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Durch die Länder reisen, verschiedene Menschen und Kulturen kennenlernen, Fahrradfahren... - Martins Job klingt natürlich nach einem wahren Traum
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Kinderarbeit: Der junge Martin Bissig erhöht sein Taschengeld mit Fotoaufträgen der Lokalpresse - der fotografierende Vater ist da natürlich eine große Hilfe
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Kinderarbeit: Kleine Jobs für die Lokalpresse bessern das Taschengeld auf
Die Ausrüstung
Die Ausrüstung - Martin ordnet sich zwangsläufig selbst eher den Minimalisten zu, da er bei seinen Abenteuern stets alles selber tragen muss – eine gewisse Fitness muss der Schweizer auf Grund des dennoch recht hohen Gewichts aber mitbringen
Holger Meyer, der Vater aller Fotofahrer
Holger Meyer, der Vater aller Fotofahrer - Die Kunst ist, auch unspektakuläre Szenen cool aussehen zu lassen
Martin hat schon mit den bekanntesten Gesichtern im Radsport gearbeitet
Martin hat schon mit den bekanntesten Gesichtern im Radsport gearbeitet
Die Vollprofis wissen, dass die mediale Vermarktung dazugehört und verhalten sich dementsprechend
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Andere Länder, andere Gesichter - hier ein Porträt eines pakistanischen Bergbewohners
Kulturelle Horizonterweiterung
Kulturelle Horizonterweiterung - für beide Seiten
Der Klassiker: Westeuropäer erkennt man an bunten Funktionsklamotten
Der Klassiker: Westeuropäer erkennt man an bunten Funktionsklamotten
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Im Ladakh – der indische Teil des Himalayas hat es Martin sehr angetan - "Über all die Jahre sind auch Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten. Die buddhistische Kultur, die Klöster, die Einstellungen der Menschen und deren Humor finde ich sehr einzigartig und bereichernd."
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Surrealer Hintergrund
Surrealer Hintergrund - ein besseres Aufwachen als mit direktem Blick auf den K2 geht kaum
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Auf Expeditionen verbringt man gezwungenermaßen sehr viel Zeit miteinander - "Ertragbar ist das nur, wenn man über eine gewisse Härte und viel Humor verfügt."
pakistan2019 martin bissig 2239-2
pakistan2019 martin bissig 2239-2
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Im Karakorum war selbst der weit gereiste Martin sprachlos von der Schönheit der Berglandschaft - Gerhard putzt aber zugegebenermaßen auch ganz hervorragend seine Zähne
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Auf Expeditionen verbringt man gezwungenermaßen sehr viel Zeit miteinander - "Ertragbar ist das nur, wenn man über eine gewisse Härte und viel Humor verfügt."
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21 Stunden am Stück über einen Pass latschen - man muss schon Lust auf so etwas haben. Gerhard Czerners Blick spricht hier Bände
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Schlafen im winterlichen Himalaya
Wie man sich immer wieder für solche Reisen motivieren kann?
Wie man sich immer wieder für solche Reisen motivieren kann? - "Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Es ist ein innerer Antrieb, Neues entdecken zu wollen."
Südafrika gehört auf Grund der Vielfalt zu den Lieblingsdestinationen von Martin
Südafrika gehört auf Grund der Vielfalt zu den Lieblingsdestinationen von Martin
Denn der Süden Afrikas kann nicht nur mit hervorragenden Bikestrecken punkten...
Denn der Süden Afrikas kann nicht nur mit hervorragenden Bikestrecken punkten...
... sondern hat noch viel mehr zu bieten
... sondern hat noch viel mehr zu bieten
mt kenya and kili by martin bissig 4704
mt kenya and kili by martin bissig 4704

Täglich sehen wir viele Fotos zum Thema Mountainbiken – Produkt- und Action-Fotos von den verschiedensten Fahrern und abgelegensten Orten sind an der Tagesordnung. Doch wer macht eigentlich diese Fotos? In unserer Serie „Behind the Lens“ stellen wir euch Fotografen aus der Bikeszene vor. Die Leute hinter der Linse lieben das Biken meist genauso sehr wie die Fahrer davor. Allerdings sind die Fotografen meist noch mit ein paar zusätzlichen Kilos auf dem Rücken unterwegs und müssen den Spaß auf dem Trail auch mal hinten anstellen, um das perfekte Foto zu schießen.

