpe nicht geeignet, auch wenn man mit etwas Glück den ein oder anderen Pneu ins Felgenbett bekommen könnte. Die 475 Gramm schwere Turblo+ punktet ebenfalls mit Komfort. Pumpe anschließen, den gewünschten Druck vorab eingeben und pumpen lassen, während man etwas anderes machen kann.
Die Funktion ist absolut zuverlässig, auch der endgültige Druck passt mit meinem Reifendruckprüfer überein. Ob ich diese Arbeitserleichterung benötige, steht auf einem anderen Blatt. Wer vor der Ausfahrt mit Kind und Kegel mehrere Reifen zu befüllen hat oder auf einer Reise keine sperrige Luftpumpe einpacken möchte, für den könnte dieses Tech-Gadget vermutlich nützlich sein. Vor allem im Hinblick darauf, dass sie als Powerbank und Taschenlampe genutzt werden kann. Des Weiteren haben wir die Turblo+ zum Befüllen der Reifen unseres Firmen-Transporters genutzt. Ein praktisches Helferlein ist sie damit allemal und findet im Auto leicht einen Platz.
Abschließend komme ich zu dem Schluss, dass beide Dynamic-Akku-Pumpen zuverlässig das tun, was sie tun sollen – Luft in die Reifen pumpen, ohne dass ich eine klassische Pumpe per Muskelkraft bedienen muss. Dabei erschließt sich für meinen eigenen Anwendungsfall primär die kleine Turblo, da sie eine echte Alternative für Tech-Gadget-Fans darstellt, die im Notfall am Trail ihren Reifen mit Luft befüllen wollen, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen. Im direkten Vergleich zur Mini-Handpumpe besticht sie durch Komfort, gegenüber einer Kartusche eher mit der möglichen Mehrfachnutzung. Zu beachten ist: Wer vergisst, die kleine Akku-Pumpe zu laden, der steht ganz ohne Luft-Support im Wald.
Fazit – Dynamic Turblo & Turblo
Die kleine Turblo ist eine smarte Alternative zur CO₂-Kartusche. Fast identisch in Gewicht und Packmaß, aber dank Mehrfachnutzung und exakter Druckvorwahl deutlich komfortabler. Sie punktet im Alltagstest durch eine einfache und zuverlässige Handhabung und Funktion. Die Turblo+ kann als Begleiter für den Kofferraum dienen. Sie ersetzt zwar keine Booster-Pumpe bei der Erstmontage, überzeugt aber als zuverlässiges Gadget inklusive Powerbank-Funktion. Technik-Fans bekommen mit der Turblo ein Upgrade fürs Trail-Kit, das Platten etwas entspannter flicken lässt. Ersetzen Mini-Akku-Pumpen also die Kartuschen- oder Mini-Pumpen-Lösung am Trail? Ich sage jein. Sie haben ihre Berechtigung, sind aber eher ein verspieltes Tech-Feature als ein handfestes Substitut für mich.
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85 Kommentare
» Alle Kommentare im Forumyour bike is invalid.
Es wird hier schon wieder ziemlich vom Thema abgedriftet. Im Bericht ging es eigentlich um zwei Dynamic Pumpen und jetzt sind wir schon beim Glaubenskrieg. 🙄
Ich klicke mal auf "unwatch" 🫡
Weiß eh jeder. Schreib halt nicht so einen Schaß.
Ich habe schon mehrmals neue Reifen tubeless mit der Akku Pumpe montiert und es hat geklappt (ich erinnere mich an Hillbilly und butcher grid gravity und einen kryptotal enduro soft, die ich neu so montiert habe). Es klappt sicher nicht immer, aber deine Aussage unten bleibt ein Blödsinn. Mit meiner oneup Pumpe hätt ich hingegen keine Chance.
Es ist auch wurscht. Dafür sind die pumpen nicht gedacht. Wir haben 7 Bikes zuhause, bei denen ich vor jeder Runde die Luft kontrolliere. Vier fahren regelmäßig gemeinsam herum. Da ist so ein Teil ein Traum. Auf den Trail kommt sie fast nie mit.
Es gibt wirklich dämlicher Erfindungen als Akku Pumpen.....
hab schon den luftdruck meiner flash mit der kleinen cycplus auf dem trail eingestellt. quasi 3 produkte in einem, pumpe, luftdruckprüfer und automatisch nachjustierer, und gabelpumpe. win win win.

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