Die “Weltcup-Superwoche” in Nove Mesto neigt sich dem Ende zu: Das zweite Cross-Country-Rennen der Eliteklasse macht den Abschluss einer spektakulären Rennwoche, bevor es bereits am Mittwoch mit dem Staffelrennen bei den Weltmeisterschaften für die weltbesten XC-Piloten weitergeht. Wie in den vergangenen Tagen üblich boten die Fahrerinnnen und Fahrer auch ohne die sonst übliche Schar an frenetischen Fans im tschechischen Hexenkessel in Nove Mesto ein wahres Spektakel. Alle Ergebnisse des letzten Weltcuprennens der kurzen Rennsaison 2020 gibt es hier!

Inhalt

Damen

Mit eisernem Willen und einer bärenstarken Leistung sicherte sich Pauline Ferrand-Prevot nach drei zweiten Plätzen in den zurückliegenden Rennen der Doppelweltcupwoche in Nove Mesto den Sieg. Das gesamte Rennen über bestimmte die Französin das Geschehen und drückte bereits in der Startrunde der Konkurrenz den Stempel auf. Nachdem sich auf dem leicht modifizierten Kurs im Vergleich zum ersten Cross-Country-Rennen drei Tage zuvor noch sechs weitere Fahrer in der Startrunde an die Fersen von Ferrand-Prevot hefteten, zersplitterte das Spitzenfeld aufgrund des Tempodiktats der Weltmeisterin in der folgenden ersten kompletten Rennrunde. In äußerst eindrucksvoller Manier zog Ferrand-Prevot von nun an einsame Kreise an der Spitze des Feldes und ließ keine Zweifel an ihrem Triumph aufkommen. Auch die Niederländerin Anne Terpstra, die mit einem Abstand von 15 bis 20 Sekunden hinter Ferrand-Prevot stets in Reichweite schien, konnte die Dominanz der Französin nicht durchbrechen. Terpstra landete schließlich auf den zweiten Rang, Platz drei belegte die Siegerin des Cross-Country-Rennens vom Donnerstag, Loana Lecomte.

Nach der sehr dominanten Startphase der späteren Siegerin Ferrand-Prevot etablierte sich recht schnell die Rennkonstellation, die später auch die Platzierungen im Endklassement repräsentierte. Ferrand-Prevot an der Spitze, knapp dahinter Anne Terpstra und mit größerem Abstand die späteren Dritt- bis Sechstplatzierten Loana Lecomte, die Australierin Rebecca McConnell, die Österreicherin Laura Stigger und die doppelte Short Track-Siegerin Evie Richards fuhren mehr oder minder einsame Rennen.

Die beiden deutschen Top-Fahrerinnen Nadine Rieder und Elisabeth Brandau landeten auf den Positionen 23 und 26. Während Rieder über weite Strecken um einen Platz unter den ersten zwanzig Fahrerinnen kämpfte und in der zweiten Rennhälfte etwas an Boden verlor, fuhr Elisabeth Brandau nach einer schwächeren Startphase Stück für Stück nach vorne. Die Europameisterin Jolanda Neff, die nach dem bewussten Verzicht auf das Short Track-Rennen am Freitag besonders im Fokus stand, musste das Rennen krankheitsbedingt aufgeben. Auch die Gesamtweltcupsiegerin des Vorjahres, Kate Courtney, erwischte einen schwarzen Tag. Sie landete lediglich auf dem 36. Rang.

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Herren

Sieben Fahrer innerhalb von sieben Sekunden: Wer 2018 nach dem wahnsinnigen Sprint-Finish zwischen Anton Cooper und Nino Schurter das wohl spannendste Rennen in der Geschichte des Weltcups vermutete, erlebte beim zweiten Cross-Country-Rennen in Nove Mesto in diesem Jahr ein ähnlich spannendes Szenario. In einem wahnsinnig packenden Rennen sicherte sich Henrique Avancini aus Brasilien nach mehrmaligem knappem Scheitern den ersten Weltcuperfolg in der Cross-Country-Disziplin seiner Karriere. Hauchdünn setzte sich Avancini vor dem Niederländer Milan Vader und dem Weltmeister Nino Schurter durch. Einmal mehr überraschen konnte der deutsche Meister Max Brandl, der sich nach einem couragierten Rennen als Neuntplatzierter über sein erstes Top Ten-Resultat im Weltcup freuen konnte.

