Neues Scott Gambler: Infos und Preise
Nach dem Scott Spark, Scott Genius und Scott Ransom kommt jetzt auch das Downhill-Bike Gambler im neuen Gewand mit im Unterrohr integriertem Dämpfer auf den Markt. Das Design orientiert sich stark am Ransom – so kommt ein fast identischer Sechsgelenker-Hinterbau zum Einsatz, der nun jedoch fluffige 210 mm Federweg erzeugt. Es gibt jedoch einige spannende Unterschiede und Weiterentwicklungen, die vor allem die Servicebarkeit des futuristischen Downhill-Bikes verbessern sollen. Im Rahmen soll so ziemlich jeder aktuelle DH-Dämpfer Platz finden, zudem gibt’s Flipchips für die Kettenstrebenlänge, Geometrie und Progression und auch der Reach kann über andere Steuersatzschalen justiert werden. Man kann das zwar für Mullet-Laufräder optimierte Bike sogar als 29er fahren. Wir konnten das High-End-Modell Scott Gambler RC für 7.599 € bereits zwei Tage lang im Bikepark Châtel testen – hier gibt’s die spannenden Eindrücke.
- Rahmenmaterial Carbon
- Federweg 203 mm (vorn) / 210 mm (hinten)
- Hinterbau Sechsgelenker mit integriertem Dämpfer
- Laufradgröße Mullet (29″/27,5″, Auslieferungszustand), 29″
- Besonderheiten im Rahmen versteckter Dämpfer, anpassbare Geometrie, Progression, Reach und Kettenstrebenlänge, integriertes Tool, integrierter Sag-Messer
- Gewicht 16,85 kg (Größe L, gewogen)
- Farben Grün/Lila, Grau/Braun
- Rahmengrößen M / L / XL
- Verfügbar ab sofort
- www.scott-sports.com
Preis Gambler-Rahmenset: 3.999 € (UVP, inklusive Fox DHX2-Dämpfer)
Preis Gambler RC: 7.599 € (UVP)
Preis Gambler 10: 4.899 € (UVP)
Im Detail
Für World Cup-Fans dürfte der bauchige Look des neuen Scott Gamblers keine Überraschung sein – schließlich ist das Team bereits seit Saisonstart mit einem zum Serienrad fast identischen Prototyp unterwegs. Da es sich um das nunmehr vierte Scott-Modell mit integriertem Dämpfer handelt, zieht auch der Witz mit dem Hardtail-Downhiller nicht mehr wirklich. Trotzdem steckt das neue Gambler voller interessanter Details. Fangen wir zunächst mit dem Hinterbau-System an: Es handelt sich um ein sehr ähnliches Sechsgelenker-System wie beim Scott Ransom. Die vielen Drehpunkte sind Scott zufolge nötig, um das gewünschte Design mit einem sehr tiefen Schwerpunkt und im Rahmen geschützten Dämpfern mit den gewünschten Fahreigenschaften zu kombinieren. Ein Link dreht dabei um das Tretlager und bewegt einen außen angebrachten Sag-Messer mit, was das Set-up deutlich erleichtert.
Trotz knappem Bauraum kann Scott zufolge so ziemlich jeder DH-Dämpfer (mit korrektem Einbaumaß) verbaut werden. Eine große Klappe am Unterrohr (in der sich ein Multitool versteckt) sowie eine kleinere zwischen Sattelrohr und Hinterrad sorgen dafür, dass man problemlos an alle Einsteller gelangt. Im Rahmen soll der Dämpfer vor Dreck und Staub geschützt sein – Hitze sei den Scott-Ingenieuren zufolge übrigens kein Problem. Obwohl man mit Belüftungsöffnungen experimentiert hat, kommt das Serienrad komplett ohne aus. Und auch wenn Integration häufig eher der Feind des Selbstschraubers ist, möchte Scott mit dem Gambler ein echtes „Privateer-Bike“ im Angebot haben. Sämtliche Schrauben setzen auf den T30-Schlüssel und sind gut erreichbar. Außerdem sitzen alle Unterlegscheiben fest im Lager und können beim Zerlegen nicht mehr runterfallen, was tatsächlich eine spürbare Erleichterung ist. Wie von Scott gewohnt sind alle Achsen und Spacer passend beschriftet, sodass auch der Zusammenbau reibungslos klappen sollte.