In der heutigen Folge wird euch der Schweizer Martin Bissig vorgestellt, der sich vor allem durch seine Reisegeschichten einen Namen in der Bikeszene gemacht hat. Ich habe Martin bei einem dreiwöchigen Trip durch Pakistan kennengelernt, in Folge dessen auch dieses Interview entstanden ist.

MTB-News: Hi Martin, stell dich für die User doch bitte mal kurz vor und berichte, was du so treibst!

Martin Bissig: Mein Name ist Martin Bissig, ich bin 43 Jahre alt und komme aus der Schweiz. Seit 2003 bin ich professioneller Action- und Outdoor-Fotograf. Ich arbeite vor allem für Kunden aus der Bike- bzw. Fahrradbranche. Ich liebe das Mountainbiken, die Fotografie und das Reisen. Deshalb bin ich seit 2009 auch viel im Ausland unterwegs. Begonnen hat alles mit einem Shooting mit Claude Balsiger im indischen Himalaya. Seit 2013 bin ich nun fast jedes Jahr mit meinem Freund Gerhard Czerner irgendwo auf der Welt unterwegs. Seit diesem Januar bin ich Canon Europe Ambassador und Canon Academy Trainer und gebe Workshops und kleine Vorträge zum Thema Fotografie.

Durch die Länder reisen, verschiedene Menschen und Kulturen kennenlernen, Fahrradfahren...
# Durch die Länder reisen, verschiedene Menschen und Kulturen kennenlernen, Fahrradfahren... - Martins Job klingt natürlich nach einem wahren Traum
Diashow: Behind the Lens - Martin Bissig über das Reisen und Fotografieren
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Holger Meyer, der Vater aller Fotofahrer
Kinderarbeit: Der junge Martin Bissig erhöht sein Taschengeld mit Fotoaufträgen der Lokalpresse
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Martins Geschichten werden jeweils in bis zu 25 Ländern publiziert
# Martins Geschichten werden jeweils in bis zu 25 Ländern publiziert - Das macht ihn zu einem der meist publizierten Bikefotografen Europas

Am häufigsten ist Martin mit seinem Kumpel Gerhard Czerner unterwegs, wie hier bei ihrem Trip in den Oman. (Film von Sebastian Doerk)

Durch die Welt reisen und Abenteuer erleben klingt nach einem spannenden Beruf. Erzähl mal, wie es dazu kam.

Die Fotografie wurde mir praktisch in die Wiege gelegt (lacht). Mein Vater war damals nebenberuflich Fotograf für eine Zeitung. Zur guten alten Analogzeit musste er die Fotos selber entwickeln, also hatten wir daheim ein Fotolabor im Keller. So habe ich von klein auf das Handwerk der Fotografie erlernt. Mit 13 habe ich die ersten Aufträge für die Zeitung fotografiert – Kinderarbeit also (lacht). Das war aber immer nur Spaß und ein willkommener Nebenverdienst. Gegen Ende der 80er Jahre kamen dann diese Fahrräder mit den dicken Reifen nach Europa. Mit meinem damaligen besten Buddy Freddy habe ich die ersten Bikebilder gemacht. Wir haben kleine Kicker gebaut oder waren im Schnee unterwegs. Immer war die Kamera mit dabei. Und so hat sich dann das Ganze entwickelt. Ich habe nie Fotografie studiert, habe aber an einigen Fotokursen für Jugendliche teilgenommen. Im Großen und Ganzen kann ich aber schon sagen, dass ich Autodidakt bin, wie übrigens praktisch alle Fotografen, die ich kenne in der Sport- und Outdoorbranche. Als anständiger Schweizer habe ich dann aber trotzdem schön brav eine Banklehre gemacht, danach weitere drei Jahre auf der Bank gearbeitet und danach Betriebsökonomie studiert. Als ich 2001 mein Studium abschloss, war mir bewusst, dass dies nicht der Weg ist, den ich weiterverfolgen möchte. Also habe ich alles auf die Karte „Fotografie“ gesetzt und mich 2003 selbständig gemacht.

