Wir müssen nicht lange um den heißen Brei herumreden: Jordan Sarrou ist ein Weltklassefahrer – und das schon seit Jahren. Das Palmarès des 27-jährigen Franzosen ist lang. Inklusive seiner Erfolge in den Nachwuchskategorien wurde er viermal französischer Meister, fünfmal Weltmeister (viermal mit der Staffel), dreimal Europameister (einmal mit der Staffel), sicherte sich sieben weitere Medaillen bei WM und EM und war 2014 Weltcup-Gesamtsieger in der U23. Die ganz großen Siege in der Elite-Klasse konnte der BMC-Pilot bislang allerdings noch nicht verzeichnen. Nahe dran war er des Öfteren, gewinnen konnte er bis zum WM-Rennen in Leogang jedoch noch kein Weltcup- oder WM-Rennen.
Sarrou war somit zwar omnipräsent bei fast jedem Weltcuprennen der vergangenen Jahre, im ganz großen Rampenlicht stand er jedoch selten. Doch das änderte sich am 10. Oktober 2020 mit dem Triumph beim WM-Rennen in Leogang schlagartig: Auf der konditionell extrem anspruchsvollen Strecke, die sich durch die Regenfälle in den Vortagen auch zu einer langen und großen Rutschbahn verwandelte, manövrierte sich der Franzose derart stark durch den Schlamm, dass er völlig verdient seinen bis dato größten Erfolg seiner Karriere feiern durfte.
Eine Woche nach der WM stand Sarrou bei der Europameisterschaft in der Schweiz am Start – mit dem gleichen Bike, das ihm acht Tage zuvor zum WM-Titel verhalf: Dem BMC Fourstroke. Auf dem Papier war es zwar das identische Rad, optisch hatten die beiden Geschosse allerdings relativ wenig gemein, denn für den frisch gebackenen Weltmeister gab es eine ganz spezielle Rennmaschine. Vorhang auf für das goldene BMC Fourstroke in der Weltmeister-Edition!
Arbeitsgerät: BMC Fourstroke von Jordan Sarrou
- Fahrer Jordan Sarrou (1,80 m)
- Rahmen BMC Fourstroke / Größe L / Carbon
- Geometrie Reach: 465 mm / Lenkwinkel: 67,5° / Kettenstreben: 429 mm
- Federweg 100 mm / 100 mm
- Fahrwerk SR Suntour Axon Werx 34 / SR Suntour Edge RL-R
- Laufräder Duke Lucky Jack SLS2 6Ters Carbon, 29“
- Lenker BMC MFB01 Carbon, 720 mm Breite
- Bremsen SRAM Level Ultimate, 160 mm/160 mm
- Schaltung SRAM Eagle XX1 AXS
Rahmen und Geometrie
Wer die Bikes von Sarrou, also dessen WM-Bike sowie die goldene Sonderedition, genauer betrachtet, der wird feststellen, dass der Rahmen analog zum Fourstroke-Serienmodell daherkommt. Das Bike besitzt eine recht progressive Geometrie mit einem flachen Lenkwinkel von 67,5°, einem moderaten bis langen Reach von 465 mm in Größe L sowie recht kurzen Kettenstreben von 429 mm.
Ungeachtet der genauen Körperproportionen wie Schrittlänge und Co. befindet sich Jordan Sarrou mit einer Körpergröße von 1,80 m genau an der Grenze zwischen den Rahmengrößen M und L. Der Hersteller BMC empfiehlt für Athleten mit den Körperlängen 1,72 – 1,82 m die Größe M und für Sportler zwischen 1,80 und 1,88 m L. Sarrou hat sich somit für das etwas größere und längere Bike entschieden, das ihm in schnellen Downhill-Passagen ein etwas ruhigeres Fahrverhalten vermitteln könnte. Der hauseigene BMC MSM01-Vorbau mit 70 mm Länge fällt auf Basis dieser progressiven Geometrie eher moderat aus, die nötige Wendigkeit generiert das Rad wohl in erster Linie aus den verhältnismäßig kurzen Kettenstreben.
