Auf den ersten Blick nur leicht verändert geht das Specialized Enduro 2013 neu an den Start – ob sich fahrerisch größere Unterschiede ergeben, haben wir auf fantastischen Trails in Utah klären können.

Im Stand

Während der Carbon-Rahmen 110g abgespeckt hat, fielen bei der Alu-Version 80g – beides keine Werte, die Gewichtsfetischisten zum Kauf treiben, aber doch ein Indikator dafür, dass man auch auf die Waage schaut. Während die Versionen Expert und Comp mit Fox CTD Dämpfern am Start stehen, wartet im Heck des S-Works Topmodells ein dicker CaneCreek DoubleBarrel Air auf. An der Front aller Bikes verrichtet eine Fox 34 in unterschiedlichen Ausführungen die Arbeit. Kashima und Talas CTD für das S-Works, Talas CTD fürs Expert und CTD für das Comp.

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# Das Enduro Expert Carbon – Achtung, kommt in Deutschland in Grün statt blau, Bilder weiter unten!

Bei den meisten anderen Komponenten gilt: Die höherwertigen Modelle kriegen die leichteren Teile, handfeste Unterschiede bilden außerdem nur noch die Teleskopstütze (fehlt beim Comp) sowie die XX1-Gruppe (am S-Works, für den Fahrbericht am Enduro leider nicht zur Verfügung gewesen, aber hier schon gefahren).

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Größentechnisch gibt es 2013 die Wahl zwischen S, M und L. Verglichen mit 2012 ist der M Rahmen leicht größer geworden und die L-Version ähnlich geblieben, was Sinn macht, da beim aktuellen Modell viele klassiche M-Fahrer weder mit M noch mit L richtig glücklich waren. Die Größe XL wurde gestrichen, weil sie  (neben dem ohnehin schon großen L) sich nur sehr geringer Beliebtheit erfreute – und man natürlich froh ist mit weniger Varianten auszukommen.

Specialized Enduro S-Works 2013 Specialized Enduro Expert Carbon grün / deutsche Version Specialized Enduro Comp

Zum Setup des Dämpfers haben wir das Specialized-eigene System “AutoSag” verwendet. In vier Schritten soll es zum perfekten Sag führen: Druckstufe öffnen, Luftkammer auf I 3xKörpergewicht [kg]I in PSI aufpumpen (also sehr fest), aufsetzen und das Ventil drücken bis keine Luft mehr entweicht, anschließend zuschrauben und losfahren. Wenn man sich exakt an diese Schritte hält, erreicht man auch sehr exakt einen Sag von 30%, es Bedarf allerdings wirklich Fürsorge, damit man nicht durch Wackeln, zu kurzes Drücken oder ähnliches das Ergebnis verfälscht.


Specialized Enduro 2013 Geometrie

In Fahrt

Uphill

Die Ausfahrt beginnt, wie sich das für eine Mountainbike-Tour gehört, mit einem Anstieg. Über eine holprige Schotterstraße geht es in Serpentinen teils sehr steil bergauf. Bei 176cm konnte ich sowohl mit dem S- als auch mit dem M-Rahmen eine bequeme Uphill-Position finden. Im Aufstieg machte sich damit der steile virtuelle Sitzwinkel bemerkbar: Auch ohne Absenken der Gabel steigt die Front nicht, nur wenn es sehr steil wird sorgt der einsinkende Dämpfer dafür, dass man suboptimal von hinten in die Pedale tritt. An den mit Fox Dämpfern ausgestatteten, günstigeren Modellen lässt sich an dieser Stelle einfach der Hebel auf “Trail” oder gar “Climb” umlegen, was außerdem das minimale Wippen eliminiert. Am S-Works gibt es diese Option nicht, was tatsächlich zu Wippen und Einsinken führt, für den Uphill scheint der CaneCreek Double Barrel Air ab Haus nicht gemacht zu sein, der für 2013 etwas nach oben gewanderte Drehpunkt verstärkt den Effekt.

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Dieser Tatsache ist man sich durchaus bewusst, weshalb man Rahmen und S-Works Komplettbike mit einem ganz besonderen Detail ausstatten wird: Ein kleiner Hebel, aufgeschraubt auf den Einsteller der Lowspeed-Druckstufe, soll die Verstellung um 4 Klicks während der Fahrt erlauben. Ab Haus kommt der Dämpfer eingestellt auf 4 von 24 Clicks, mit dem Hebel lässt er sich dann auf 8 zudrehen – wir haben das manuell ausprobiert und konnten die Änderung deutlich spüren, das Heck blieb wesentlich ruhiger, selbst bei wildem Antreten.

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Davon abgesehen arbeitet die Federung bergauf sehr komfortabel, Steine und Wurzeln werden soft geschluckt und rauben so nur wenig Geschwindigkeit. Insgesamt lenkt sich das Enduro sehr agil, mehr wie ein 150mm Stumpjumper, man hat nie das Gefühl ein schweres Fahrrad zu bewegen. Dazu tragen sicher auch die leichte Fox 34 und die Geometrie des Hauptrahmens ihren Teil bei.