Sämtliche Kabel wandern durch die Doppelbrücken-Anschläge in den Rahmen und werden intern klapperfrei geführt. Nur am Hinterbau liegen sie für ein kurzes Stück offen in den Sattelstreben. Auch wenn der Rahmen ziemlich wuchtig daherkommt, hat man bei Scott viel mit der Steifigkeit experimentiert und möchte hier einen als ideal angesehenen Wert erreicht haben. Um diesen zu ermitteln, wurde in internen Versuchen eine Steifigkeits-Bibliothek angelegt. Tatsächlich soll die Bauweise mit internem Dämpfer die Carbon-Konstruktion gegenüber herkömmlichen Designs sogar vereinfachen.
Der Sechsgelenker-Hinterbau soll ein buttrig-weiches Ansprechverhalten mit ausreichend Gegenhalt und Progression vereinen und mit Luft und Stahlfederdämpfer harmonieren. Über einen Flipchip in der vorderen Dämpferaufnahme lässt sich entweder die Tretlagerabsenkung ändern oder auch die Progression zwischen 25 % und 30 % justieren. Das ist etwas weniger als beim Vorgänger-Modell – bei diesem haben die Team-Fahrer nämlich lieber aufs linearere Setting gesetzt. Der Anti-Squat liegt bei ca. 100 % und soll gute Pedaliereigenschaften mit wenig Pedalrückschlag verbinden. Tatsächlich empfehlen die Scott-Ingenieure kein Ochain oder Ähnliches, auch einige der Team-Fahrer – etwa Benoit Coulanges – sind inzwischen ohne Kettendämpfung unterwegs. Der Anti-Rise ist mit 50–60 % relativ gering, was für ein recht aktives Fahrwerk auf der Bremse spricht.
Wie bei den meisten aktuellen DH-Bikes wird auch beim Gambler die Anpassbarkeit großgeschrieben: Neben erwähntem Dämpfer-Flipchip gibt’s die Möglichkeit, die Kettenstrebenlänge um ganze 2 cm zu justieren. Auf der Bremsseite kommt ein Flipchip zum Einsatz, da dieser steifer sein soll als ein austauschbares Ausfallende und dieses die Bremsperformance negativ beeinflusst hätte. Am Antrieb wiederum setzt man auf ein Ausfallende mit UDH-Interface, damit ein Transmission-Schaltwerk verbaut werden kann – im kurzen Setting könnte dieses sonst nicht genug nach hinten schwingen. Da davon auszugehen ist, dass die Scott-Produkt-Manager deutlich besser über kommende Produkte von SRAM informiert sind als unsereins, ist das ein sehr, sehr starker Hinweis auf ein kommendes Direct-Mount-DH-Schaltwerk von SRAM.
Weitere Einstellmöglichkeiten gibt’s durch die im Lieferumfang inkludierten Offset-Steuersatz-Schalen für ±6 mm Reach-Anpassung. Diese müssen allerdings verpresst werden – ein System, bei dem die Schalen nur ins Steuerrohr gelegt werden, wie etwa am Giant Glory (Test) oder Santa Cruz V10 (Test) war den Scott-Ingenieuren zufolge zu anfällig für Knarz-Geräusche, auch wenn ich davon bisher nicht berichten kann. Und auch wenn das Gambler als Mullet-Bike mit 27,5″-Hinterrad entwickelt wurde, ist es in bestimmten Flipchip-Settings möglich, es als 29er zu fahren.
Interessant ist die Flaschenhalter-Aufnahme auf dem Unterrohr, an der etwa ein Telemetrie-System oder Ersatzteile untergebracht werden können. Dazu gibt’s einen Scott-eigenen Bashguard, der laut Scott im hauseigenen Labor (hier geht’s zum Scott-Hausbesuch) ebenso wie die Kunststoff-Abdeckungen exzessiv getestet worden ist. Zu diesem Zweck hat man vor einiger Zeit bereits eine eigene Kunststoff-Entwicklungsabteilung ins Leben gerufen. Wer übrigens in den Rahmen hineinfasst, wird merken, dass dieser innen genauso smooth wie außen ist. Das liegt am neuen Carbon-Verfahren von Scott, bei dem die Lagen direkt auf einen Kunststoff-Kern gelegt werden, der nach dem Backen aus der Form gezogen werden kann. Das Verfahren wurde letztes Jahr mit dem Scott Addict vorgestellt und soll unnötige Materialanhäufungen vermeiden – weitere Infos gibt’s im Artikel auf Rennrad-News.de.
