Waldzustandsberichte der Bundesländer 2021 Teilweise Entspannung, aber keine Entwarnung

Die Waldzustandsberichte 2021 zeigen: dem größten Teil des Waldes in Deutschland geht es schlecht. Die durch den Klimawandel verursachten Hitze- und Trockenperioden, außergewöhnliche Wetterkapriolen sowie der Befall durch Schädlinge hat den Waldflächen in Deutschland nachhaltig zugesetzt. Auch wenn teilweise eine Entspannung gab, ist von einer Entwarnung keine Rede. Die aktuellen Waldzustandsberichte aller deutschen Bundesländer für 2021 geben einen Überblick darüber, wie es derzeit um den Wald in Deutschland bestellt ist.
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In einem sind sich die Waldzustandsberichte 2021 und auch die zuständigen Minister*innen in den jeweiligen Bundesländern einig: Dem Wald in Deutschland geht es schlecht und es werden weiterhin große Anstrengungen vonnöten sein, um die Lage in den deutschen Wäldern zumindest zu entspannen. Auch wenn es hier und da Lichtblicke gibt und der negative Trend durch einen milden und niederschlagsreichen Frühsommer teilweise gebrochen wurde, ist der Anteil an kranken Bäumen nach wie vor zu hoch. Dabei stehen die Bundesländer im Norden und Süden etwas besser dar als die Bundesländer in der Mitte Deutschlands, die stellenweise gar keine Entspannung der Situation erfahren haben.

Positive Entwicklungen, aber kein Grund zur Entwarnung

Mecklenburg-Vorpommern kann eine leichte Verbesserung des Vitalitätszustandes der Waldbäume gegenüber dem Vorjahr verzeichnen und besitzt laut dem dortigen Agrar- und Forstminister Dr. Till Backhaus derzeit den gesündesten Wald Deutschlands. Ein Grund, sich darauf auszuruhen, ist es dennoch nicht – auch hier liegt die mittlere Kronenverlichtung mit 21,1 % noch immer über dem Wert vor der Dürrephase von 2018-2020. Mit einem schon laufenden Waldbauprogramm möchte man die Gesundheit des Waldes aber weiterhin verbessern. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es eine leichte Entspannung: Lag die Anzahl der Bäume mit einer starken Kronenverlichtung und damit der höchsten Schadenskategorie im Vorjahr noch bei 44 %, sank dieser Wert 2021 auf 40 %. Auch hier gibt es aber keinen Grund zur Entwarnung, wie die dortige Umweltministerin Heinen-Esser mitteilen ließ. Obwohl das Wetter 2021 einen positiven Effekt hatte, sei in Nordrhein-Westfalen das Hauptproblem immer noch der Borkenkäfer.

Auch Baden-Württemberg verzeichnet vereinzelte leichte Verbesserungen, stuft aber weiterhin 42 % seiner Waldfläche als deutlich geschädigt ein. Der baden-württembergische Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk bezeichnet die Lage weiterhin als besorgniserregend und kann keine Entwarnung für den Wald geben. Vom niederschlagsreichen Frühsommer hat auch der Wald in Bayern profitiert. Der seit mehreren Jahren anhaltende Negativtrend der Nadel- und Blattverluste scheint vorerst gestoppt zu sein. Der Tenor bleibt in Bayern aber auch wie in den anderen Bundesländern: Es gibt laut der bayerischen Forstministerin Michaela Kaniber keinen Grund zur Entwarnung. Auch hier wird nach wie vor mit dem Borkenkäfer im Krisen-Hotspots wie dem Frankwald zu kämpfen sein.