Kleine Kicker im Schnee: Mit Kumpel Freddy macht Martin die ersten Versuche als Bikefotograf
# Kleine Kicker im Schnee: Mit Kumpel Freddy macht Martin die ersten Versuche als Bikefotograf
Kinderarbeit: Kleine Jobs für die Lokalpresse bessern das Taschengeld auf
# Kinderarbeit: Kleine Jobs für die Lokalpresse bessern das Taschengeld auf

Wie schaut dein Arbeitsalltag aus?

Mein Arbeitsalltag sieht nie gleich aus. Keine Woche gleicht der anderen. Während den wärmeren Monaten bin ich sehr oft unterwegs am Fotografieren, hauptsächlich für die Bikeindustrie. In der Nebensaison sind auch mal andere Aufträge dabei, z.B. Firmenevents, Corporate Shootings oder auch mal Bierflaschen (lacht). Ich schaue auch, dass ich die Reisen und Expeditionen eher in die Wintermonate legen kann, also in die ruhigere Zeit. Aber irgendwo auf der Welt ist immer Sommer und ideale Bikezeit!

Manche Fotografen fotografieren mit einer riesigen Technikausstattung, andere sind eher Minimalisten. Was ist dein Stil und welche Ausrüstung verwendest du am liebsten, wenn du das so pauschal beantworten kannst?

Ich würde mich da schon eher zu den Minimalisten zählen. Ich bin ganz klar der Meinung, dass die Person hinter der Kamera das Bild macht und nicht das Gerät, dass der Fotograf in den Händen hält. Klar, die Technik hat in den letzten Jahren meine Fotografie grundlegend verändert, aber trotzdem spielen die Skills in meinen Augen immer noch die größte Rolle. Da ich mein gesamtes Equipment jeweils selber durch die Gegend schleppe, ist es für mich wichtig, mich auf das absolut Notwendige zu beschränken. Ich arbeite seit 2018 mit dem spiegellosen System von Canon. Die EOS R hat alles, was ich von einer Kamera erwarte, in ein kleines und leichtes Gehäuse verpackt. Die neuen Linsen sind der absolute Wahnsinn und in Punkte Qualität, Größe und Gewicht genial. Mit dabei ist oft auch eine kleine DJI Mavic Air, Funkgeräte und mein Laptop.

Die Ausrüstung
# Die Ausrüstung - Martin ordnet sich zwangsläufig selbst eher den Minimalisten zu, da er bei seinen Abenteuern stets alles selber tragen muss – eine gewisse Fitness muss der Schweizer auf Grund des dennoch recht hohen Gewichts aber mitbringen

Welche Tipps würdest du einem interessierten Hobbyfotografen geben, damit er bessere Bikebilder machen kann?

Rausgehen und üben, üben, üben. Ich wurde auch nicht über Nacht besser, sondern habe über Jahre geübt. Gerade in der Sportfotografie braucht es viel Erfahrung, um gute Shots zu machen. An einem guten Tag mit einem guten Fahrer an einer guten Location ein tolles Foto zu machen ist keine Kunst. Bei schlechtem Wetter an einer langweiligen Location die guten Shots rauszuhauen, das ist dann schon anspruchsvoller.

Was könntest du beim Fotografieren gerne noch besser?

Technisch bin ich ziemlich zufrieden mit meinen Fähigkeiten. Bei der Kreativität, Bildaufbau etc. könnte es immer noch besser sein. Ich wäre manchmal gerne noch authentischer, direkter, roher.