Geometrie
Wie so viele aktuelle Downhill-Bikes ist auch das neue Scott Gambler hochgradig anpassbar. Es wird in drei Rahmengrößen angeboten, wobei die Geometrie fast schon konservativ ausfällt. Die Reach-Werte wandern im hohen Setting von 445 mm bis 495 mm, könnten jedoch um ±6 mm verstellt werden und werden im Low-Setting spürbar kürzer. Der Stack beträgt in allen Größen eher moderate 639 mm, dazu gibt’s ein um 1,5 mm angehobenes bis 14 mm abgesenktes Tretlager. Die Kettenstrebenlänge variiert zwischen ca. 460–440 mm, was beides eher auf der langen Seite ist. Der Lenkwinkel liegt bei 62,5–63,5°. Im tiefen Setting kann man das Gambler auch als 29er fahren, was das Tretlager dann allerdings entsprechend anhebt.
Geometrie – Mullet
| Rahmengröße |
M
|
L
|
XL
|
|---|---|---|---|
| Laufradgröße | Mullet 29/27,5 | Mullet 29/27,5 | Mullet 29/27,5 |
| Reach | 445 mm433 mm | 470 mm458 mm | 495 mm483 mm |
| Stack | 639 mm648 mm | 639 mm648 mm | 639 mm648 mm |
| STR | 1,441,50 | 1,361,41 | 1,291,34 |
| Lenkwinkel | 63,5°62,5° | 63,5°62,5° | 63,5°62,5° |
| Steuerrohr | 110 mm | 110 mm | 110 mm |
| Kettenstreben | 460 mm464 mm | 460 mm464 mm | 460 mm464 mm |
| Radstand | 1.275 mm1.278 mm | 1.300 mm1.303 mm | 1.325 mm1.328 mm |
| Tretlagerabsenkung | 1,5 mm-14 mm | 1,5 mm-14 mm | 1,5 mm-14 mm |
| Tretlagerhöhe | 361 mm345 mm | 361 mm345 mm | 361 mm345 mm |
| Einbauhöhe Gabel | 611 mm | 611 mm | 611 mm |
| Federweg (hinten) | 210 mm | 210 mm | 210 mm |
| Federweg (vorn) | 203 mm | 203 mm | 203 mm |
Geometrie – 29″
| Rahmengröße | M | L | XL |
|---|---|---|---|
| Laufradgröße | 29″ | 29″ | 29″ |
| Reach | 445 mm | 470 mm | 495 mm |
| Stack | 639 mm | 639 mm | 639 mm |
| STR | 1,44 | 1,36 | 1,29 |
| Lenkwinkel | 63,5° | 63,5° | 63,5° |
| Steuerrohr | 110 mm | 110 mm | 110 mm |
| Kettenstreben | 464 mm | 464 mm | 464 mm |
| Radstand | 1.278 mm | 1.303 mm | 1.328 mm |
| Tretlagerabsenkung | -14 mm | -14 mm | -14 mm |
| Tretlagerhöhe | 361 mm | 361 mm | 361 mm |
| Einbauhöhe Gabel | 611 mm | 611 mm | 611 mm |
| Federweg (hinten) | 210 mm | 210 mm | 210 mm |
| Federweg (vorn) | 203 mm | 203 mm |
Ausstattung
Zum Verkaufsstart bietet Scott neben einem Rahmenkit inklusive Fox DHX2-Dämpfer für sportliche 3.999 € zwei Kompletträder an: das von mir getestete Scott Gambler RC für 7.599 € und das günstigere Scott Gambler 10 für 4.899 €. Die High-End-RC-Version setzt auf ein edles Fox Factory-Fahrwerk, bestehend aus 40-Gabel und Fox DHX2-Stahlfederdämpfer. Dazu gibt’s einen SRAM X01-Antrieb mit Race Face-Kurbeln, bissigen SRAM Maven-Bremsen und einem klassischen Syncros-Cockpit. Die Maxxis Assegai/Minion DHRII-Reifen mit Downhill-Karkasse sind auf Race Face Atlas-Laufräder aufgezogen.