Trotz dieses kurzen Hinterbaus verbaut der französische Weltmeister einen relativ flachen Vorbau mit lediglich -5° Neigung, wodurch die Lenkzentrale nicht extrem weit nach unten wandert. Auf Spacer verzichtet der 27-Jährige zwar komplett, das Steuerrohr misst jedoch in Größe L 117 mm. Ein verfrühtes und unverhofftes Steigen der Front in sehr steilen Uphillpassagen ist offensichtlich trotzdem kein Problem beim Fourstroke. Auf den äußerst steilen Sektionen in Leogang kletterte Jordan Sarrou nämlich augenscheinlich mühelos nach oben.
Fahrwerk und Setup
Wie das gesamte Absolute Absalon-Team ist auch Jordan Sarrou auf Fahrwerksmodellen des taiwanesischen Herstellers SR Suntour unterwegs. Im Bike des neuen Weltmeisters findet sich somit eine Axon Werx mit 34 mm starken Standrohren wieder, bei der der Federweg auf 100 mm Federweg festgelegt ist. Am Heck setzt die französische Equipe des Doppel-Olympiasiegers Julien Absalon auf den SR Suntour Edge RL-R-Dämpfer. Beide Fahrwerks-Elemente erhielten durch den SR Suntour Race-Service ein individuelles Tuning-Update. Sarrou fährt die Gabel mit einem Luftdruck von 90 psi und sechs Tokens, der Dämpfer ist mit 120 psi befüllt, kommt aber ohne Volumenspacer aus.
Laufräder und Reifen
Lenken wir den Blick bei der Rennmaschine des Weltmeisters nun auf die Laufräder. Die Felgen stammen vom französischen Hersteller Duke und bestehen aus Carbon. Die Innenweite der Lucky Jack SLS2 6TERS beträgt an der Front 28 mm und am Heck 25,6 mm, weshalb es grundsätzlich möglich wäre, die Laufräder auch mit modernen 2.35 oder 2.4 breiten XC-Reifen zu bestücken. Bei den extrem matschigen Bedingungen während des WM-Rennens in Leogang setzte Sarrou jedoch auf relativ schmale 2.1-Pneus, damit die Traktion in dem tiefen Boden bestmöglich vorhanden war. Den Luftdruck legte der amtierende französische XC-Meister auf schlanke 1,25 bar vorne und hinten fest.
Zurück zu den Laufrädern: Das Grundgerüst des Laufradsatzes bilden die Duke-Felgen mit ihren geringen 330 bzw. 307 Gramm laut Hersteller. Gemeinsam mit den uns unbekannten Naben und Speichen soll ein steifes Gesamtkonzept entstehen, das den Anforderungen im Weltcup voll gewachsen zu sein scheint.
Komponentencheck
Der Antrieb des BMC Fourstrokes von Jordan Sarrou stammt aus dem Hause SRAM und ist konsequenterweise mit den nobelsten Parts der XX1 Eagle AXS-Gruppe ausgestattet. Auf dem konditionell äußerst anspruchsvollen Kurs in Leogang setzte der neue Weltmeister auf ein 34t-Kettenblatt sowie eine 10-50-Kassette. Analog zum Antrieb sind auch die Bremsen des US-amerikanischen Komponentenriesen SRAM verbaut: Verzögern kann der Franzose sein Bike mit der Level Ultimate-Bremse, jeweils mit 160 mm-Scheiben.
BMC-Autodrop
Ein mehr als interessantes Anbauteil am BMC Fourstroke von Sarrou ist die Autodrop-Sattelstütze. Das Autodrop-System ermöglicht es nun, dass sich die Stütze absenken lässt, ohne dass der Fahrer auf dem Sattel absitzen muss. Dadurch kann der Pilot im Rennen einiges an Kraft einsparen.