Auf und Ab

Führt der Trail in die Ebene und gemäßigtes Gefälle, freuen sich Fahrer der teureren Varianten über ihre CommandPost: Vom Lenker aus fährt der Sattel wahlweise ganz nach unten oder in die mittlere Position, die sich nur ca. 30mm unter der voll ausgefahrenen Stellung findet. Anfangs war ich diesem Setup gegenüber sehr skeptisch, nach drei Tagen Gewöhnung bin ich überzeugt, dass eine dreistufige Stütze mindestens so clever ist wie eine stufenlos anpassbare: Man weiß bei der mittleren genau was man hat und erreicht sie durch kurzes Tippen des Hebels oder sanftes Setzen sehr schnell und ohne nachjustieren. Ich persönlich empfand das laute Anschlagen der Stütze in der oberen Position als unschön bis angsteinflösend, anscheind will man aber ein deutliches Zeichen geben, wenn der Sattel voll ausgefahren ist.

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# Mit dem Enduro Expert um Kurven stauben – leichte Übung. 

In leichtem Gelände funktioniert die Trail-Einstellung am Hinterbau klasse, an der Gabel ist sie für mich nicht wirklich nötig. Das Rad pedaliert sich sehr leichtfüßig, auf dem großen Blatt wippt auch im Stehen nichts. Bei schnellen Tempowechseln und in engen Kurven machen sich die leichten Carbonlaufräder bemerkbar, das wichtigste aber, und zwar ganz Ausstattungsunabhängig: Das Bike bleibt wirklich weit oben im Federweg – das Ergebnis: Es sprintet klasse und lässt sich mit Leichtigkeit von Wurzeln und Kanten abdrücken.

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# Manual gefällig? Mit dem Enduro ziemlich einfach…

Besonders beeindruckend empfand ich die Kombination aus dem beschriebenen Federverhalten und den knackig kurzen Kettenstreben – damit lassen sich Manuals nur so aus dem Handgelenk schütteln, alles was Spaß macht fällt leicht: Sprinten, springen, driften. Größe S ergibt bei 176cm ein absolutes Spaßgerät, Größe M eher ein Bike für lange Touren und schnelle Trails.

Downhill

Nach dieser handlich verspielten Vorstellung in gemäßigtem Gelände war die spannende Frage vor der Abfahrt: Wie laufruhig kann so ein Gerät sein? Die Antwort: Sehr. Auch bei hohen Geschwindigkeiten liegt das Enduro ruhig auf dem Trail - wir fanden uns dank schnell rollendem Boden und gleichmäßigem Gefälle immer wieder im größten Gang, Joes GPS gab eine Maximalgeschwindigkeit von 34 an, Meilen pro Stunde, wohlgemerkt. Der offensichtliche Grund: Das tiefe Innenlager (350mm), der ausreichend lange Radstand und der hohe Drehpunkt des 165mm Hinterbaus. Kehrseite der Innenlagerhöhe waren ab und zu unplanmäßige Bodenkontakte, aber wer so ein Fahrverhalten schon genossen hat, wird darauf nicht mehr verzichten wollen.

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# Wo Wurzeln warten, freut sich der CaneCreek Double Barrel Air – sonst war er in Snowbird unterfordert.

Eine kleine Enttäuschung beim Absenken des Sattels: Trotz der sehr smarten Sattelklemme mit integrierter Zugführung und der innenverlegten Leitung der Teleskopstütze ergibt sich eine Schlaufe, die unglücklicherweise auf der Lauffläche (Fox Dämpfer) oder der Dämpferhülle (CaneCreek) schleift. Ob die Dämpfer das auf Dauer mit machen steht noch aus.

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# Darren Berrecloth nutzt eine kleine Wurzel als Absprung für den Tabletop. 

Das einzige, was die flowigen Trails im Cottonwood-Canyon nur in homöopathischen Dosen zu bieten hatten: Richtige Steinfelder. Dort, wo es heftiger zur Sache ging, schien das S-Works satter zu liegen, doch der Fox Dämpfer war noch keinesfalls überfordert – hier wäre ein weiterer Test sinnvoll. Insgesamt bietet die Fox 34 an der Front ein sehr effizientes, nicht plüschiges, aber komfortables Federverhalten, der Hinterbau passt mit dem Fox-Dämpfer perfekt dazu, mit dem CaneCreek wird er schluckfreudiger und verstärkt damit die Tendenz zum Abfahrtsmobil.

Specialized Enduro Comp in Fahrt
# Specialized Enduro Comp in Fahrt – die günstigste Fox funktionierte im Test am besten.