Das Gambler 10 bietet eine RockShox Boxxer Base-Federgabel mit dem Vivid Coil-Dämpfer und einem SRAM GX DH-Antrieb. Für Bremskraft sorgen hier die Shimano MT520-Bremsen, dazu gibt’s ebenfalls ein Syncros-Cockpit sowie Alexrims-Felgen, die auf Formula-Naben aufgespeicht sind und mit Maxxis Assegai/Minion DHRII-Reifen bestückt wurden. Das günstigere Modell setzt zudem auf Ketten- und Sitzstreben aus Aluminium, die laut Scott etwas steifer ausfallen als die Carbon-Version am Gambler RC.
| Scott Gambler RC | Scott Gambler 10 | |
|---|---|---|
| Rahmen | Gambler Carbon HMX, Integrated Suspension Technology, 6 Link Kinematic, Reach_BB height_CST length Adjust, UDH Interface, BB107, 12x157mm, MX Ready | Gambler Carbon HMX Mainframe, Alloy 6061 Swingarm, Integrated Suspension Technology, 6 Link Kinematic, Reach_BB height_CST length Adjust, UDH Interface, BB107, 12x157mm, MX Ready |
| Gabel | FOX 40 Factory Grip X2 Air, Kashima, HSC - LSC - HSR- LSR adjustable, 20x110mm, 52mm offset, 200mm travel | RockShox Boxxer Base, Rush RC /Comp. Reb. adjust, 52mm Offset, 20mm Boost thru axle, 200mm Travel |
| Hinterbaudämpfer | FOX DH X2 Factory, Independent high, low comp., rebound, RVS, custom tune, 250x75mm | RockShox Vivid Coil, rebound Adj., Custom tune, 250x75mm |
| Schaltwerk | SRAM XO1 DH, Short cage, 7 Speed | SRAM GX DH, Short cage, 7 Speed |
| Schalthebel | SRAM XO1 DH, Trigger Shifter, 7 Speed | SRAM GX DH, Trigger Shifter, 7 Speed |
| Kurbelgarnitur | Raceface Atlas DM36T Alloy Chainring DM, 165mm | SRAM Descendant DH DUB, 34T Steel chainring DM, 165mm |
| Kettenführung | MRP TR2 Upper Guide, SCOTT Gambler integrated Bashguard | MRP TR2 Upper Guide, SCOTT Gambler integrated Bashguard |
| Tretlager | Raceface PF BB107 Double row | SRAM DUB PF MTB107, Shell 107x41mm |
| Kette | KMC X11 | KMC X11 |
| Kassette | SRAM CS PG-720 DH 11-25 | SRAM CS PG-720 DH 11-25 |
| Bremsen | SRAM Maven Silver 4 Piston Disc, SRAM HS2 Rotors F&R 200mm | Shimano MT520 4 Piston Disc, Shimano SM-RT76, 6 Bolt, 203mm |
| Lenker | Syncros Hixon 1.5 DH, 35mm, 20mm Rise, 8°, 800mm, Syncros AM lock-on grips | Syncros Hixon 1.5 DH, 31.8mm, 15mm Rise, 8°, 800mm, Syncros AM lock-on grips |
| Vorbau | Syncros DH1.5, 35mm, Direct Mount 50mm | Syncros DH1.5, 31.8mm, Direct Mount 50mm |
| Sattelstütze | Syncros DH1.5, 31.6mm, Alloy7050 | Syncros DH2.0, 31.6mm, Alloy6061 |
| Sattel | Syncros Kaslo 1.5, Titanium Rails | Syncros Kaslo 2.0, Crmo Rails |
| Steuersatz | Syncros-Acros Gambler Semi integrated, DH Reach adj +-5mm with cup, ZS56/28.6-ZS56/40 | Syncros-Acros Gambler Semi integrated, ZS56/28.6-ZS56/40 |
| Laufradsatz | Race Face Atlas, 110x20 Boost front, 157x12 rear, 29”front, 27.5”rear, 28H, Tubeless Ready Rims | Formula DHL-93 Boost, 110x20mm thru axle; Formula DHL-157, 157x12mm thru axle, sealed bearings; DT Swiss Industry, 2.0 black; Alexrims MD30 Disc, 29”front, 27.5”rear, 32H black, Tubeless Ready |
| Vorderreifen | Maxxis Assegai 29x2.5”, 2x60TPI, DH, TR, 3C Maxx Grip | Maxxis Assegai 29x2.5”, 2x60TPI, DH, TR, 3C Maxx Grip |
| Hinterreifen | Maxxis DHR II 27.5x2.5”, 2x60TPI, DH, TR, 3C Maxx Terra | Maxxis DHR II 27.5x2.5”, 2x60TPI, DH, TR, 3C Maxx Terra |
| Gewicht (Herstellerangabe) | 16.84 kg (Tubless setup) 37.13 lbs (Tubless setup) | 17.54 kg (Tubless setup) 38.67 lbs (Tubless setup) |
Auf dem Trail
Ich konnte das Scott Gambler RC in Größe L rund 2 Tage lang im Bikepark Châtel testen. Auch wenn der Zeitraum etwas beschränkt war, hat Scott ein großes Team aus Entwicklern und Mechanikern vor Ort gehabt, deren Support es mir erlaubt hat, fast jedes Setting des Rahmens zu testen sowie eine solide Fahrwerksabstimmung herauszufahren. Mit 1,83 m Körpergröße bin ich den recht kurzen L-Rahmen stets mit +6 mm Steuersatzschalen gefahren.