Welche anderen Fotografen inspirieren dich?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich wenig Zeit auf Social Media verbringe oder bestimmen Leuten aktiv folge und mich inspirieren lasse. Was aber nicht heißt, dass ich dauernd zufrieden mit meiner Arbeit bin. Im Gegenteil. Bilder die ich vor zwei Jahren noch gut gefunden habe, langweilen mich heute. Ich fühle mich durch die junge Generation an Fotografen angestachelt, kreativer zu sein, besser zu sein, Dinge anders zu machen, einzigartige Geschichten zu erzählen. Es ist ein stetiger Prozess und ich habe jedes Jahr mal so eine kleine Krise, bei der ich mich zu wenig kreativ, zu wenig frisch, zu wenig innovativ empfinde. Aber das ist gut so und bringt mich jeweils weiter.

Weniger Zeit auf Social Media, dafür mehr am Berg
# Weniger Zeit auf Social Media, dafür mehr am Berg - Martin hat sich die meisten Fotoskills selbst erarbeitet

Gerade beim Bike-Foto kommt aber noch ein anderer Faktor mit ins Spiel: Was muss dein perfekter Fotofahrer mitbringen?

In erster Linie Durchhaltewillen und Lust, dieselbe Stelle 20 Mal zu fahren, falls es nötig ist (lacht). Was ich in den letzten Jahren wirklich gelernt habe: gute Rennfahrer, egal aus welcher Disziplin, sind nicht automatisch gute Bike-Models. Die Körperhaltung ist von zentraler Rolle. Einem eingefleischten Enduro-Fahrer, der zwar verdammt schnell, aber eher aufrecht auf dem Bike sitzt, kann ich praktisch keine fototaugliche Körperhaltung mehr beibringen. Die Position auf dem Bike ist also sehr wichtig und da gibt es echt wenige Leute, die das so richtig gut können. Der Trick ist, unspektakuläre Spots cool aussehen zu lassen, ohne dabei übertrieben zu wirken. Ein schmaler Grat! Bei Frauen ist es mir wichtig, dass sie auch als Frauen zu erkennen sind. Lange Haare sind da sicher ein Plus. Eine Bikerin mit kurzen Haaren und dann noch Brille und Helm ist auf den ersten Blick oftmals nicht als Frau erkennbar und das ist schade.

Holger Meyer, der Vater aller Fotofahrer
# Holger Meyer, der Vater aller Fotofahrer - Die Kunst ist, auch unspektakuläre Szenen cool aussehen zu lassen
Der entspanntere Teil des Fotomodels: dekorativ in der Gegend rumstehen
# Der entspanntere Teil des Fotomodels: dekorativ in der Gegend rumstehen
Martin ist es dabei wichtig, dass Frauen trotz Helm und Brille auch als solche zu erkennen sind
# Martin ist es dabei wichtig, dass Frauen trotz Helm und Brille auch als solche zu erkennen sind

Du hast mit Danny MacAskill, Nino Schurter, Hans Rey, Gerhard Czerner und anderen Profis zusammengearbeitet. Wie ist es, mit solchen Größen zu fotografieren?

Sehr cool. Je besser die Athleten sind, desto professioneller gehen sie an die Sache ran. Die wissen schon, dass Bilder und Filme zu ihrem Job gehören. Aber auch da gibt es natürlich Unterschiede. Während Danny oder Hans ihren eigenen Wert mit Veröffentlichungen – egal ob Print oder Social Media – halten oder erhöhen und mir als Fotografen auf Augenhöhe begegnen, ist für Profi-Rennfahrer ein Fotoshooting einfach etwas, was zum Job gehört. Eher mühsam zu handeln sind Rennfahrer aus dem Mittelfeld, die so tun, als würden sie die nächste Weltmeisterschaft wegen einem Fotoshooting verpassen (jetzt muss ich lachen und hoffe, dass Martin nicht mich meint). Aber da habe ich zum Glück nur ganz wenig schlechte Erfahrungen gemacht. Und nein, ich nenne keine Namen!