Im Downhill machte tatsächlich die Fox 34 CTD im Comp die beste Figur – auch ohne Kashima-Coating ausgerüstet funktioniert sie dank einfacher Luftfeder statt Talas-Verstellung einfach klasse. In Sachen Steifigkeit ist der Unterschied zu einer 32 sehr deutlich spürbar, der zu einer 36 wohl eher theoretischer Natur; auf dem Trail konnte ihn niemand, weder Teamfahrer noch Tester, nicht erfahren. Insgesamt fühlte sich der Hinterbau der Gabel aber stets einen ticken überlegen an – er vermittelt das Gefühl von endlosem Federweg. Selbst von einem Durchschlag an Hinterbau und Reifen bekam ich fast nichts zu spüren.

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#Inside-Line gefällig? Das Enduro liegt satt.

Dämpferkompatibilität: Aufgrund der “Shockbox” genannten Dämpferverlängerung ist auch das 2013er Enduro nicht mit Standard-Dämpfern kompatibel. Das ist schade, in Zeiten von speziellen Dämpfertunes aber im Grunde keine weitere Einschränkung der Flexibilität: Man benötigt ohnehin den genau passenden Dämpfer für seinen Rahmen. Gründe für die Shockbox: Mit einem leichteren (kürzeren) Link lässt sich die gewünschte Kinematik erreichen und statt über die Dämpferbuchse rotiert der Hinterbau über ein Kugellager.

Ein paar Worte zu den Bremsen: Sowohl die günstigeren Avid Elixir 5 und 7 als auch die teure XO Trail machten im Test eine gute Figur, nur das “Trail” Modell war etwas am gurgeln, verzögerte aber gut. Ein echter Standfestigkeits-Test waren die schnellen, flowigen Trails aber nicht, die Dosierung war dafür aber klasse.

Im Überblick 

Fazit

Die im mittleren Bereich straffere Federkennlinie und der höhere Drehpunkt passen perfekt zur Geometrie des Enduro – der Feinschliff hat das Enduro weiter verbessert. Der Rahmen ist ein echter Alleskönner, je nach Vorliebe lässt er sich für lange, grobe Touren oder heftige Abfahrten auslegen. Die getesteten Ausstattungsvarianten zeigten keine echten Schwächen.

+ Geometrie (kurzes & niedriges Heck, langer Hauptrahmen)
+ Federkennlinie (softes Ansprechen, straffes Plateau, “Endlos-Gefühl”)
+ Sinnvoll aufgebaute Komplettbikes mit Kettenführung
+ Specialized-eigene Features wie AutoSag, Sattelklemme und Strebenschutz mit Zugführung…

- CommandPost schlägt recht laut an
- Zugführung schleift auf Dämpfer, nicht für Reverb Stealth etc. vorbereitet
- Dämpfereinstellungen schwer zu erreichen.

Fahrvideo mit Claw, Hunter und Turman

Specialized Enduro 2013 – First Ride mit The Claw von nuts auf MTB-News.de

Comp, Expert oder S-Works?

Natürlich hat jedes der drei Bikes seine Daseinsberechtigung – wenn der Geldbeutel die Entscheidung nicht schon für euch trifft, hier einige Tipps: Am Enduro Comp fehlt eigentlich nur die Teleskopstütze, um es zu einem klasse Allrounder zu machen. Fahrwerk und Antrieb funktionieren makellos, wer nicht zu sehr aufs Gewicht schaut, wird mit diesem Rad sehr glücklich – und kann natürlich nach und nach aufrüsten, nur der Rahmen wird immer aus Alu bleiben.

Specialized Enduro S-Works 2013 Ausstattung Specialized Enduro Comp Ausstattung Specialized Enduro Expert Carbon 2013 Ausstattung

Das Expert ist in der Haus-Konfiguration der beste Alleskönner: Leicht, Fahrwerk mit Plattform, Teleskopstütze, 2X10 Antrieb – für jeden, der ein Rad für alle Fälle sucht die beste Wahl. Mit dem S-Works zeigt Specialized, was in Sachen Enduro momentan möglich ist. Der CaneCreek DH Dämpfer und die 11fach XX1 prädestinieren es für den Enduro-Renneinsatz, sind vielleicht in manchem Uphill nicht die beste Wahl – bergab aber nicht zu schlagen.

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Bilder: Tristan Zerdick (Bike Sport Magazin), Dan Campbell (Specialized), Stefanus Stahl (Mtb-News.de)

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

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    pppaulchen

    dabei seit 08/2010

    fr-andi, was heißt später den genau? Merci
  3. benutzerbild

    fr-andi

    dabei seit 07/2004

    Meine, es hat damals März geheissen
    Aber dein Händler wirds auch wissen
  4. benutzerbild

    cubanito

    dabei seit 01/1970

    ab wann wird das enduro expert denn im laden stehen weiß das wer? hatte schon jemand einen carbon rahmen von specialized? hatte gerade gestern einen voll ausgebleichtes stumpi gesehen was grad mal ein jahr alt war...ist das normal? und zu guter letzt die frage l oder m bei 183.....

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