Ausgeliefert wird das Gambler im hohen und linearen Setting und so bin ich auch gestartet. Dazu gab’s noch die langen Kettenstreben. Bereits beim ersten Aufsitzen habe ich mich damit allerdings kaum integriert ins Bike gefühlt, was sich auf der ersten Fahrt auch bestätigt hat. Also ging’s zunächst ins tiefe Setting, dazu einen Lenker mit 1 cm mehr Rise und noch 1 cm zusätzlich über eine hochgesetzte Brücke. So habe ich mich besser integriert ins Bike gefühlt und konnte aggressiver über die Front fahren.
Auffällig ist zunächst, wie sensibel das Gambler anspricht – beim initialen Auftreffen auf ein Hindernis könnte man sich schon fast auf einem High-Pivot-Bike wähnen. Dieses Gefühl verschwindet jedoch schnell, denn das Fahrwerk bietet eine solide Plattform mit ausreichend Gegenhalt, zudem längt sich der Hinterbau auch nicht spürbar. Stattdessen bleibt die Balance zwischen Front und Heck in den meisten Situationen erhalten. Im Vergleich zum Vorgänger ist das Gambler spürbar mehr in Richtung DH-Race gewandert und geht etwas großzügiger mit seinen 210 mm Federweg um. Nach ein paar plüschigen Zentimetern stellt sich jedoch besagter Gegenhalt ein, sodass man auch im Bikepark aktiv und verspielt fahren kann.
Einen recht großen Unterschied macht das progressive Setting: lang, tief und progressiv wäre wohl mein präferiertes DH-Setup. Damit wird das Rad nochmal deutlich plüschiger, gleichzeitig setzt der Gegenhalt zwar spürbarer, aber nicht zu abrupt ein, wie es bei manchen sehr progressiven Bikes der Fall sein kann. Leider bietet Châtel keine richtig schnellen, ausgeballerten DH-Strecken, um herauszufinden, ob der Hinterbau auch im Grenzbereich so souverän agiert. Ein Testbike für weitere Runs in Schladming und Maribor ist aber schon auf dem Weg zu mir.
Auf den teilweise sehr feuchten Wurzeln in Châtel konnte ich feststellen, dass das neue Scott Gambler zwar keinen besonders weichen Rahmen hat, allerdings nicht so steif ist, wie man aufgrund der wuchtigen Rohre denken könnte. Aus schnellen Anliegerkurven beschleunigt das Bike sehr souverän, ich hatte aber nie das Gefühl, auf Wurzelfeldern wie ein Ping-Pong-Ball hin- und hergeworfen zu werden. Der Rahmen fühlt sich straff, aber nicht starr an. So machen die teilweise sehr schnellen Bikepark- und Jump-Strecken in Châtel richtig Laune: Das Gambler fühlt sich gut ausbalanciert an und liegt sehr souverän in der Luft.
Im Downhill-Einsatz würde ich wohl die langen Kettenstreben bevorzugen, im Bikepark oder auf technischen Singletrails – von denen es in Châtel mehr als genug gibt – ergibt das kürzere 440 mm-Setting allerdings mehr Sinn. Damit habe ich mich nicht ganz so integriert ins Bike gefühlt, war aber wendiger unterwegs. Recht merkwürdig war nur die Kombination aus kurz und progressiv, wovon Scott auch abrät. Beim Anbremsen blieb das Gambler recht aktiv, hat sich in Bremswellen teilweise jedoch etwas aufgeschaukelt – allerdings würde ich tendenziell zu einer härteren als der 450 lbs Feder greifen, was vermutlich schon deutlich mehr Ruhe ins Bike bringen würde.