Martin hat schon mit den bekanntesten Gesichtern im Radsport gearbeitet
# Martin hat schon mit den bekanntesten Gesichtern im Radsport gearbeitet
Die Vollprofis wissen, dass die mediale Vermarktung dazugehört und verhalten sich dementsprechend
# Die Vollprofis wissen, dass die mediale Vermarktung dazugehört und verhalten sich dementsprechend

Ich kenne wenige Leute, die soweit gereist sind wie du. Und da Superlative natürlich immer spannend sind, musst du jetzt mal berichten. Was war deine kulturell eindrucksvollste Bikereise?

Puh, das ist echt schwierig zu beantworten. Die Reisen und Expeditionen waren so unterschiedlich, da kann ich die Azoren-Inseln schwer mit der Wüste von Oman oder dem Himalaya-Gebirge im Tibet vergleichen. Zu welcher Region ich aber den größten Bezug habe, ist wohl Ladakh. Der indische Teil des Himalays hat es mir schon sehr angetan. Über all die Jahre sind auch Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten. Die buddhistische Kultur, die Klöster, die Einstellungen der Menschen und deren Humor finde ich sehr einzigartig und bereichernd.

Andere Länder, andere Gesichter
# Andere Länder, andere Gesichter - hier ein Pakistani aus der nördlichen Bergregion mit Gerhard Czerner
Kulturelle Horizonterweiterung
# Kulturelle Horizonterweiterung - für beide Seiten
Der Klassiker: Westeuropäer erkennt man an bunten Funktionsklamotten
# Der Klassiker: Westeuropäer erkennt man an bunten Funktionsklamotten
Im Ladakh – der indische Teil des Himalayas hat es Martin sehr angetan
# Im Ladakh – der indische Teil des Himalayas hat es Martin sehr angetan - "Über all die Jahre sind auch Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten. Die buddhistische Kultur, die Klöster, die Einstellungen der Menschen und deren Humor finde ich sehr einzigartig und bereichernd."
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Und die landschaftlich Beeindruckendste?

Auch da gibt es unzählige Spots, die mich jeweils sehr berührt haben. Als wir vom Gletscherabbruch in Grönland an die Küste gefahren sind, das war schon extrem beeindruckend. Ebenso die Sanddünen in Oman oder die Atacama-Wüste in Chile. Rein visuell vom beeindruckendsten aber war bestimmt die Reise im Sommer nach Pakistan mit Gerhard und dir. Eine solche Bergkulisse habe ich noch nie in meinem Leben gesehen! (Wir hatten unser Camp umringt von 8000er Berggipfeln aufgestellt. Der Blick aus dem Zelt wirkte so surreal, dass es eher einer Fototapete glich.)

Surrealer Hintergrund
# Surrealer Hintergrund - ein besseres Aufwachen als mit direktem Blick auf den K2 geht kaum
Im Karakorum war selbst der weit gereiste Martin sprachlos von der Schönheit der Berglandschaft
# Im Karakorum war selbst der weit gereiste Martin sprachlos von der Schönheit der Berglandschaft - Gerhard putzt aber zugegebenermaßen auch ganz hervorragend seine Zähne

Die kulinarisch besten Erfahrungen hattest du wo?

Ich liebe es, in anderen Kulturen zu essen. Die Curry-Sachen in Indien und Pakistan hab ich dann aber auch nach ein paar Tagen mal gesehen. Kulinarisches Highlight war für mich ganz bestimmt Iran oder aber auch Israel. Das könnte ich dauernd essen! Oftmals superfrisch zubereitet, organisch und nicht so viel verpacktes und vorgekochtes Zeug wie bei uns.

Dein beeindruckendstes Erlebnis?

Lass mich ein bisschen überlegen, da gab es so viele … Kommen wir später noch einmal darauf zurück?

Klar, lass dir Zeit. Weiter im Programm mit meiner Lieblingsfrage: Die dümmste Aktion war?

