Wie ihr vielleicht schon oft gesehen habt, werden nach der Kinematikfindung erst einmal viele Designskizzen erstellt, bevor die Arbeit am Computer beginnt. Wir haben darauf komplett verzichtet und jeden Bereich für sich technisch sinnvoll gestaltet, ohne das Gesamtbild dabei aus den Augen zu verlieren. Hierbei haben wir natürlich auch immer Beschaffungs- und Fertigungsmöglichkeiten bei einer Kleinstserie in Deutschland im Blick gehabt.
Für gerade Rohre und somit eine sehr reduzierte Formensprache haben wir uns nicht aus der Not entschieden. Sondern vielmehr, da wir der überzeichneten Formensprache der meisten Bikes überdrüssig sind und wieder etwas zurück zum Ursprung wollten.
Zusätzlich erledigt ein einfaches Rohr den Job meistens genauso gut oder sogar besser als ein wild geformtes. Es gibt allerdings auch Möglichkeiten, die einem Hydroforming und ähnliche Prozesse bieten, von denen wir sicher auch Gebrauch machen würden, sollten wir mit unserem Projekt jemals höhere Stückzahlen erreichen. Wir würden allerdings niemals Design vor Funktion stellen oder ein Produkt schwerer machen, nur um einer Designlinie gerecht zu werden.
Also ist für uns ganz klar: 100% Form Follows Function.
Jetzt aber erst einmal viel Freude mit Video Nummer 6:
Da wir im Video auch kurz das Thema Lagerung ansprechen, wollen wir euch hier noch kurz erklären, wie wir diese auslegen:
Wir setzen bei unseren Konstruktionen in der Regel vollkugelige Rillenkugellager mit Labyrinthdichtung ein. Gedichtete Wälzlager bieten aus unserer Sicht den besten Kompromiss für den Einsatz in MTB-Rahmen. Mit eigenen Konstruktionen (z.B. auf Basis von Gleitlagerhülsen) kann man in Kleinserie unserer Meinung nach kaum die Präzision und Abdichtung von Rillenkugellagern erreichen. Zudem sind Rillenkugellager problemlos erhältlich und bei entsprechender Konstruktion auch sehr servicefreundlich für den Kunden.
Vollkugelige Lager bieten bei gleichen Abmessungen eine ca. 30% höhere Tragfähigkeit als Lager mit Käfig und sind für langsame Dreh- und Schwenkbewegungen gedacht. Spezielle Lager für MTB-Rahmen sind zudem aufwändig gedichtet. Im Gegensatz zu schnell laufenden Kugellagern gibt es für statische Anwendungen mit kleinem Schwenkwinkel keine exakten Berechnungsmodelle für die Lebensdauer. Man kann lediglich die auftretenden Lagerkräfte im Betrieb mit der statischen Tragzahl der Lager vergleichen.
Die Kräfte in der eigentlichen Bewegungsrichtung können wir mit Hilfe unsere Kinematikauslegungssoftware Linkage genau bestimmen.
Wir haben eine Datenbank von allen Rahmen, die wir in der Vergangenheit konstruiert haben und können auf Basis dieser Erfahrungen ganz gut abschätzen, welcher Faktor aus Tragzahl und Last zu brauchbaren Lebensdauern führt. Wie immer gilt es, einen Kompromiss aus Lebensdauer und Gewicht zu finden.
Wie sind eure Erfahrungen zu dem Thema Lagerhaltbarkeit und was denkt Ihr zu unserem Ansatz mit der sehr einfachen Formensprache?
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41 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumInteressanter Gedanke wäre wirklich spannend das mal genauer zu untersuchen. Mit Einfluß von Matsch und Staub hast du Möglicherweise sogar recht.
Das Wippen oder Kettenreibung (im normalen Bereich) ist reine Kopfsache. Gewicht, Pedalrückschlag nicht.
Die Eingangskraft wird sich ja auch nicht Verändern nur weil der Wirkungsgrad runter geht. Vergleichst du das dann mit deiner KM Leistung usw. oder hast du auch noch einen Sensor der sagt was am Hinterrad ankommt?
Zb versuche ich mit verschiedenen Reifen, Luftdruck, Lockout etc zu fahren.
Es zeigt sich, dass die Unterschiede sich vielleicht nach vielen Messungen manifestieren (da nicht unter kontrollierbaren Laborbedingungen)
Jedoch völlig unmöglich per Gefühl. Und da beim Hobbyfahrer das Gefühl wichtiger ist, als die absolute Zeit, ist auch der absolute Leistungsverlust egal.
Danke für dein Feedback. Wie gesagt ich kann auch keinen Leistungsverlust spüren. Es liegt sicher aber an der Erwartungshaltung, da ich ja dem System gegenüber gundsätzlich positiv eingestellt bin. Jemand der Reibungsverluste spüren will wird diese sicher auch spüren.
Wir haben uns bei unserem System aber auch ganz bewusst für einen zumindest theoretisch schlechteren Wirkungsgrad entschieden da wir davon überzeugt sind das die Performance das bei unserem Einsatzzweck locker aufwiegt. Das bestätigt sich in der Praxis sogar selbst bei technischen Anstiegen.
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