Von Beginn des Rennens an ließ der Weltmeister und 32-fache Weltcupsieger Nino Schurter keine Zweifel aufkommen, dass er im Kampf um den Sieg beim zweiten Cross-Country-Rennen in Nove Mesto ein entscheidendes Wörtchen mitreden wollen würde. Über weite Strecken des Rennens fuhr Schurter von der Spitze aus und bestimmte das Tempo einer bis zu elf Fahrer umfassenden Spitzengruppe. Trockenere Bedingungen auf dem Rundkurs rund um das Biathlonstadion von Nove Mesto sorgten dafür, dass die Strecke wesentlich schneller und dadurch die Abstände zwischen den Fahrern deutlich geringer waren als noch wenige Tage zuvor beim ersten Cross-Country-Rennen.

Immer wieder versuchte Schurter mit Tempoverschärfungen das Spitzenfeld zu dezimieren und eine Vorentscheidung im Kampf um den Tageserfolg herbeizuführen. Doch die Konkurrenten um den späteren Sieger Henrique Avancini blieben hartnäckig am Hinterrad, sodass es auf der letzten Runde zum Showdown von acht Fahrern an der Spitze des Feldes kam. Einmal mehr war es Schurter, der durch eine frühe Attacke und einem enorm hohen Tempo die Spitzengruppe auf drei Fahrer reduzieren konnte. Milan Vader, Henrique Avancini und Schurter konnten sich etwas absetzen und fuhren gemeinsam in die letzte Abfahrt mit einem kurzen Gegenanstieg. Vader an der Spitze und der dicht folgende Schurter wählten in jenem Gegenanstieg mit zwei verschiedenen Linienoptionen eine gemeinsame Fahrspur, während Avancini sich für die alternative Lösung entschied. Dies nutzte der Brasilianer zu einer Attacke und katapultierte sich vor der letzten Bergabpassage vom dritten auf den ersten Rang.

In der Abfahrt nahm der Brasilianer bewusst Tempo heraus und bereitete sich auf das „Finale Furioso“ im Sprint vor. Mit einem enormen Antritt sprintete er schließlich von der Spitze weg zum lang ersehnten Sieg in der Cross-Country-Disziplin. Milan Vader setzte sich knapp im Fotofinish gegenüber Nino Schurter durch, nur wenige Meter dahinter folgten der Franzose Victor Koretzky, der Südafrikaner Alan Hatherly und die drei Franzosen Jordan Sarrou, Stephane Tempier und Thomas Griot auf den Plätzen vier bis acht.

Dahinter schaffte Max Brandl nach einem erneut sehr starken Rennen in seinem zweiten Cross-Country-Rennen in der Eliteklasse als Neuntplatzierte der Sprung unter die besten Zehn. Von Beginn an war der deutsche Meister in Schlagdistanz zur Spitze unterwegs und teilte sich seine Kräfte bewusst ein. Mit gerade einmal 23 Sekunden Rückstand überquerte Brandl schließlich den Zielstrich hinter dem Sieger Avancini. Erneut ein starkes Rennen zeigte Julian Schelb, der aus den hinteren Startreihen des Feldes auf Position 32 fuhr. Manuel Fumic erwischte nach seinem starken fünften Rang im Short Track-Rennen am vergangenen Freitag erneut nicht den besten Tag: Er belegte nur den 45. Rang.

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Alle Artikel zum XC World Cup in Nove Mesto 2020:

  1. benutzerbild

    crash24

    dabei seit 11/2012

    Welch unglaublich emotionaler Sieg für Avancini!
    Congratulations!
    Parabéns pela tua vitória na contenda de hoje!

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