Haha, definiere „dumm“. In den Ländern, in denen ich unterwegs bin, ist dumm meistens gleichzusetzen mit gefährlich. Und wenn man gefährliche Dinge tut, die sich vermeiden ließen, dann ist das wirklich sehr dumm. Von denen gibt es zum Glück nur sehr wenige. Bloß gefährliche Aktionen gab es genug. Etwas vom Krassesten war die Rückkehr auf dem nicht mehr zugefrorenen Zanskar-Fluss im Winter 2013 im indischen Himalaya. Der über 20 Meter breite Fluss Fluss war an einigen Stellen nur noch wenige Zentimeter zugefroren. Plan B wäre Evakuierung mit dem Armee-Helikopter gewesen und damit eher keine Option. Wir waren tagelang mit durchnässten Schuhen und Füssen unterwegs.

Den besten Trail hast du wo gefunden? Was hat ihn ausgezeichnet?

Bei den extremen Expeditionen bin ich ja oft zu Fuß unterwegs. Also sind für mich die besten Trails auch die, die für mich fahrbar sind. In Südafrika fand ich schon sehr coole Trails, die Azoren waren auch geil oder aber auch Israel.

Bei deinen Expeditionen verbringst du enorm viel Zeit mit deinen Reise-Buddies, und das auch noch oftmals in körperlichen Extremsituationen. Wie schafft man es, sich da nicht die Schädel einzuschlagen?

Das Wichtigste ist es, den Humor nicht zu verlieren. Solange man etwas zu Lachen hat, ist auch eine harte Situation erträglich. Dann kommt es natürlich auch auf jeden Expedition-Teilnehmer an. Man muss da schon eine bestimmte Härte mitbringen, sonst geht dann das Gejammer schnell los und das schlägt sich dann auch auf die allgemeine Stimmung. Wenn ich zusammen mit einem anderen Fotografen oder Filmern zusammen arbeite, ist es auch wichtig, dass man sich zurücknehmen kann und dem anderen den Raum und die Zeit gibt, zu produzieren. Das muss natürlich gegenseitig passieren, sonst gibt’s schnell Frust.

Auf Expeditionen verbringt man gezwungenermaßen sehr viel Zeit miteinander
# Auf Expeditionen verbringt man gezwungenermaßen sehr viel Zeit miteinander - "Ertragbar ist das nur, wenn man über eine gewisse Härte und viel Humor verfügt."

Ich muss gestehen, dass ich nach Pakistan noch relativ lang richtig fertig war. Wie schaffst du es, dich immer wieder zu motivieren, solche teilweise durchaus stapaziösen Reisen anzutreten?

Kurz nach einer strengen Expedition oder noch währenddessen machen wir oft Witze: Wieso bloß tun wir uns das an? Mit Höhenkrankheit irgendwo in Chile auf 5600 m hinters Zelt kotzen? Bei -25° im Himalaya im Zelt übernachten? Oder 21 Stunden am Tag in Pakistan über einen Pass und diverse Gletscher latschen … Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Es ist ein innerer Antrieb, Neues entdecken zu wollen. Etwas zu tun, was vielleicht noch keiner vorher so getan hat. Bilder nach Hause bringen, die so noch nie gezeigt wurden. In Länder zu reisen, in die ich sonst vielleicht nicht gehen würde. Neue Kulturen und Menschen kennen zu lernen, den Horizont erweitern. Draußen sein, frei sein, Abenteuer zu erleben um danach Geschichten zu erzählen.

21 Stunden am Stück über einen Pass latschen
# 21 Stunden am Stück über einen Pass latschen - man muss schon Lust auf so etwas haben. Gerhard Czerners Blick spricht hier Bände
Schlafen im winterlichen Himalaya
# Schlafen im winterlichen Himalaya
Wie man sich immer wieder für solche Reisen motivieren kann?
# Wie man sich immer wieder für solche Reisen motivieren kann? - "Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Es ist ein innerer Antrieb, Neues entdecken zu wollen."

Was ist eine noch ausstehende Destination, die du unbedingt noch mit Rad und Kamera besuchen möchtest?

Da möchte ich jetzt noch nicht zu viel verraten. Aber es gibt da so eine bestimmte Insel, auf welche ich schon ewig wollte. Und nächstes Jahr ist es soweit. Mit Tom Oehler und Gerhard Czerner werde ich eine Bikestory der ganz besonderen Art produzieren. Wo die Insel ist, möchte ich nicht sagen, nur so viel: sie liegt auf der Achse des Bösen (lacht).

Welche Bike-Reise sollte jeder Mountainbiker mal gemacht haben? Warum?

Das kommt wirklich ganz stark auf die individuellen Präferenzen drauf an. Oft ist das richtig Schöne nicht mal weit weg. Ausserhalb von Europa gehört für mich Südafrika nach wie vor zu einer meiner Lieblingsdestinationen. Nicht bloß wegen dem Biken, auch wegen dem Essen, dem Wein und Kapstadt.

Südafrika gehört auf Grund der Vielfalt zu den Lieblingsdestinationen von Martin
# Südafrika gehört auf Grund der Vielfalt zu den Lieblingsdestinationen von Martin
Denn der Süden Afrikas kann nicht nur mit hervorragenden Bikestrecken punkten...
# Denn der Süden Afrikas kann nicht nur mit hervorragenden Bikestrecken punkten...
... sondern hat noch viel mehr zu bieten
# ... sondern hat noch viel mehr zu bieten

So aus der fernen weiten Welt mal wieder zurück in die Schweiz bzw. aufs europäische Festland. Welches sind deine Lieblingsdestinationen hier zum Fotografieren und Biken?

Wir haben wirklich das Paradies vor der Haustüre. Die Alpen sind fantastisch und ich bin sehr gerne in der Schweiz unterwegs. Außerhalb der Schweiz sind es die Dolomiten, die es mir angetan haben. Eine wunderschöne Gegend mit tollen Biketrails. Ich muss aber auch gestehen, dass es auf meiner Europa-Landkarte noch zu viele weiße Flecken gibt. Frag mich doch bitte noch einmal in drei Jahren, dann kann ich dir hoffentlich eine zufriedenstellende Antwort geben.

Jetzt aber zum Schluss: Welches war das beeindruckendste Erlebnis?

Also, wenn ich aus allen Erlebnissen wirklich nur eines rauspicken soll, dann eines, welches stellvertretend steht für viele andere Erlebnisse auf meinen Reisen. Morgens um halb fünf auf dem Weg zum Gipfel vom Kilimandscharo. In der Nacht hat es unerwarteterweise geschneit und wir waren uns nicht mal einig, ob wir um 01:00 wirklich losgehen sollten. Wir gingen dann trotzdem los. Zum Glück! Der Untergrund war von einer dünnen Schneeschicht bedeckt, als im Hintergrund die Sonnen vor dem Mawenzi-Gebirge langsam aufging. Danny MacAskill ging gleich hinter mir, Gerhard Czerner hinter ihm und Hans Rey vorne weg. Dabei ist ein Bild entstanden, welches für mich stellvertretend steht für meine Abenteuer mit Athleten.

mt kenya and kili by martin bissig 4704
# mt kenya and kili by martin bissig 4704

Vielen Dank dir für das Interview!

Welches wäre eure Lieblingsdestination für eine Bikereise? 

Bilder: Martin Bissig – www.bissig.ch

Weiterlesen

Alle Behind the Lens Interviews findet ihr auf der folgenden Übersichtsseite! Hier die letzten Behind the Lens Interviews:

  1. benutzerbild

    Stift

    dabei seit 06/2002

    Letztendlich ist es doch egal ob er mit Canon oder einer anderen Marke fotografiert. Am Ende zählt das Ergebnis, oder? (Ob mit Canon, Nikon, Leica, Sony, Hasselblad…&hellip
    Trotzdem ist es schon interessant zu sehen, was in den Fototaschen drin ist. Wie viele Bodys, was für Objektive und vor allem auch wie lichtstark (immerhin spielt das Gewicht und das Volumen ja schon immer mal eine Rolle).
    In dem konkreten Fall fand ich halt auch die Menge an Akkus auffällig. Und das mit der ext. SSD scheinbar auf ein Laptop verzichtet wird um die Daten zu sichern.
  2. benutzerbild