Berlin und Brandenburg verzeichnet ebenfalls einen Rückgang der Waldanteile mit deutlichen Schäden, die im Vergleich zum Vorjahr um 3 % auf 22 % zurückgegangen sind. Allerdings ist der Anteil an Bäumen ohne sichtbare Schäden ebenfalls zurückgegangen, derzeit gelten dort nur 12 % der Waldbäume als vollständig gesund. Auch hier haben durch die Jahre der Trockenheit Schaderreger leichtes Spiel, und Berlin und Brandenburg rechnen mit einem Rückgang verschiedener Baumarten. Klar genannt wird hier etwa die Buche. Auch die häufigste Baumart des Bundeslandes, die Kiefer, ist zwar am wenigstens geschädigt, aber auch hier zeigt jeder fünfte Baum deutliche Schäden. In Schleswig-Holstein zeigen sich auch weiterhin erhöhte Werte der mittleren Kronenverlichtung und der Absterberate.

Angespannte Situation in Mitteldeutschland

Noch angespannter sieht die Lage in Mitteldeutschland aus. Hessen prognostiziert riesige Herausforderungen für die kommenden Jahre, die dortigen Ergebnisse des Waldzustandsberichts zeigen einen anhaltend schlechten Gesundheitszustand des Waldes. Gerade ältere Bäume haben aufgrund des Klimawandels deutlich zu leiden und zeigen etwa bei den Eichen trotz geringer Einwirkungen von Schädlingen eine deutliche Erhöhung der mittleren Kronenverlichtung von 23 % in 2020 auf 28 % in 2021. Auch die Kiefer leidet in diesem Bundesland sehr unter den Bedingungen. Niedersachen verzeichnet ebenfalls keine Erholung für seine Wälder. Die starken Schäden sind im Vergleich zum Vorjahr sogar um 4,1 % gestiegen. Insgesamt sind so 40.000 Hektar Freiflächen entstanden, die nahezu ausschließlich ehemalige Fichtenbestände beherbergten.

In Rheinland-Pfalz werden derzeit 8 von 10 Bäumen als krank bezeichnet, auch der regenreichen Frühsommer hat hier kaum zur Entspannung beigetragen. Hier ist vor allem die Buche betroffen, die in dem Bundesland eines ihrer natürlichen Verbreitungsgebiete besitzt. Derzeit gelten 6,1 % der Bäume im Bundesland als tot oder akut gefährdet und damit dreimal soviel wie 2017. Einen leichten Grund zur Hoffnung, wenn auch keine Entwarnung, macht hier, dass ähnlich wie in Hessen jüngere Bäume mit dem Klimawandel besser zurechtzukommen scheinen als ältere. Aber auch der Borkenkäfer setzt in Rheinland-Pfalz vielen Bäumen, allen voran der Fichte, weiterhin zu. Das benachbarte Saarland verzeichnet ebenfalls keine wesentlichen Verbesserung seit 2020. Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden hat sich zumindest von 41 % 2020 auf 37 % 2021 etwas reduziert. Die Menge an geschlagenem Schadholz entspricht allerdings etwa der doppelten Menge der in einem normalen Jahr mit naturnaher Waldbewirtschaftung geerntetem Holz.

Mit einer Absterbe-Rate auf einem Allzeithoch leidet Sachsen-Anhalt unter den Dürreperioden der Vorjahre. Der Kronenzustand hat sich 2021 nicht erholt. Zudem haben Stürme, Schädlinge und die Hitze- und Trockenperioden bis Ende September 2021 30.000 Hektar Kahlflächen entstehen lassen. Die Absterbe-Rate liegt mit 1,6 % deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 0,6 %. Auch hier macht insbesondere der Fichte der Befall durch Borkenkäfer weiterhin sehr zu schaffen. In Sachsen verbesserte sich der Zustand der Bäume mit deutlichen Schäden zwar von 35 % im Vorjahr auf 31 %, in verschiedenen Regionen ist aber eine weiter steigende Schädigung festzustellen. Der mittlere Wert von Nadel- und Blattverlust blieb mit 25,1 % im Gegensatz von 26,1 % im Vorjahr nahezu stabil und damit viel zu hoch.