Im Vergleich
Nur einige Monate älter als das Scott Gambler ist das neue Sender (Canyon Sender Test). Der High-Pivot-Eingelenker fährt sich deutlich spezieller und benötigt spürbar mehr Eingewöhnung. Während das Gambler mit einer guten Balance zwischen Front und Heck glänzt und sich relativ ausgewogen und neutral fährt, verändert das Sender je nach Fahrsituation seinen Charakter etwas. Beide Räder bieten recht komplexe Anlenkungen, wobei einige Details beim Gambler etwas servicefreundlicher wirken – unter Vorbehalten, denn ich habe bisher keins der beiden Bikes zerlegt. Das Scott Gambler ist mit Sicherheit der bessere Allrounder, während das Canyon Sender ein Spezialist für bestimmte Highspeed-Strecken ist.
Das ist uns aufgefallen
- Dämpfer-Erreichbarkeit Gerade der neue Fox DHX2 ist nicht immer ideal einstellbar – am Scott Gambler kommt man allerdings perfekt an alle Rädchen ran.
- Servicebarkeit Diese ist von allem, was ich bisher sehen konnte, sehr gut! Beim Zerlegen fallen keine Unterlegscheiben raus, alles ist gut erreichbar, es gibt ein integriertes Multitool, mit dem sich sogar der Flipchip auf dem Trail verstellen lässt und man kommt exzellent an alle Dämpfer-Einsteller heran.
- Geometrie Das Gambler fällt für ein modernes DH-Bike fast schon kurz aus. Persönlich liege ich mit meinen Präferenzen diesmal sogar zwischen L und XL (sonst zwischen M und L) und würde wohl zum größeren Rahmen (mit -6 mm Steuersatz) greifen, da ich das tiefe Geometrie-Setting bevorzuge und dieses den Reach schrumpfen lässt. Scott ist wohl offen dafür, einen XXL-Rahmen zu produzieren, da aber nicht mal der groß gewachsene Benoit Coulanges diesen möchte, hat man bisher keinen Sinn darin gesehen.
- Kettenstrebenlänge 2 cm Verstellbereich ist ziemlich viel. Das Team hat wohl auch mit mittleren Settings gespielt, allerdings sind alle Fahrer bei den Extremen gelandet. Auf Bikepark-Strecken wie in Châtel würde ich ohne Frage das kurze Setting wählen, auf einer modernen, schnellen DH-Strecke jedoch immer das lange.
- Geräuschkulisse Es gibt keine … fast jedenfalls. Der Freilauf der Race Face-Naben ist beim Anbremsen leicht klackernd zu hören, was bei mir die Frage aufwirft, ob ein Ochain oder Ähnliches nicht doch einen Versuch wert wäre?
- Preis-/Leistung Das High-End-Modell Gambler RC ist mit 7.599 € überraschend preiswert – beachtet man den sehr aufwendig konstruierten Rahmen und die sehr gute Ausstattung. Das Rahmenset ist zum Verkaufsstart mit 3.999 € allerdings nicht gerade günstig. Das Gambler 10-Modell für 4.899 € wiederum macht bereits recht spürbare Abstriche bei der Ausstattung.
Fazit – Scott Gambler
Ist das Scott Gambler wirklich das neue Privateer-Bike? Auch wenn viele Selbstschrauber der von Scott auf die Spitze getriebenen Integration gegenüber skeptisch sind, lohnt es sich, das neue Gambler genauer anzusehen. Es ist offensichtlich einiges an Gehirnschmalz in die Detail-Lösungen geflossen, und auch das Fahrverhalten des Race-Boliden kann im ersten Test voll überzeugen. Der Hinterbau spricht äußerst sensibel an und bietet frühzeitig Gegenhalt, wodurch das Gambler mit einem gelungenen Mix aus Grip und guter Beschleunigung glänzt. In den kommenden Wochen werden wir weitere Testeindrücke auf harten Downhill-Pisten sammeln.
Wie gefällt dir das neue Scott Gambler?
Cape Epic 2025 – 6. Etappe
Fahrerkarussell 2026 – #2: Neujahrs-Update – alle Wechsel & Gerüchte im Überblick
Cape Epic 2025 – 4. Etappe
86 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumAber nicht so falsch wie du dachtest 😛
https://parano-garage.de/Bremssockel-Sets
so ist es in der Schweiz,die spielen mit allen gerne verstecken
in bezug auf die Scott Serie, aber doch sicher nicht allgemein - oder? Was wäre dann z.b. ein RAAW Madonna?!?
Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular: