Drama baby, Drama. So schnell kann‘s gehen. Die Scott-Jungs verlieren durch einen aufgeschnittenen Reifen von Forster knapp 10 Minuten mit der Reparatur. Cannondale mit Avancini/Fumic übernimmt mit dem Sieg das Leaderjersey und im Kampf um Platz drei haben wir das Blatt zu unseren Gunsten gegenüber Trek-Selle San Marco wenden können. Mit Rang zwei heute liegen wir jetzt sichere elf Sekunden vor Porro/Ferraro, da kann eigentlich nichts mehr passieren *lach*. Die nackten Fakten: 4:32:05 h; 109,5 km; 24,15 Ø-km/h; 58,76 km/h max. Speed, 300 Ø-Watt.

Sein Motto „untamed“ (deutsch: ungezähmt) hat das Cape Epic heute mal wieder unter Beweis gestellt. Man hätte davon ausgehen können, dass Schurter und Forster nach der Vorstellung der letzten Tage alles unter Kontrolle haben. Dem war aber nicht so. Bereits in den ersten Kilometern zum Hotspot hatten wir das Gefühl, dass Forster zu kämpfen hatte. Er hat immer wieder eine kleine Lücke gelassen.



Ganz anders wie gestern, ging es mir heute von Beginn an gut. Auf dem ca. 30-minütigen Anstieg zum höchsten Punkt in diesem Jahr, dem Turm am Grönlandberg, habe ich kurzerhand das Tempo übernommen und bin meinen Stiefel hochgefahren. Oben waren wir noch fünf Teams: Scott, Cannondale, Trek, Buff-Scott und eine unbekannte spanische Paarung. Wir sind den Downhill dann zu Beginn recht locker runter. Cannondale hatte da aber einen anderen Plan und ist wie von der Tarantel gestochen an uns vorbei. Die beiden wollten Scott-SRAM wohl zu einem Fehler zwingen. Ein riskantes Spiel, das hätte auch für Cannondale schief gehen können in diesem Moment. Aber… die Aktion hat die Spitze gesprengt und im kommenden Anstieg hat jeder für sich selbst gekämpft –jeweils nur so in 15 bis 30 Sekunden Abständen.

Forster hat dann im folgenden Downhill einen folgenschweren Fehler gemacht und sich dadurch den Reifen aufgeschlitzt. Die beiden haben den Reifen wohl wegen der Tire-Noodel nicht schnell repariert bekommen und mussten auf das Backup-Team, welches mit großem Abstand unterwegs war, warten. Mit 9:30 Minuten Rückstand haben die Beiden die restlichen 50 km in Angriff genommen.

Unsere Taktik war eine andere: Noch geht es nicht um jede Sekunde und wir glauben, das Podium ohne unkontrollierbares Risiko schaffen zu können. Wir waren zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit Trek, unseren Konkurrenten um Platz drei in der Gesamtwertung, unterwegs. Die Beiden hatten wohl bei Kilometer 65 einen schlechten Moment. Gefühlt sind wir gar nicht so schnell gefahren, aber auf einmal war die Lücke da. Urs hat das sofort erkannt und angezogen. Ab da galt es für mich alles geben um im Windschatten der „Swiss-Machine“ mitzukommen. Zwischenzeitlich waren wir sogar bis auf 50 Sekunden an Cannondale dran.


Gegen Ende ging mir dann aber ein wenig die Puste aus – muss ich gestehen. Aber Rang zwei haben wir sicher nach Hause gebracht und die 1:19 min Rückstand in 11 Sekunden Vorsprung auf Trek in der Gesamtwertung umgemünzt. Alles in allem ein Hammer-Tag. Ich bin echt froh, dass das viele Training im Winter sich ausgezahlt hat und ich hier das erste Mal auf diesem hohen Niveau ganz vorne mithalten kann. Nun ist Halbzeit und wir sind voll mit dabei im Kampf um das Podium. Noch vier harte Tage warten auf uns und heute hat wieder gezeigt: Es kann hier wirklich ALLES passieren.

Insights – Unser Materialplan und was alles am Mann ist
Ihr habt schon viel gehört zum Thema „Platten“ hier. Das Entscheidende ist, dass wir das Material komplett ausreizen. Der Grad zwischen Leichtigkeit und der nötigen Sicherheit ist sehr schmal. Beim kleinsten Fehler oder einer Unachtsamkeit ist der Reifen platt. Bisher hatten wir zum Glück kein Problem. Deswegen hier unser Setup: Ich fahre vorn den Schwalbe Racing Ray, hinten den Racing Ralph jeweils in der 2,25 Breite und als Snake Skin Version. Der blaue Streifen auf dem Vorderreigen signalisiert die weichere Gummimischung vorne. Natürlich fahren wir die Laufräder Tubeless mit extra viel Milch, denn hier hat es viele Dornen. Luftdruck? Vorne 1,38-1,42 Bar hinten 1,46-1,5. Wenn wir wissen, dass es besonders viele Dornen auf dem Teilstück haben wird, starten wir eigentlich mit 0,1 bar mehr, damit was verloren gehen kann.
Neben dem Ersatzschlauch am Bike haben wir einiges an Material in den Trikottaschen.
Das sind ein pOcpac in das wir zusätzliche Reifenplugs und ein Tool packen, eine Kartuschen-Pumpe plus eine Minipumpe. Wir haben zur Sicherheit immer Gels und Riegel dabei. Normal sind die aber an den Flaschen angebracht, die wir unterwegs aufnehmen. Heute habe ich wieder 10 Gels zu mir genommen.
Ich hoffe ihr habt Spaß daran, meine Berichte zu lesen und seid weiter dabei, wenn wir ums Podium kämpfen. Morgen steht das Zeitfahren an – 41km gegen die Uhr. Schaut mal in meinen Live-Stories während dem Rennen auf Instagram vorbei. Markus mein Freund ist immer live beim Geschehen dabei.
Euer Stiebi
Alle Artikel zu Simon Stiebjahns Live-Blog vom Cape Epic 2019:
- Cape Epic-Interview mit Simon Stiebjahn und Markus Bauer: „Unser Ziel ist das Podest!“
- Bulls Wild Edge von Simon Stiebjahn: Brandneuer Prototyp am Start beim Cape Epic
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: Prolog – Endlich geht’s los!
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: 1. Etappe – Ein grandioser Tag für uns!
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: 2. Etappe – Wer hat gesagt, dass es einfach wird?
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: 3. Etappe – Podium, endlich Podium!
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: 4. Etappe – Kampf gegen die Uhr und sich selbst
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: 5. Etappe – Ein Tag zum Vergessen
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: 6. Etappe – Singletrail-Paradies in der Weinhochburg
- Cape Epic Live-Blog von Simon Stiebjahn: 7. Etappe – Grande Finale der härtesten Woche des Jahres!
49 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumDie 25km/h Begrenzung ist mal wieder ein typisch Deutsches Phänomen, soviel ich weiß gibt es in anderen Ländern keine oder eine höhere Begrenzung. Für solche Rennen werden sie gar keine drin haben, in der Ebene tritt Schurter bestimmt 40km/h.
Beim Cape Epic haben die Dinger ganz sicher keine Begrenzung auf 25 km/h, richtig.
Siehe Interview...Zitat:
"Müsste man die 25 km/h-Grenze anheben?
Ja und nein! Durch meine Teilnahme beim Cape Epic als Kamerapilot weiß ich, wie es ist mit einem E-Bike ohne Geschwindigkeits-Beschränkung über die Trails zu fahren. Es ist einfach unglaublich! Und wenn man sein Bike beherrscht, ist maximaler Fahrspaß garantiert. Allerdings kann nicht jeder diese Geschwindigkeit kontrollieren..."
Quelle: https://www.bike-magazin.de/e_mtb/e...stefan-sahm-ueber-e-mountainbikes/a34087.html
Ich habe mich gestern mit Stefan unterhalten. Die BULLS E-Bikes sind Serienräder nur die Begrenzung auf 25 km/h ist aufgehoben. Wenn Thomas und Stefan an einem Wasserpunkt die Batterie tauschen müssen, können sie so schneller wieder an die Spitze ran fahren und auch im Flachen fahren Schurter und Co. gerne mal 40 km/h da wäre es mit 25km/h Begrenzung unmöglich dran zu bleiben...
Das war keine Bewertung , sondern nur eine Feststellung. Ich denke auch das es ein Limit geben sollte, wobei es ja von vielen ohnehin umgangen wird. Aber das Thema gehört hier nicht hin.
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