Die neuartige Technologie, die hauseigens von BMC entwickelt wurde, basiert zunächst auf dem 2018 vorgestellten RAD-System. Die elliptische Stütze, die im Rahmen integriert ist, bietet 80 mm Hub und sorgt nicht nur für ein sauberes Erscheinungsbild, sondern drückt das Gewicht der Variostütze auch gehörig nach unten. Durch einen effizienten Materialeinsatz – konkret heißt das, dass die hochbelastete Vorder- und Hinterseite der Sattelstütze eine Wandstärke von 2,3 mm besitzt, während die weniger belasteten Seiten lediglich 1,0 mm stark sind – wiegt das Anbauteil laut Hersteller schlanke 345 Gramm.
So simpel funktioniert das mechanische Autodrop-System:
- Mithilfe eines Pneumatik-Zylinders und einer entgegengesetzten Druckfeder im Innern der Stütze kann die BMC Autodrop selbstständig einfahren werden.
- Der dazu nötige Luftdruck kommt aus einer zusätzlichen Luftkammer im Inneren des Rahmens, die mit einer handelsüblichen Standpumpe befüllt wird.
- Die maximale Anzahl der Ein- und Ausfahrvorgänge liegt bei gefülltem „Lufttank“ laut Hersteller bei mindestens 90 Mal – genug für die Dauer eines XC-Rennens.
- Sollte der Stütze jedoch wortwörtlich mal die „Puste“ ausgehen, dann bleibt die Dropper Post wie ein herkömmliches Modell durch Absitzen weiter betriebsfähig.
Wie gefällt euch das BMC Fourstroke von Jordan Sarrou in der speziellen Weltmeister-Edition?
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32 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumEine kurze Rückmeldung zu der Info von BMC:
1. Thema Reifeninserts: Beim WM-Rennen in Leogang ist Jordan Sarrou ohne Inserts gefahren. Das gilt aber nicht für die gesamte Saison. Je nach Strecke entscheidet er und das Team, ob sie Inserts fahren oder nicht. Sollte er welche fahren, dann die Vitorria Air Liners.
2. Gesamtgewicht des Bikes: Das wird von BMC leider nicht angegeben. Laut BMC variiert das von Rennen zu Rennen zu stark, da es von der Reifenwahl und unterschiedlichen Setup-Einstellungen abhängt.
zum Gesamtgewicht: ich kenne die Gewichte der Dämpfer-Gabel-Teile nicht. Aber er fährt auch den bleischweren BMC-Vorbau mit Lenker. Meines (Eigenaufbau) hat in Größe M mit Fox-Fahrwerk fahrfertig 9,35 kg mit Kenda Saber hinten und Booster vorn. Ich glaube nicht, dass das WM-Bike leichter ist.
Einzelgewichte kann ich auf Wunsch nachschauen, habe ich geexcelt.
Nein das Bike wiegt mehr. Ich hatte mal gelesen dass sein Bike fahrfertig mit allem drum und dran 10,7kg wiegt. Die offiziellen BMC Angaben stimmen auch nicht. Ich fahre das Fourstroke 01 Two und das ist mit 10,35kg angegeben. Ich habe es mit exakt 11kg gewogen. nach einigen Umbauten wiegt meins mit allem drum und dran 10,6kg. Da sind die 10,7kg schon sehr realistisch. Unter 10kg wiegt fahrfertig kein Bike im WC.
Bei 178cm, Schrittlänge 84 sagt BMC ja eher M. Wenn ich einen 60er Vorbau nutzen werde, denkt ihr L geht auch? Wann wurde eigentlich der heutige Rahmen eingeführt? Das Gewicht Rahmen/Dämpfer habe ich bzw die Suchfunktion nicht gefunden
Und wenn man die Dropper rausschmeißen möchte, ist das 31,6?
Die Dropper ist eines der wichtigsten und besten Teile am FS und die Stütze ist oval. Also nicht ersetzbar. Wenn du das FS mit starrer Stütze fahren willst wäre es das falsche Rad für dich
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