    Toshi181

    dabei seit 06/2009

    Letztenendes ist es egal was der Fotograf einsetzt. Im Forum weiß man besser Bescheid was funktioniert und was nicht
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    Hannes

    dabei seit 11/2000

    Stift schrieb:

    Letztendlich ist es doch egal ob er mit Canon oder einer anderen Marke fotografiert. Am Ende zählt das Ergebnis, oder? (Ob mit Canon, Nikon, Leica, Sony, Hasselblad…&hellip

    Am Ende zählt immer noch der Fotograf, der ein gutes Auge für Stimmungen, Licht und Momente hat. Die Technik ist nicht unwichtig, aber definitiv dahinter anzusiedeln.

    edit: schreibt ein Canon-Fotograf, der im Vergleich mit Sony grad aktuell definitiv extrem uncool ist
    Stift schrieb:

    Trotzdem ist es schon interessant zu sehen, was in den Fototaschen drin ist. Wie viele Bodys, was für Objektive und vor allem auch wie lichtstark (immerhin spielt das Gewicht und das Volumen ja schon immer mal eine Rolle).

    Ist definitiv eine interessante Geschichte. Ich beispielsweise bin nahezu völlig auf Festbrennweiten umgeswitcht und fotografiere fast alles mit 135/35/15. Nachteil: Man muss doch häufiger mal wechseln und muss sich viel bewegen. Vorteil: Unglaubliche Schärfe, grandiose Bokeh, ein absolutes Plus, was Qualität angeht.

    Ich weiß, externer Link, aber weil es gerade sehr gut reinpasst – hier in meinem Blog habe ich mich recht ausführlich über meine Objektive ausgelassen und was ich warum benutze – mein absoluter Liebling, das Sigma 135 1.8, ist noch nicht drin, weil erst vor einigen Monaten gekauft. Finde ich auch bei anderen Fotografen immer wieder spannend.
  5. benutzerbild

    maxracingshox

    dabei seit 07/2008

    stecko schrieb:

    Wer aber ein 28-70 f2 einsetzten will kommt um die Eos R nicht herum

    Ja, stimmt. Das Objektiv ist schon beeindruckend
    Mein Kommentar war auch nicht ernst gemeint. Finde es nur schade, dass Canon sich in den letzten Jahren im Vgl. zu den anderen Firmen schleppend weiterentwickelt und die Produkte oft stark künstlich kastriert...
  6. benutzerbild

    martin_bissig

    dabei seit 05/2006

    Danke für Eure Bemerkungen. Zu meiner Ausrüstung möchte ich folgendes hinzufügen. Das war der Inhalt meiner Fototasche für meine letzte grosse Expedition nach Pakistan in diesem Sommer. Während der Expedition (2 Wochen) habe ich sogar nur 2 Objektive benutzt mit 2 Bodies. Das 11-24 sowie das 24-240. So musste ich keine Linsen wechseln habe extrem Gewicht gespart. Ich habe beide Kameras an einem Hüftgurt getragen und gezogen wie Lucky Luke. Also kein Bücken, kein Fotorucksack auf und zu etc. Natürlich gibt es im Bereich 24-240 bessere Objektive, aber ich musste da einen Kompromiss eingehen. Wer sich für das Objektiv und dessen Leistung interessiert, hier ein Bericht von mir auf Petapixel.

    Die vielen Akkus deshalb, weil wir unterwegs keine Möglichkeiten zum Laden hatten. Solar ist beschränkt nutzbar, da man immer davon ausgehen muss, KEINE Sonne zu haben. Im worst-case Szenario muss ich also genug Akkus dabei haben, um ohne Solar auszukommen.

    Normalerweise sind in meiner Tasche das 15-35/2.8, das 24-70/2.8 und das 70-200/2.8. Blitzen tue ich fast nicht mehr, ausser bei kommerziellen Shootings, aber das auch nur noch sehr wenig. Ich mag die authentischen Aufnahmen besser.

    Hoffe, ich konnte ein bisschen Licht ins Dunkle meiner Fototasche bringen.

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