Waldzustandsberichte 2021 nach Bundesländern

Waldzustandsbericht 2021 Baden-Württemberg
Waldzustandserhebung 2021 Bayern
Waldzustandsbericht 2021 Berlin und Brandenburg
Waldzustandsbericht 2021 Bremen –> siehe Niedersachsen
Waldzustandsbericht 2021 Hamburg –> siehe Niedersachsen
Waldzustandsbericht 2021 Hessen
Waldzustandsbericht 2021 Mecklenburg-Vorpommern
Waldzustandsbericht 2021 Niedersachsen
Waldzustandsbericht 2021 Rheinland-Pfalz
Waldzustandsbericht 2021 Saarland
Waldzustandsbericht 2021 Sachsen
Waldzustandsbericht 2021 Sachsen-Anhalt
Waldzustandsbericht 2021 Schleswig-Holstein
Waldzustandbericht 2021 Thüringen (noch nicht erschienen, wahrscheinlich Januar 2022)

Was sagt ihr zur aktuellen Entwicklung der Waldflächen in Deutschland?

100 Kommentare

» Alle Kommentare im Forum
  1. Wenn es aber solche Projekte gäbe, und über diese dann positiv in entsprechenden Land/Forstwirtschaftlichen Medien mit den Vorteilen für den Grundbesitzer berichtet würde, dann könnte ich mir ein langsames Umdenken vorstellen. Leider sehr viel Konjunktiv
    Es müssten vermutlich einige positive Berichte in den Lokaljournalismus vor Ort schaffen. Meist begnügen sich diese aber mit negativer Berichterstattung, basierend auf Facebook-Kommentaren smilie

    Keine Ahnung ob das funktionieren würde:
    Am Anfang vom Trail eine Hinweisschild. Am Ende dann ein weiteres Hinweisschild und eine Spendenbox. Jeder kann was geben, keiner muss. X% gehen an den Grundbesitzer, y% für die Trailpflege, z% an Ausgleichsmaßnahmen.
    Lieber ein QR Code mit Paypal-Pool oder ähnlichen. Optional eine leicht zu merkende Paypay.me Adresse für die 0,5% die ohne Telefon im Wald nicht der Instagram Korrespondenz frönen smilie

    Ich würde es im Falle unseres gezeichneten Beispiels als selbstverständlich ansehen, den Besitzer bei Pflanzungen oder sonstigen Arbeiten helfend zur Hand zur gehen, wenn der Trail mir Freude bereitet. Das könnte ja organisiert vor Ort so ablaufen, dass die zu bepflanzenden Stellen vom Besitzer markiert werden und nach einer fachkundigen Einarbeitung von Mountainbikern die Arbeit übernommen wird. Man trifft sich, hilft sich und hat eine gute gemeinsame Zeit im Wald. Ich kann daran nichts negatives erkennen.
  2. Das ist nun mal die heilige Kuh...aber vielleicht kommt man genau da mit den Waldbesitzern zusammen.

    @huzzel und die Leute aus der Waldszene : Was wäre ein angemessener jährlicher Betrag / Pacht für die Nutzung eines Waldstücks durch z.B. einen Trail, was zahlen denn so die Jäger an Pacht pro Hektar? Ich kann mir vorstellen, dass da der eine oder andere durchaus nicht mehr so hartherzig ist wenn er pro Jahr mit einem festen Betrag kalkulieren kann.

    Geld ist in der MTB Szene wie mir scheint genug vorhanden, da muss man sich nur mal die hochgepimpten Edelkutschen ansehen, die an den einschlägigen Spots von den noch teureren Autos abgeladen werden...

    M.
    Wenn Träume war wären .Leider gibt es zuviele Bürokratische Hürden.Und ein Jäger der eine Jagtpacht hat ,will auch keinen Trail bzw.Biker im Wald.Und der Grundstückseigentümer wird dir seinen Wald auch nicht zur Verfügung stellen,alleine schon aus Versicherungs technischen Gründen.Stell dir vor du landest im Rollstuhl ,jede Versicherung wird versuchen sich ihr Geld zu holen.Und Mal ehrlich die meisten fahren doch gerne Naturbelassene Trails ,und nicht ihrgendwelche platt gewählten Murmelbahnen.Ride on
  3. man müsste ja nur nen Waldgrundbesitzer kennen , der "offiziell" einen Trail selbst mit verbundenen Augen nicht erkennt als solchen,
    und sich deswegen nicht drum schreren wollen muss 😏



    oh, war kurz eingenickt 😂

  4. Und der Grundstückseigentümer wird dir seinen Wald auch nicht zur Verfügung stellen,alleine schon aus Versicherungs technischen Gründen.Stell dir vor du landest im Rollstuhl ,jede Versicherung wird versuchen sich ihr Geld zu holen
    Das sind doch die Vorurteile, die hier im Forum verzweifelt versucht werden auszuräumen und die bis jetzt mit keinem Fall belegt werden konnten. Und wenn die hier schon kommen, was denkt ihr, wie die dann erst in einem Landwirtschaftsforum hochkochen.
    Ich habe aktuell auch wenig Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit viel besser wird. Aber ein wenig Brainstorming wie es besser werden könnte, finde ich, kann nicht schaden. Und wer weiß, vielleicht keimt doch hier und da ein kleines Pflänzchen und mit der Zeit wird doch was daraus.
    Ich denke wir, die MTBler, sollten Gutes tun und sehr viel darüber sprechen 🙂.

    Ich habe schon öfters darüber nachgedacht Mal MTBler und Forstleute zusammenzubringen. Würde finanziell sogar staatlich gefördert werden 😉. Ich bin aber nicht schlagfertig genug für so ne Aktion und fürchte, dass sowas im Zweifelsfall nach hinten losgehen würde.
  5. Da muß was dran sein, die Dürrejahre und die Käferplage kamen etwa zeitgleich mit dem vermehrten Auftreten der E- Biker.

    Was mir auffällt in der Diskussion ist , dass trotz anwesender Waldbesitzer und Experten , keiner die Fragen stellt: Was ist Wald und was soll Wald sein? Und wie steht der Wald und damit die Tiere, Pflanzen, Pilze Mikroorganismen usw in Zusammnehang mit dem was wir alle als Gesellschaft so treiben?
    Wälder haben Millionen von Jahren überstanden ohne das jemand etwas gepflegt oder reguliert hat. Und ich sehe heute Flächen auf den aufgegebene Fichtenmonokulturen vor sich hinsterben und verrotten und auf dennen sich, schneller als auf aufgeforsteten Flächen, neues Leben ausbreitet.
    Ist nur leider eher nichts dabei was sich in absehbarer Zeit wirtschaftlich nutzen lässt. Klar ist der Kahllschlag, die Strassen für die Harvester usw für die wirtschaftliche Nutzung des Waldes vieleicht das sinnvollste. Aber was ist mit den Tieren die immer mehr zurückgedrängt werden? Wie lange dauert es bis wieder, falls es das dort überhaupt noch gab, ein symbiotisches System entsteht?
    Ich finde grade der Wald ist ein Beispiel dafür, dass die großen Bedrohungen : Klimawandel, Artensterben, Rohstoffverknappung und Vermüllung nur zusammen betrachtet werden können.
    Danke, ich danke dir für deine Worte!!!! Schön zu sehen das es doch noch Biker gibt die auch die andere Seite des Waldes sehen. Das der Wald nicht nur aus Bäumen besteht sondern voller Leben.
    Zur meiner Person und kleinen info, ich bin selbst Biker seit Mitte der 90er aber auch seit über 20 Jahren privater Waldbesitzer im mitteleren Schwarzwald.
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